Serie „Einsteiger, Aussteiger, Umsteiger“
Rolf Fuhrmann (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Aussteiger Rolf Fuhrmann – „Du hast nur einen Versuch“

Für Rolf Fuhrmann ist nach dieser Saison mit Sportfernsehen Schluss. „Rollo“ hört als Sky-Fieldreporter auf. Bei dem Sender und dessen Vorgänger Premiere ist der 67-Jährige seit 1992 tätig. Im sportjournalist-Interview blickt er zurück.

sportjournalist: Rolf Fuhrmann, Sie sind schon ewig dabei. Können Sie sich noch an Ihr erstes Live-Interview erinnern?

Rolf Fuhrmann: Natürlich, das war in der Halbzeitpause beim Spiel Boussia Dortmund gegen VfL Bochum mit BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld. Tom Theunissen, heute WDR, hatte sich damals am Fuß verletzt. Jörg Dahlmann war damals Interimschef bei Premiere und sagte mir: „Rollo, jetzt bist du dran!“ Danach bin ich sieben Mal auf die Toilette, so nervös war ich (Fotos: firo sportphoto/Augenklick).

sj: Danach kamen viele weitere Interviews hinzu. Ist der Job irgendwann nichts Besonderes mehr? Oder haben Sie jede Minute genossen?

Fuhrmann: Habe ich, denn der Vorteil ist, dass immer wieder etwas passiert, womit du vorher niemals gerechnet hättest. Natürlich kommt irgendwann eine gewisse Routine rein, aber die Mannschaften und Spieler treffen immer wieder in unterschiedlichen Situationen aufeinander. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Du brauchst auch immer eine gewisse Spannung, es ist live und du hast nur einen Versuch.

sj: Wie groß sind die Veränderungen im Fußballgeschäft verglichen mit Ihren Anfangstagen?

Fuhrmann: Heutzutage ist vieles mit den Medienleuten der Vereine abgesprochen, nicht unbedingt inhaltlich, aber zum Beispiel welchen Spieler man für ein Interview bekommt. Früher ist man einfach auf die Spieler zugegangen und hat sie gefragt. Es ist alles ein bisschen durchgestylter geworden.

sj: Ist das ein Hindernis, um an Informationen zu kommen?

Fuhrmann: Nein, das glaube ich nicht. Die Spieler kennen mich, die kommen dann schon nach der Partie. Außer natürlich, wenn einer einen besonders schlechten Tag hatte.

sj: Was muss ein Sportjournalist heutzutage für Eigenschaften haben?

Fuhrmann: Ich glaube nicht, dass sich das groß zu früher unterscheidet. Er muss authentisch sein, die Sprache beherrschen, demütig bleiben und Respekt zeigen. Und er muss zuhören können, das ist das Wichtigste. Das muss man auch erst lernen. Du musst ja auf die Antworten reagieren können. Stur das Konzept herunter zu rattern, das geht nicht.

sj: Was war der schwierigste Moment in Ihrer Karriere?

Fuhrmann: Den einen gibt es für mich nicht, denn dafür waren es zu viele. Aber einer der schwierigsten war, als ich 2011 verkünden musste, dass der Schiedsrichter Babak Rafati versucht hatte, sich umzubringen. Das musste ich in gebührender Form übermitteln und Empathie zeigen.

sj: Wie bewerten Sie heute Ihren Auftritt 2001, als Sie Schalke 04 für vier Minuten zum deutschen Meister gemacht hatten?

Fuhrmann: Wenn ich eines daraus gelernt habe, dann dies: Lieber zweimal nachzufragen, bevor man irgendetwas meldet.

sj: Wie kam es dazu, dass Sie dachten, das Spiel der Bayern in Hamburg wäre schon abgepfiffen?

Fuhrmann: Als Reporter siehst du, was abgeht. Alle sind durchgedreht, das Feuerwerk ging hoch, ich hatte keinen Monitor. Mein Ablaufredakteur hat mich dann auf Sendung gehalten. Jeder dachte, es wäre Schluss, ich dann eben auch. Heute wäre das undenkbar.

sj: Nach dieser Saison hören Sie bei Sky auf. Wann fiel der Entschluss?

Fuhrmann: Na ja, im Sommer werde ich 68. Schon vor drei Jahren habe ich zu meinem Chef gesagt: Lass uns das bis 2017 weitermachen und dann ist gut. Ich fühle mich immer noch sehr wohl, mache den Job gerne. Ich möchte aber auch nicht aus dem Stadion getragen werden.

sj: Vor Ihrer Karriere beim Fernsehen haben Sie viele andere Jobs gemacht, zum Beispiel DJ, Lehrer oder Taxifahrer. Klare Ziele hatten Sie nie?

Fuhrmann: Geplant war das alles so nicht. Ich habe es immer auf mich zukommen lassen. Aber das, was ich gemacht habe, habe ich auch zu 100 Prozent gemacht. Ich sage immer: Man hat vier, fünf oder sechs gute Ideen im Leben und die muss man dann auch durchziehen.

sj: Schon eine Idee für die Zeit nach der TV-Karriere?

Fuhrmann: Genau weiß ich das nicht. Ich schreibe weiter Kolumnen und dann mal gucken. Ich werde mich schon bemerkbar machen, bin ja nicht aus der Welt.

Mit Rolf Fuhrmann sprach Christian Alexander Hoch

Dieseser Artikel stammt aus der Ausgabe Januar 2017 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

20.03.2017






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