Linktipp „Common Goal“
Website der Initiative „Common Goal“ (Foto: Screenshot)

Gehälter und Gefühle

Die Kampagne „Common Goal“ läuft gut. Prominente Kicker und Trainer spenden ein Prozent ihres Jahresgehalts für wohltätige und gemeinnützige Fußballprojekte. Gut gemeint oder gelungen?

Von Clemens Gerlach

Die Jahresendzeit ist alles andere als besinnlich. Geschenke müssen gekauft und Festivitäten geplant werden. Weihnachten, Silvester und so. Mal etwas Anderes als Socken! Lieber Aftershave? Wo feiern wir überhaupt dieses Jahr? Nicht schon wieder bei deinen Eltern! Was gibt es zu essen? Denke daran, mein Neffe ist jetzt Veganer!

Die Fußballprofis haben ebenfalls in den Wochen vor den Festen ganz viel zu tun. Sie mussten vor Beginn der Winterpause noch ein paar Partien absolvieren, sogar eine englische Woche stand an. Und sie mussten in Kindergärten, Schulen, Kliniken und Seniorenheime. Was machen die da? Auf jeden Fall Fotos. Soll doch jeder mitkriegen, dass die Klubs auch jenseits des grünen Rasens für Jung und Alt aktiv sind.

Nun kann man fragen: Wer hat etwas von diesen Auftritten im Terrain des Sentiments? Die Antwort ist kompliziert. Genau deshalb versuchen wir es. In seinem Buch „Gesellschaftsspielchen“ (2016) schreibt der freie Autor Ronny Blaschke über den Fußball „zwischen Hilfsbereitschaft und Heuchelei“.

Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm steht einer bestimmten Art des sozialen Engagements ebenfalls kritisch gegenüber. „Es darf nicht sein, dass zunehmend Leute wie Bill Gates mit ihren Stiftungen entscheiden, ob mehr Geld für Gesundheit oder für Bildung ausgegeben wird“, sagte der 82-Jährige der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Im Fußball gibt es seit ein paar Monaten eine Kampagne namens „Common Goal“. Einige sehr prominente Kicker, Trainer und Funktionäre sind bereits dabei und spenden ein Prozent ihres Jahresgehalts für wohltätige und gemeinnützige Fußballprojekte. Es sollen aber viel mehr solvente Mitstreiter werden, damit möglichst umfangreich geholfen werden kann. Die beteiligten Profis und Coaches wollen „die steigenden Erträge im Fußball mit einem tieferen Sinn verbinden“ oder „etwas zurückgeben“. Kurzum: „Dies ist eine Chance für den Fußball, die Welt zu verbessern.“

Bis zum Erreichen dieses Zieles kann es dauern, aber das Projekt ist auch gerade erst gestartet. Darum sollte man nicht ungeduldig sein, sondern guter Dinge. Verbessert hat sich hierzulande schon einmal die finanzielle Lage der Spielerberater. Wie Deutsche Fußball Liga (DFL) und Deutscher Fußball-Bund (DFB) gemeinsam mitteilten, zahlten die 18 Erstligisten in der Saison 2016/2017 rund 146,8 Millionen Euro an die Männer mit den guten Kontakten. Die Vereine der 2. Liga gaben rund 18,6 Millionen Euro aus. Schöne Bescherung und guten Rutsch!

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Dezember 2017/Januar 2018 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

30.12.2017






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