Geldverdienen im Netz
Leipziger Jubel (Foto: sampics Photographie/Augenklick)

Potenziale nutzen!

Eine aktuelle wissenschaftliche Analyse sieht bei digitalen Geschäftsmodellen im Sportjournalismus noch große Entwicklungschancen. Der sportjournalist gibt einen Überblick.

Von Thorsten Poppe

Im Internet können Journalisten auch ohne Verlage als Publisher auftreten und so ihre eigenen Inhalte als spezialisierte Angebote selbst vermarkten. Beispielsweise auf ihrem Blog oder der eigenen Webseite. Doch bisher hat die geringe Zahlungsbereitschaft der Rezipienten solche Vorhaben oft verhindert. Was vor allem daran lag, dass mit Beginn des Internets das Credo galt: Alle Inhalte werden umsonst zur Verfügung gestellt.

Anne-Christin Hoffmann stellte in ihrer Abschlussarbeit an der Universität Passau fest, dass alternative Finanzierungsmöglichkeiten kaum eine Rolle spielen. Vielversprechende Möglichkeiten wie eine Paywall, E-Paper-Abos, Social Payment, Apps, E-Commerce oder Crowdfunding werden im Sportjournalismus kaum genutzt. Und das, obwohl der Sport als omnipräsentes Gesellschaftsphänomen hochbeliebt ist (Foto Fußball-Fans: firo sportphoto/Augenklick).

Die Autorin der Studie berichtet, dass werbegestützte Geschäftsmodelle im Internet am häufigsten angewandt würden, „Die Nachrichtenanbieter fürchten einen Reichweitenschwund, wenn die Leser die Inhalte nur noch gegen Geld nutzen können. Tatsächlich ist es aber so, dass die Leser bereit sind, für Qualität zu bezahlen“, sagt Hoffmann. Die viel diskutierte Kostenlos-Mentalität von Internetnutzern gehe langsam zurück.

Die Bezahlschranke ist ein Begriff, den wohl jeder in der Branche schon einmal vernommen hat. Es gibt unterschiedliche Modelle. Einmal klassisch das Abo, bei dem der Rezipient auf die zur Verfügung gestellten Inhalte komplett zugreifen darf. Aber auch die Möglichkeit, nur einen einzelnen Artikel gegen ein Entgelt zu lesen, wie beispielsweise bei Spiegel Online ab 39 Cent.

Doch was steckt hinter den anderen Finanzierungsmodellen? E-Papers bringen die gedruckte Zeitung auf den digitalen Bildschirm. Die Inhalte sind dabei 24/7 auf allen elektronischen Endgeräten abrufbar. Für den einzelnen Journalisten kommt hier ein Newsletter via E-Mail in Frage, der mit entsprechenden Inhalten kostenpflichtig an Abonnenten verschickt wird.

Social Payment bezeichnet eine freiwillige Kleinabgabe für Inhalte im Internet. Die Idee dahinter: Viele geben wenig, am Ende erhält der Inhalte-Ersteller daraus aber sein Honorar. Spezielle Anbieter wie Flattr oder Kachingle haben dafür einfache Systeme entwickelt, so dass der Nutzer sein Geld unkompliziert geben kann.

Apps kommen sicher mehr für echte Content-Häuser und Verlage in Frage als für den einzelnen Journalisten. Denn dafür muss entsprechend ein Programm entwickelt werden. Der Begriff ist übrigens eine Abkürzung und steht für „Applikationen“. Bezeichnet werden damit Programme für Smartphones und Tablets, die sich jeder herunterladen und installieren kann, um den Funktionsumfang seines Geräts zu erweitern.

E-Commerce ist der klassische Online-Shop, in dem der Anbieter Produkte verkauft. Dieser bietet sich für den einzelnen Journalisten für seine Publikationen und Bücher an.

Crowdfunding ist eine Form der Finanzierung („funding“) durch eine Menge („crowd“) von Internetnutzern. Zur Beteiligung wird über die eigene Webseite oder spezielle Plattformen wie StartNext aufgerufen. So kann jeder Journalist dort beispielsweise für eine Langzeitrecherche werben, um sich seine Zeit und damit verbundene Reisekosten von den Usern (vor)finanzieren zu lassen. Allerdings fließt die Beteiligung der Nutzer erst, wenn auch das vorab festgelegte Einnahmeziel in einem begrenzten Zeitraum erreicht wird. Sonst geht jeder Projektanbieter leer aus.

Es bleibt also festzuhalten: Insbesondere der Sportjournalismus kann von seinem attraktiven Gegenstand profitieren und die zahlreichen Sportfans in Deutschland zur Zahlung von hochwertigen Inhalten bewegen. Egal, ob das nun durch das Anbieten von exklusiven kostenpflichtigen Artikeln oder durch die Integration von Spendenmodellen passiert. Sicher ist, dass der Nutzer bereit ist, für wirklich exklusive Inhalte zu bezahlen, die er sonst nirgendwo im Netz finden kann.

Dies ist die gekürzte Fassung eines Artikels aus dem sportjournalist. Alle Ausgaben können direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich die Hefte als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

21.04.2017






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