Exklusive Olympia-Rechte
Abschlussfeier in Rio de Janeiro (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Große Herausforderungen für Eurosport

Discovery hat sich die Rechte an den Olympia-Übertragungen gesichert. ARD und ZDF gehen leer aus. Nun muss der neue Platzhirsch zeigen, was er kann.

Von Gregor Derichs

„Schwerer Schlag für Athleten – ARD/ZDF verlieren Milliardenpoker um Olympiarechte.“ Die an dieser Stelle schon einmal beschriebene Entwicklung beim Olympia-Fernsehen erhielt Anfang Dezember einen neuen Wendepunkt. Der Konzern Discovery mit seinen Sendern Eurosport, DMAX und TLC beabsichtigt, die nächsten vier Olympischen Spiele (Winter und Sommer von 2018 bis 2024) in Deutschland im frei empfangbaren Fernsehen allein zu zeigen. Discovery brach die Verhandlungen mit ARD/ZDF um Sublizenzen ab. Angeblich 200 Millionen Euro – heißt es jedenfalls aus der ARD – hatten die beiden Sender für das Olympia-Paket geboten.

Für die ARD/ZDF-Zweitrechte hat Discovery offenbar 300 Millionen Euro gefordert. Nicht nur auf dem deutschen Markt hat Discovery Probleme bei der Refinanzierung des 1,3 Milliarden Euro teuren Pakets, das für 50 europäische Länder gilt. Auch in Spanien, Italien und Frankreich waren bis Mitte Dezember keine Sublizenzen vergeben worden. Für einige Experten der TV-Branche ist dies eine Bestätigung, dass die von Discovery erworbenen Rechte lediglich einem Marktwert von rund einer Milliarde Euro entsprechen. Eine solche Summe über das Free-TV zu finanzieren, wird für völlig unmöglich gehalten.

ARD-Programmdirektor Volker Herres (Foto: ARD) erklärte nach der Discovery-Abfuhr, dass man gesprächsbereit bleibe, das nächste Angebot aber „realistisch“ sein müsse. Eine Resthoffnung, dass Discovery doch weich werden könnte, besteht bei den Öffentlich-Rechtlichen noch. Wenn Reichweite und Werbeumsätze bei Eurosport weit unter den Erwartungen bleiben, wären die Amerikaner vielleicht bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukommen.

Die Kollegen aus den öffentlich-rechtlichen Sportredaktionen, die angeblich schon bei Eurosport für einen Stellenwechsel angeklopft haben, wollen wohl nicht auf eine solche neue Wende hoffen, sondern ganz sicher weiterhin zur olympischen Familie gehören. Die kommt schon in 13 Monaten, für TV-Planer eine sehr kurze Spanne, zu den Winterspielen in Pyeongchang/Südkorea wieder zusammen.

Einiges deutet darauf hin, dass der Verhandlungsabbruch seitens Discovery kein weiterer Schritt in einem Poker sein muss. Nun hat die Phase begonnen, in der die US-Firma noch ernsthafter versucht, das erst Mitte 2015 gekaufte Eurosport mit dessen Schwestern (Eurosport2 im Pay-TV und der kostenpflichtige Eurosport-Player auch auf mobilen Endgeräten) vom Spartensender zum großen Sport-Anbieter aufzumöbeln.

Man sollte die Finanzkraft des Unternehmens aus Maryland nicht unterschätzen. Ein Minus von einigen hundert Millionen bei den Olympia-Rechten könnte einkalkuliert sein, rund drei Milliarden Euro hat Discovery an Investitionen für Inhalte in den nächsten Jahren eingeplant. Auch bei der Fußball-Bundesliga, wo die Amerikaner eingestiegen sind, ist nicht vom ersten Tag an mit Gewinnen zu rechnen.

Eurosport kann bei der Werbung lohnendere Refinanzierungsmodelle als ARD/ZDF entwickeln. Die Öffentlich-Rechtlichen sind bei Formaten, Zeitfenstern und Inhalten – etwa bezüglich der Werbung – eher Zwängen unterworfen. Noch aber sind Olympia-Sponsoren und Sportverbände eher auf Reichweite fixiert, deren Bedeutung aber tendenziell – auch wegen der Streaming-Konkurrenz – rückläufig ist. Auf diesem Markt ist dann paradoxerweise das IOC mit seinem Online-TV-Kanal im Prinzip auch ein Discovery-Konkurrent.

Fest steht wohl, dass Eurosport vor großen Herausforderungen steht. Als Goodwill-Aktion für deutsche Sportverbände gab der Sender bekannt, dass er zum Sponsor für „Jugend für Olympia“ wird. Gutes Olympia-Fernsehen wird er aber bereits produzieren müssen, ehe die ersten Talente des Wettbewerbs ganz oben angekommen sind.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Januar 2017 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

04.02.2017






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