Finanzielle Absicherung
Screenshot der Website der Verwertungsgesellschaft Wort (Foto: VG Wort)

Von Selbstbetrug, Unwissenheit und einer drohenden sozialen Katastrophe

Altersvorsorge und Altersarmut. Es sind Begriffe, die längst zum täglichen Alltag gehören. Auch in unserer Berufsgruppe sollten es eigentlich keine Tabuthemen sein. Sie sind es aber.

Von Klaus Göntzsche

Wenn ich meine persönlichen Erfahrungen der vergangenen fast 30 Jahre im Amt des Geschäftsführers des Verbandes Westdeutscher Sportjournalisten (VWS) bilanziere, dann stehen bei vielen, vor allem freiberuflich tätigen Kollegen die nächsten Termine, das nächste Spiel oder andere aktuelle Dinge im Vordergrund. Das liest sich böse, ist in vielen Fällen auch verständlich – kann aber unangenehme Folgen haben.

Es klingt beinahe zynisch, aber der Kampf gegen die Altersarmut ist zu spät, wenn das Rentenalter erreicht wird. Vielen demoskopischen Untersuchungen zufolge ist das im Übrigen ganz aktuell noch kein Thema. Die Renten-Generation von jetzt sind die Nachkriegsjahrgänge – oft mit guten Angestelltenverträgen der Verlage oder Sender gesegnet und deshalb kaum betroffen. Es geht um die Generation danach und die jetzt noch jungen Leute.

Der Wissensstand über die Verwertungsgesellschaft Wort, das Autorenversorgungswerk der VG Wort, die Künstlersozialkasse (sogar mit Zuschüssen zur privaten Krankenversicherung), das Versorgungswerk der Presse oder die Möglichkeiten der Partnerschaft des VDS mit dem Gruppen-Versicherungsvertrag bei  der DKV sind überschaubar. Zugegeben: Manches ist auch kompliziert, und um letztlich an Geld zu kommen, geht es nicht ohne das lästige Ausfüllen von Formularen.

Was vielfach unbekannt ist: Auch Kollegen im Angestelltenverhältnis können vom Presse-Repro der VG Wort jedes Jahr profitieren. Der kostenlose Wahrnehmungsvertrag ist zudem die Basis für das vor einigen Jahren eingeführte Autorenversorgungswerk II. Freiberufliche Autoren können zwischen dem 50. und 67. Lebensjahr (Renteneintrittsalter) einen Antrag auf einen einmaligen Zuschuss zu einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge stellen.

Der mögliche Zuschuss wurde auf bis zu 7500 Euro erhöht. Diesen einmaligen Zuschuss können nur Autoren beantragen, die nicht bereits im Rahmen des Autorenversorgungswerks I Zuschüsse erhalten haben. Weitere Auskünfte gibt es auf der Website der VG Wort oder per Mail (avw@vgwort.de).

Über die Rentabilität der Lebensversicherungen wird in allen Medien ständig berichtet. Die einst komfortablen Überschüsse der Unternehmen schwinden im Zuge der Niedrigzins-Politik dramatisch, aber der Garantiezins bleibt. Und der liegt bei den älteren Abschlüssen des Versorgungswerks immer noch deutlich über jedem Bankzins. Kündigungen solcher Verträge sind nicht ratsam. Bei überschaubaren Zahlungsproblemen gibt es andere Lösungen als Kündigungen (Foto Klaus Göntzsche: Wolfgang Weihs).

Wenn man sich einmal die gemeldeten Durchschnittseinkommen der Berufsgruppe Wort bei der KSK zum 1. Januar 2017 anschaut, kommt man auf ein durchschnittliches Netto-Monatseinkommen von 1690,00 Euro. Das ist die Summe, die auch für die Beiträge an die Deutsche Rentenkasse Bund nach Berlin zugrunde liegt. Der Betrag sinkt, je jünger die Betroffenen sind.

Es gibt aus diesen freiwillig gemeldeten Zahlen nur eine bittere Folgerung: Diese Menschen steuern mit großer Geschwindigkeit auf eine soziale Katastrophe zu. Entweder begehen sie bei der Meldung ihrer Einkünfte an die KSK einen perfiden Selbstbetrug oder aber sie verdienen wirklich so wenig.

Die KSK hat die Kontrollmechanismen in den vergangenen Jahren engmaschig verändert. Die Prüfungen der Einkommen sind häufiger und intensiver geworden. Eine weitere Konsequenz dieser Entwicklung ist das Nachdenken über ein altes Kaufmannsprinzip: Angebot und Nachfrage regelt der Markt. Daraus für sich die richtigen Schlüsse zu ziehen – verdammt schwer. Manchmal ist ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende.         

Für Rückfragen steht VWS-Geschäftsführer Klaus Göntzsche gerne zur Verfügung (Telefon 0202/706001 oder Mail giwup@aol.com).

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Dezember 2017/Januar 2018 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

30.01.2018






« zurück
Magazin sportjournalist
Die aktuelle Ausgabe:
Februar/März 2018

Titelthema

Gestohlene Werte: Die Verantwortung des Sportjournalismus in Zeiten der Instrumentalisierung
Von Katrin Freiburghaus

Interview
mit Madsack-Sportchef und sportbuzzer-Geschäftsführer Marco Fenske
Von Gregor Derichs

Lokaltermin
Zu Besuch bei der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung
Von Christian Otto
 
Regionalvereine