VDS-Hauptversammlung in Augsburg
VDS-Präsident Erich Laaser (links) überreicht VAS-Chef Franz Neuhäuser das Gastgeschenk (Foto: Siegfried Kerpf)

Ehrung und Bekehrung

Augsburg war ein hervorragender Gastgeber für die Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Sportjournalisten. In Bayerisch-Schwaben ging es um Berufsethos, saubere Recherche, das Image der Berichterstatter – und würdige Preisträger.

Von Thomas Weiß

VDS-Präsident Erich Laaser setzte in seinem Tätigkeitsbericht drei Schwerpunkte. Zum Ersten die Positionierung des Verbandes gegen den ursprünglich im türkischen Antalya geplanten Kongress der internationalen Sportjournalistenvereinigung AIPS. Zum Zweiten für den bundeseinheitlichen Presseausweis, verbunden mit der Mahnung an die 20 Regionalvereine, diese ausschließlich an Berechtigte auszustellen. Laaser warnte: „Sonst sehen wir irgendwann die gelbe oder sogar rote Karte.“ Zum Dritten ging es ihm um die Projekte, die der VDS in den nächsten Jahren zusätzlich zu den bereits bekannten wie Fair-Play-Preis und Berufswettbewerbe vorantreiben wolle.

In Planung sind bereits Grundseminare zum Thema Doping, dezentral in Anlehnung an die Schulungen durch Schiedsrichter. Angedacht ist ein Filmfestival in Hamburg oder Berlin, eventuell schon 2019, bei dem die vielen eingereichten Video- und Filmbeiträge für den VDS-Fernseh-Preis einem breiteren Publikum gezeigt werden sollen (Foto Plenum: Siegfried Kerpf).

Mit Deutschem Fußball-Bund und Deutscher Fußball Liga ist der VDS in intensiven Gesprächen, wie Fotografen und Kameraleute in den Stadien vor Bierduschen geschützt werden können. Eine Auswertung hat ergeben, dass die Zuschauer in Dortmund und Leverkusen am häufigsten gefüllte Becher Richtung Spielfeldrand werfen.

Probleme sprach auch Martin Volkmar an. Der erste Sprecher des seit zehn Jahren bestehenden Arbeitskreises Online-Journalismus beklagte, dass Digitalmedien noch immer bei Fußball-Bundesligisten in puncto Interview-Anfragen stiefmütterlich behandelt oder sogar ignoriert würden. „Da herrscht viel Ablehnung und Unwissenheit“, so Volkmar. Die Sport1-Führungskraft forderte, dass künftig Medien adäquat zu ihrer Bedeutung und Reichweite behandelt werden sollen. „Warum Print von der Fußball-Bundesliga derart hofiert wird, erschließt sich einfach nicht.“

VDS-Regionalverein Augsburg-Allgäuer Sportpresse leistete ganze Arbeit

Laaser bedankte sich bei Franz Neuhäuser, dem Vorsitzenden des gastgebenden Regionalvereins Augsburg-Allgäuer Sportpresse, für die „relativ kurzfristige Übernahme“ der Hauptversammlung. Neuhäuser wiederum bedachte die Sponsoren mit lobenden Worten: Ohne die WWK Versicherungen, Namensgeber der Augsburger Fußball-Arena, die Handwerkskammer für Schwaben und die Ferienregion Donau-Ries hätten er und sein Team die Veranstaltung nicht stemmen können.

Zum Gelingen trug ebenfalls Stefan Reuters informativer Auftritt bei (Reuter-Foto: Siegfried Kerpf). Der frühere Fußball-Weltmeister und aktuelle Manager des Bundesligisten FC Augsburg nahm sich viel Zeit für die Fragen der Journalisten. Reuter versprühte ein klein wenig Ironie, als er behauptete, er würde sich regelrecht freuen, wenn jedes Jahr mindestens ein Reporter den FCA wieder zum Abstiegskandidaten Nummer eins abstempele. „Das ist für uns nur Motivation genug, um mit dem zweitniedrigsten Etat der Liga wieder mindestens drei Vereine hinter uns zu lassen.“

Früher sei es mit nur einer Handvoll Journalisten zwar einfacher gewesen, so Reuter. Aber er akzeptiere, dass mit dem heutigen Tempo eine ganz andere Konkurrenzsituation entstehe. „Viele hauen eine Nachricht doch lieber gleich raus anstatt noch zwei, drei Gespräche zu führen, weil sie fürchten, ihnen könnte einer zuvorkommen.“

Um News und Themen ging es auch Thomas Häberlein und Marco Mader, Macher des sportjournalist. Die beiden riefen wie Clemens Gerlach, zusammen mit VDS-Geschäftsführerin Ute Maag zuständig für die digitalen Kanäle des Verbandes, dazu auf, sowohl für den Online-Auftritt als auch für das alle zwei Monate erscheinende Magazin öfter etwas aus den Regionalvereinen anzubieten. „Bei Euch passiert genug. Wir wollen Eure Themen, Sorgen und Diskussionen bei uns abbilden.“

„Die Kurve geht in die richtige Richtung“

Schatzmeister Christoph Schumann berichtete freudig davon, dass sich der VDS nun fast ausschließlich durch die Mitgliedsbeiträge finanziert. Mit 6400 Euro sei der Verlust so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die Einsparungen durch die geänderte Erscheinungsweise des sportjournalist hätten sich sehr positiv ausgewirkt. „Die Kurve geht in die richtige Richtung“, sagte Schumann.

Auch optisch wird sich das Heft weiter verändern. Ab der Ausgabe Juni/Juli gibt es eine weitere Anpassung. Laaser kündigte an, die Bleiwüste bei den beliebten Geburtstagsseiten aufzubrechen, künftig auf die Adressen der Jubilare zu verzichten („Wer schreibt heute noch Briefe?“) und stattdessen mit Fotos von einst und heute aufzulockern.

Apropos locker: So war auch die Atmosphäre bei den Verleihungen der zahlreichen Preise in den VDS-Berufswettbewerben. Rainer Holzschuh, Herausgeber des kicker sportmagazins, freute sich mit Sponsoren und Jurymitgliedern über 800 eingereichte Arbeiten von 68 Fotografen (Holzschuh-Foto: Siegfried Kerpf). Für die jeweils drei Besten in den fünf Kategorien zum Sportfoto des Jahres war ein Preisgeld von 30.000 Euro ausgelobt, 5000 Euro davon erhielt Robert Michael. Dem 39 Jahre alten Dresdner war das beste Bild bei einem Besuch der Gewichtheber-Bundesliga im sächsischen Eibau gelungen.

Beim Ehrungsabend für die Preise in Print, Online, Hörfunk und TV, den Gerd Horseling von der Augsburger Allgemeinen souverän moderierte, sorgte die 25-jährige Anne Armbrecht aus Jena für Aufsehen. Sie gewann mit ihrem bewegenden Beitrag „Verlorene Kinder“, in dem es um die Auswirkungen des jahrelangen DDR-Zwangsdopings auf nachfolgende Generationen geht, den Großen VDS-Preis und mit „Die große Schmelze“ auch noch den VDS-Nachwuchspreis. Diesen hatte Armbrecht bereits 2015 für sich entschieden.

Ausgezeichnet wurde auch Hans-Joachim Zwingmann, der im Frühjahr 2017 nach 30 Jahren im VDS-Präsidium verabschiedet worden war. Laaser ernannte seinen früheren Vize zum Ehrenmitglied des Verbandes Deutscher Sportjournalisten.

21.03.2018






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