November 2008

Titelthema:
Das Interview des Monats mit dem Sportjournalisten und Stellvertreter des Chef-redakteurs bei BILD, Alfred Draxler.

Alfred Draxler (55) gilt als einer der Meinungsführer für Sport und Medien in Deutschland. Bei BILD, dem Boulevardblatt mit einer Reichweite von täglich 11,4 Millionen Lesern, hat Draxler neben der Bundesausgabe Einfluss auf 18 Regional-redaktionen und knapp 800 journalistische Mitarbeiter. Draxler arbeitet seit 1978 für den Springer-Verlag und hier fast ausnahmslos für BILD. Im Gespräch mit Wolfgang Uhrig sagt er u.a. : „Boulevard-Journalismus, wie ich ihn verstehe, ist seriös.“ Und über BILD: „Wir üben keine Macht aus.“


Emig – mehr als nur ein Einzelfall
Das Urteil gegen den ehemaligen Sportchef und die Lehren für uns Sportjournalis-ten
Von Bernd Gäbler


Wegen Untreue und Bestechlichkeit wurde der ehemalige Sportchef des Hessi-schen Rundfunks zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Ein hartes Ur-teil. In der großen Welt von Wirtschaftskriminalität und Korruption mögen die Vergehen von Jürgen Emig vielleicht als kleine Gaunereien erscheinen, aber gehandelt hat er als exponierter Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Deswegen ist die Strafe gerecht. Ein „System HR“, vermochte der Richter Chris-topher Erhard nicht zu erkennen, aber in der Urteilsbegründung hielt er fest, der Sender hätte seinen obersten Sportjournalisten „besser kontrollieren können und müssen“. Auch wenn dies strafrechtlich nicht ins Gewicht fällt, versagt haben außer Emig auch der Sender, die für das Programm Verantwortlichen und ganz gewiss die zuständigen Aufsichtsgremien.

Müssen nun also nur Emig persönlich und diese Institutionen in sich gehen und Konsequenzen aus Prozess und Urteil ziehen? Nein, der „Fall Emig“ ist für den Sportjournalismus von genereller Bedeutung. Es geht nicht allein um die kriminel-le Energie eines Einzelnen, sondern um Verhaltensregeln und journalistische Prin-zipien mitten in einem verführerischen Umfeld...


Was bleibt? Olympia unter dem Hammer
Von Marcel Grzanna

Während der landesweiten Ferienwoche Anfang Oktober strömten fast zweiein-halb Millionen Touristen aus dem ganzen Land zu „Vogelnest“ und „Wasserwür-fel“, um die Monumente der Spiele mit eigenen Augen zu bestaunen. Gegen kleines Geld darf man das Olympiastadion sogar betreten. Seit Monaten schon pilgern die Chinesen dorthin und posieren vor den Schauplätzen der Wettbe-werbe. Ein junger Mann zum Beispiel kniet sein rechtes Bein zu Boden, stützt den Ellbogen auf das andere und spannt den Bizeps. Ein vielsagender Anblick: China hat Stärke bewiesen gegen alle Widerstände. Und daran richtet sich nun ein ganzes Volk auf, das gezeichnet ist von einem gewaltigen Minderwertigkeits-komplex dem Westen gegenüber.

Der Olympiapark ist das Symbol für gewonnenes Selbstwertgefühl. Eine Umfrage hat ergeben, dass 40 Prozent der Generation der nach 1979 Geborenen dank der Olympischen Spiele eine neue Form des Stolzes auf ihr Heimatland empfin-den. Die jungen Chinesen nehmen sich vor, künftig mit neuem Selbstbewusstsein ihre Kultur zu leben und dem Westen vorzustellen. Selbst die Kommentatoren der Parteizeitungen interpretieren das als Basis für eine weitere Öffnung Chinas...


Außerdem in diesem Heft:
· Der VDS-Verbandsrat in Frankfurt/Main
· Die Ausschreibungen zu den VDS-Berufswettbewerben 2008
· Der Geschäftsführer des Presseversorgungswerks, Dr. Gerhard Falk zu den Auswirkungen der Bankenkrise auf die Altersvorsorge der Sportjournalisten








Juli 2008

Titelthema:
Die Euro 2008 in den Medien

„Joachim, lassen Sie auch Eckbälle üben?“ - Die EM, das Fernsehen und die Kritiker
Von Wolfgang Uhrig


Es gab kein wichtigeres Thema in diesen Tagen. Der Fußball stand im Fokus des Fernsehens und damit die Beobachtung der Berichterstatter. Kritik an den Kommentatoren ist so alt wie der Fußballkommentar selbst. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung erinnerte daran, dass schon der legendäre Reporter Herbert Zimmermann als „Blasphemist“ beschimpft wurde, weil er zum sogenannten Wunder von Bern 1954 den deutschen Tormann Toni Turek zu einem „Fußballgott“ machte. Es gebe „stilistische Glanzparaden aus allen Epochen“. Egal ob vor zwanzig Jahren vom unvergesslichen Heribert Faßbender („Es steht im Augenblick 1:1. Aber es hätte auch umgekehrt lauten können“) oder heute Wolfgang Nadvornik („Hat das den Nichtunterschied ausgemacht?“).

Eine schlimme Krankheit im Journalismus ist die Eitelkeit. Zwangsläufig zeigt sich diese Immunschwäche nun ganz besonders auffällig in der Sparte Fernsehen. Eine solche Meinung könne nur von der anderen Seite der Journalisten kommen, werden jetzt die aus den elektronischen Medien über den Kollegen aus dem Printbereich sagen. Einen Johannes B. Kerner zum Beispiel kennt und sieht nun mal jeder, er gehört zu denen, über die geredet wird – und der große Egon Erwin Kisch sagt: „schreiben, worüber man spricht.“ Wer mit dem Fernsehen verheiratet ist, bekommt die Kritik zur Schwiegermutter...

Kabarettisten, Kolumnisten, Cartoonisten - Was deutsche Tageszeitungen ih-ren Lesern servierten
Von Christoph Fischer, Wolfgang Golz, Dirk Schmidtke und Wolfgang Uhrig

Es soll vorgekommen sein, dass Zeitungen ihren Lesern während der Euro 2008 nur Spielberichte und Meldungen aufgetischt haben. Die Mehrzahl der regionalen und überregionalen Blätter aber bot ein breites Feld redaktioneller Kreativität, was als journalistischer Höhepunkt zum sportlichen Höhepunkt passte. Wir haben einige deutsche Tageszeitungen durchgesehen.

Interview des Monats mit Jürgen Klopp über seinen Abschied als ZDF-Experte
Von Wolfgang Uhrig

Jürgen Klopp hat sich mit der Fußball-Europameisterschaft 2008 beim Zweiten Deutschen Fernsehen als Experte verabschiedet. Der 41-Jährige will sich künftig ganz auf die Traineraufgabe bei seinem neuen Verein Borussia Dortmund kon-zentrieren. Die drei Jahre als Medienmensch nennt Klopp „eine geile Zeit“.

Olympia 2008
Gerd Graus zur Medienarbeit des DOSB in Peking:
„Im Deutschen Haus sollen sich alle wohlfühlen können“

Olympische Spiele sind eine Herausforderung. Nicht nur für die Sportler. Auch für Journalisten und das Medienteam des Deutschen Olympischen Sportbundes sind die knapp drei Wochen in China eine ganz besondere Kraftanstrengung. Tägliche Pressekonferenzen sind zu planen, Interviewfragen zu koordinieren. Gemeinsam mit den Kollegen aus den Verbänden wird das Medienteam des DOSB alle Anstrengungen unternehmen, um den 300 akkreditierten Print-Journalisten und Fotografen sowie den TV-Journalisten die Arbeit zu erleichtern.

Außerdem in diesem Heft:
· Ronald Rengs preisgekrönte Reportage „Very German“ über den deutschen Fußballer Moritz Volz in Egnland
· Fußball-Bundesliga: Die Ansprechpartner für Medien-Arbeitskarten
· Rückblick auf den AIPS-Kongress in Peking
· Intern: Alle Infos zu den VDS-Tennismeisterschaften in Berlin








Mai 2008

Titelthema:
VDS-Hauptversammlung in Wuppertal:
Der Verband will Dienstleister sein
Von Uwe Jentzsch

Wuppertal erlebte eine der kürzesten und harmonischsten - und deswegen wohl auch effektivsten VDS-Hauptversammlungen. Dass in knapp dreieinhalb Stunden die komplette Tagesordnung ohne zu hetzen abgearbeitet werden konnte, lag wohl vor allem an den immer wirksamer werdenden Bemühungen des Präsidiums, den Verband zu einem unverzichtbaren Dienstleister für alle Mitglieder zu machen. Nicht ohne Stolz verwies Präsident Erich Laaser auf die gut funktionierende Geschäftsstelle in Ludwigshafen, auf den qualitativ verbesserten sportjournalist, auf das nach Absage des langjährigen Sponsors Coca-Cola in Gemeinsamkeit mit der Deutschen Fußball Liga GmbH herausgegebene Medien-Handbuch, auf den vertraglich gebundenen Medienanwalt Dirk Feldmann für kostenfreie Rechtsauskünfte sowie das inzwischen verwirklichte Projekt des bundeseinheitlichen Presseausweises. «Durch den Ausweis für Profis spielt der VDS in der ersten Liga - gemeinsam mit fünf weiteren Verbänden», stellte Laaser zufrieden fest...

Außerdem in Berichten und Bildern:
· Die Gala in der historischen Stadthalle mit der Verleihung der VDS-Fairplay-Trophäe an Marcus Ehning
· Alle Preisträger in den VDS-Berufswettbewerben

Online-Journalismus: Chance oder Gefahr?
Ein Standpunkt von Clemens Gerlach, Sportchef von Spiegel online:

Prominenter ging es nicht. Im Editorial unseres Verbandsmagazins (März 2008) nahm sich VDS-Präsident Erich Laaser des Internet-Journalismus’ an. Nach ein paar allgemeinen Bemerkungen („schnelllebige Zeit“, „größer werdender Me-dienmarkt“) wurde es dann ernst. „Man hat den Eindruck“, schrieb Laaser, „hier geht es oft um die schnelle Meldung, der Wahrheitsgehalt steht erst an zweiter Stelle.“ Das solle aber keine „Pauschalverurteilung“ der Online-Journalisten sein, was, so zumindest mein Eindruck, sehr nach Hundehalter klingt. „Der will doch nur spielen.“ Manchmal beißen sie dann aber doch zu. (...)

Man kann das so sehen mit den publizistischen Aktivitäten im Internet. (...) Man kann sich aber auch fragen, ob so eine Verweigerung sinnvoll ist. Und man kann sich fragen, wieso in Deutschland nicht vernünftig über Online-Journalismus diskutiert wird. Die Debatten sind leider keine. Zumindest keine besonders ergiebigen. Ich empfinde den Umgang mit dem Online-Journalismus hier zu Lande als schizophren. Auf der einen Seite gilt dieser als inhaltlich minderwertig (Verdummen und Verramschen), auf der anderen Seite wird er als größte mediale Bedrohung seit langem wahrgenommen, zerstört er doch gewachsene Strukturen. Vielleicht ist es aber auch keine Schizophrenie, sondern Ratlosigkeit, ein Gefühl des Sich-Überfordert-Fühlens. Angst sogar?
Dazu:
Der Aufruf des VDS-Präsidiums zur Grünung eines Arbeitskreises Online-Journalismus im VDS


Interview des Monats mit Eva Corell, der langjährigen China-Korrespondentin der ARD: „Es herrscht ein Klima des Misstrauens“
Von Ute Maag

Die Sinologin, die im vergangenen Jahr nach acht Jahren aus Peking zurückkehrte, blickt zurück auf ihre Erfahrungen, zeichnet die Entwicklung der Meinungs- und Pressefreiheit in China seit der Vergabe der Olympischen Spiele an Peking nach und sagt: „Dass Olympia der Pressefreiheit in China einen Schub verliehen hat, kann man rundheraus verneinen.“
Dazu : Not und Spiele
Ein Kommentar von Wolfgang Uhrig


Außerdem in diesem Heft:
· Intern: Alle Infos zu den VDS-Golfmeisterschaften beim GC Pfalz-Neustadt
· Heribert Faßbender in der Serie „Gestern – heute“
· Deutsch oder Englisch? Zur Namensgebung der „Hall of Fame des deutschen Sports“ ein Briefwechsel zwischen VDS-Ehrenpräsident Karl-Heinz Cammann und Hans Wilhelm Gäb, dem früheren Chef der Stiftung Deutsche Sporthilfe








März 2008

Titelthema:
Die neue Medienpolitik des FC Bayern: „Es gibt keine Zwei-Klassen-Gesellschaft“
Von Wolfgang Uhrig

Nach Medienberichten zu Beginn des Jahres, der FC Bayern plane eine neue, restirktive Medienpolitik, schlugen die Wellen hoch. Viele glauben, dass es schwieriger werde mit O-Tönen bei den Bayern. In Schlagzeilen war zu lesen, man müsste man dem Kreis von „20 Redaktionen“ angehören, die demnächst bevorzugt behandelt werden. „Wir machen es wie im Weißen Haus“, wird in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Markus Hörwick zitiert – ein Satz, den der Mediendirektor der Münchner nie ausgesprochen haben will. Dabei hatte sich FAZ-Mitarbeiter Thilo Komma-Pölath auf die Medienpolitik in Washington bezogen, wo nur eine ausgewählte Schar einflussreicher Journalisten näher an wichtige Leute rankommt. Die FAZ weckte Sportteile der Republik. „Freunde fürs Reden“ titelte die taz, „20 Freunde müsst ihr sein“ überschrieb der Berliner Tagesspiegel seinen Dreispalter und die Münchner Abendzeitung sah den kommenden Bayern-Trainer als Ursache: „Klinsmanns schöne neue Bayern-Welt.“

Für Markus Hörwick muss das alles vorkommen wie ein Sturm im Wasserglas. Er sagt: „Kein Mensch will bei uns etwas ändern. Wir haben 25 Jahre lang keine Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den Medien zugelassen – ich werde das auch künftig nicht zulassen. Richtig ist, dass es ein Gespräch mit dem Vorstand gab, in dem erörtert wurde, wie der Status quo unserer Medienarbeit in Deutschland ist und wie anderswo dieses wichtige Thema behandelt wird.“...

Interview des Monats:
Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge über Presse, Profis und Präsidium: „Das Verhältnis wird immer schlechter“
Von Wolfgang Golz


Karl-Heinz Rummenigge, 52, spielte als Profi beim FC Bayern München, Inter Mailand und Servette Genf. 1991 wurde er zusammen mit Franz Beckenbauer Vizepräsident des FC Bayern München, seit 2002 ist er dessen Vorstandsvorsitzender. Journalistisch arbeitete Rummenigge als Fach-Kommentator für die ARD und als Kolumnist für WELT am SONNTAG und die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Die Medienarbeit des FC Bayern und der Fußball-Bundesligisten beurteilt der gebür-tige Westfale gut und vergleicht die Möglichkeiten deutscher Journalisten mit den wesentlich eingeschränkteren Bedingungen der Kollegen z.B. in England und Spanien. Über die Zusammenarbeit mit Journalisten sagt er: „Die Medien treiben ihr eigenes Spiel“, und kein Verständnis bringt er für seinen Beinamen „Killer-Kalle“ auf: „Als Mörder bezeichnet zu werden, ist unterste Kategorie“...

Medien:
Das Schiedsrichter-Seminar in Hannover und Frankfurt: Wir und die „Ansicht des Schiedsrichters“
Von Lutz Lüttig


Ein wenig bang klang die Frage schon, mit der VDS-Vize Hans-Joachim Zwingmann in der vorigen Ausgabe ein VDS-Seminar überschrieb: „Blamage oder Voll-treffer?“ Die Antwort kann hier ohne jede Einschränkung so gegeben werden: ins Schwarze getroffen, volley verwandelt, souveräner Drei-Punkte-Wurf. Oder um es mit Rolf Rainer Gecks zu sagen: „Eine sehr gute Idee, ein idealer Zeitpunkt, Wiederholung dringend erbeten.“

Der NDR-Rundfunkreporter nahm wie rund 100 weitere Kolleginnen und Kollegen Ende Januar an zwei Veranstaltungen teil, die Zwingmann nach einer gemeinsamen Idee von VDS-Präsident Erich Laaser und Volker Roth, dem Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses, in Hannover und Frankfurt/M. organisiert hatte. Auf dem Programm: 44 umstrittene Szenen aus der Hinrunde der Fußball-Bundesliga, akkurat auf DVD gebannt; erläutert und erklärt von den FIFA-Schiedsrichtern Florian Meyer (in Hannover) und Herbert Fandel (in Frankfurt). Jeweils dabei: der Chef der deutschen Schiedsrichter. Volker Roth hatte für jeden Seminar-Teilnehmer eine Gelbe und eine Rote Karte dabei. Zweck: Nach Vorführung jeder Szene sollten sie Schiedsrichter spielen und spontan durch Zeigen der Farb-Kartons ihre Entscheidung bekanntgeben. Da ging es manchmal bunt durcheinander…

Außerdem in diesem Heft:
· Prof. Dr. Josef Hackforth über Fairness im Sportjournalismus und das Ärger-nis des Verdachtsjournalismus
· Intern: Einladung und Tagesordnung zur VDS-Hauptversammlung in Wuppertal mit der Verleihung der Preise in den VDS-Berufswettbewerben








Februar 2008

Titelthema:
Das Orakel von Oskar – die etwas andere Vorschau auf das Sportjahr 2008
Von Oskar Beck

“Der Sport muss sich dieses Jahr anschnallen, denn drei große Herausforderungen drohen: Die Fußball-EM, die Olympischen Spiele und der Umgang mit uns Journalisten – wo er früher vornehmlich mit seinen eigenen Auswüchsen zu kämpfen hatte, kommt immer verschärfter die hysterische Geschäftstüchtigkeit von uns Auflagenjägern und Einschaltquotenfanatikern dazu.“

Was kommt da auf uns zu? Wir wollen mit einem Blick in die Glaskugel die wichtigsten Antworten vorwegnehmen. Monat für Monat blickt unser Autor Oskar Beck auf anstehende Großereignisse.
Für den März sagt er voraus: „Die Formel 1-Saison beginnt in Melbourne mit einem Knaller. Der siebenmalige Weltmeister Michael Schumacher gibt auf Druck von RTL sein Comeback und fährt im frisierten alten VW Golf seiner Corinna, Baujahr 1987, gleich zum Sieg, schneller denn je. „Schumi hat sich nach Windkanaltests sogar das Kinn abschmirgeln lassen“, verrät Boxenreporter Kai Ebel, der in seinem pompösen Pilotenoverall wie immer aussieht wie der kommende Weltmeister.“
Im Juli berichten von der Tour des France „diesmal nicht Journalisten, sondern Kabarettisten wie Werner Schneyder für die Apothekerzeitung, oder Urban Priol für das ZDF in „Neues aus der Anstalt“. Während die meisten TV-Sender sicherheitshalber nur übertragen, wie die französische Müllabfuhr nach den Etappen die Straße kehrt, die Pappbecher einsammelt und den Dreck wegkarrt, ist für den sportlichen Teil Eurosport zuständig, das zwei hochkarätige Experten aufbietet: Den spanischen Blutbeuteldoktor Eufemiano Fuentes („Doping ist Medizin“) und Rudi Altig („Ich glaube jedem, solange er nicht tot aus dem Sattel fällt“).“
Und für das Jahresende befürchtet er gar den „Krampf des Jahrhunderts“: „den RTL-Boxgipfel zwischen den mit viel Geld aus dem Ruhestand gezwungenen Exweltmeistern Lennox Lewis (42) und George Foreman (59) in der Schalke-Arena. Nach dem Abbruch in der dritten Runde wegen beiderseitiger Altersschwäche greift die Polizei mittels Razzia durch: Beide Boxer, sämtliche Experten, die Promi-Interviewerin Frauke Ludowig und der aus Las Vegas eingeflogene Ring-Announcer Michael Buffer („Let`s get ready to rumble!“) werden noch am Ring verhaftet wegen marktschreierischen Landfriedensbruchs und vorsätzlichen Aufblasens einer Lachnummer zum Mega-Event. In einem besonders schweren Fall wird gegen Ringreporter Tobias Drews ermittelt, der gesagt hat: „Der Abend hatte einen gewissen sportlichen Wert.“

Interview des Monats:
Peter Rebig, SID: „Nicht vor einer roten Ampel anhalten“
Von Gregor Derichs

Der SID-Geschäftsführer ist Südafrika-Kenner. Zur Vorbereitung der Weltmeisterschaft 2010 war er bereits mehrfach am Kap und berichtet über seine Erfahrungen mit Unterbringung, Transport und vor allem dem Sicherheitsproblem des ehemaligen Apartheid-Staates.

Medien:
Das Olympia-Seminar in der Evangelischen Akademie Bad Boll: “Hören Sie doch mit dem Mist auf!“
Von Jürgen Höpfl

Hat irgendwer behauptet, Tagungen seien eine grundsätzlich trockene Materie? Dann hat derjenige das zweitägige VDS-Seminar in der Evangelischen Akademie Bad Boll unter dem Motto "Peking 2008 – eine sportjournalistische Herausforderung" nicht erlebt. Immerhin acht Kolleginnen und mehr als 60 Kollegen trafen sich dort zur Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele, erhielten profunde und überwiegend interessante Informationen, weit über den zu vermutenden Arbeitsalltag hinaus. Sie diskutierten leidenschaftlich und kontrovers, und sie hätten in den erschwerten Berufsbedingungen vor Ort, im leidigen Doping, im chinesischen Umgang mit den Menschenrechten oder den Chancen des Sports in Bezug auf die politischen Verhältnisse genügend Stoffe vorgefunden, um ihre Debatten noch zu vertiefen.

Außerdem in diesem Heft:
· Intern: Einladung und Tagesordnung zur VDS-Hauptversammlung in Wup-pertal mit der Verleihung der Preise in den VDS-Berufswettbewerben
· Start der neuen Serie: „Traumberuf Sportjournalist“ mit Maik Großekathöfer, Der Spiegel
· Ich über mich: Andreas Bellinger, dpa, Laureus-Preisträger 2007








Januar 2008

Titelthema:
Momente 20007 - Erinnerungen, Begegnungen, Meinungen zum Sportjahr


Was hatte das Jahr 2007 alles zu bieten: Weltmeisterschaften im Handball, Turnen, Rad und Rudern in Deutschland, die Frauen-Fußball-Nationalmannschaft wurde Weltmeister in China, Magdalena Neuners Stern ging im Biathlon auf, Le-wis Hamiltons in der Formel 1.

Was blieb haften? Die Kollegen Stefan Bomhard, Günter Deister, Christian Eichler, Wolfgang Golz, Pit Gottschalk, Thomas Häberlein, Steffen Haffner, Günter Klein, Jens Meyer-Odewald, Roger Repplinger, Wolfgang Uhrig und Christian Witt haben zurückgeblickt.

Interview des Monats:
Wolfgang Niersbach: „Als Journalist war ich eher solide“
Von Wolfgang Uhrig

Der gelernte Sportjournalist Wolfgang Niersbach (57) war von 1973 bis 1988 als Volontär und Redakteur für den Sport-Informations-Dienst (sid) in Düsseldorf tätig. Er berichtete von mehreren Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen, vor allem über Fußball und Eishockey. 1988 wechselte er zum DFB. Dort war Niersbach Pressechef der Fußball-EM in Deutschland, danach DFB-Pressechef. 2001 wurde er im Organisationskomitee der Fußball-WM 2006 in Deutschland Geschäftsführender Vizepräsident und Pressechef. Seit Oktober ist Wolfgang Niersbach DFB-Generalsekretär. Im Gespräch blickt er auf seinen beruflichen Weg zurück.

Online-Journalismus: Das Internet als Job-Maschine
Von Wolfgang Golz

Das Produkt ist nicht am Kiosk zu kaufen, kein Zeitungsbote bringt es ins Haus. Es lässt sich mit der Hand nicht greifen. Denn die Ware schwebt im weltweiten Web und erscheint daheim zumeist kostenlos auf dem Bildschirm: Nachrichten und Berichte der Online-Redaktionen. Und viele Journalisten dieses Zweigs fühlen sich als Redakteure zweiter Klasse bewertet. Wie Dennis Dudek, Chefredakteur von Sport1, bestätigt: „Bei vielen ist da noch eine Schere im Kopf. Die denken, wir sä-ßen in Hinterzimmern oder im Winter mit Eisblöcken an den Füßen in einer Gara-ge. Diese Zeiten sind vorbei.“ Dabei ist das speziell bei Sport1 nicht so. Die Redak-tion arbeitet in repräsentativen Räumen in München-Ismaning, in direkter Nach-barschaft mit dem Deutschen Sport-Fernsehen. Und die meisten Online-Auftritte, die in der Gründerzeit tatsächlich eher in Hinterzimmern und nebenbei zusam-men gezimmert wurden, streben heute Richtung erste Reihe.

Außerdem in diesem Heft:
· Intern: Alle Infos zu den VDS-Fußballseminaren in Hannover und Frankfurt
· Serie: Was macht...? Gerhard Pietsch
· Ich über mich: Tom Bartels









 
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