sportjournalist November 2009

Titelthema:
Der VDS 20 Jahre nach dem Fall der Mauer: Ist zusammengewachsen, was zusammengehört?
Von Wolfgang Hartwig


Es war die Nacht der Nächte. Für Tausende, so auch für mich. Dieser 9. November 1989 überfiel uns mit weltgeschichtlichen Hammerschlägen. Da war der stammelnde Schabowski auf allen Kanälen. „Reisegesetz? Ab wann das gilt? Ich meine ‚unverzüglich‘...“ Ein einziges Wort sollte einen drei Jahrzehnte alten Betonwall sprengen. Ohne Schuss. Noch heute unfassbar. Meine Familie wollte am nahen Grenzübergang Bornholmer Straße nur mal nachschauen. Ich hielt Stuttgart gegen Bayern im TV-Pokalviertelfinale für interessanter. Oh, fußballnärrische Einfalt.

Zufrieden mit dem 3:0 zog es mich zur Familie – und ins Tohuwabohu. Sechsspurig die Autoschlange gen West: volle Hupe, volles Licht. Gestank, Lärm und Zehntausende „Tor auf!“-schreiend vor den Schlagbäumen. Einzelne schoben sich schon durch eine schmale Tür. Frau und Sohn waren auch weg. Grenzer-Parole: “Provokateure aussondern“ und den Stempel „Keine Rückkehr!“ quer übers Ausweisbild. Die Masse drängte. Bald war Mitternacht. Ich kletterte auf einen Betonsockel. Von dort hörte ich den Kommandeur Jäger rufen „Macht den Schlagbaum auf!“. Von jeder Obrigkeit im Stich gelassen nahm er alles auf seine Kappe. Ein mutiger Mann. Und dann ergoss sich die Flut der Autos und tanzenden, jubelnden Menschen über die riesige Brücke.

Doch das große Wandern begann erst. Es ließ dem Sport und dem Fußball sowieso keinerlei Chance, daran irgendwas zu bremsen. Das alles veränderte auch gründlich das Arbeitsfeld von uns Sportjournalisten.

Das Interview des Monats mit Autor Thomas Brussig
Von Wolfgang Golz


Thomas Brussig (44) arbeitet als freier Schriftsteller. Er ist ein Mann aus dem Leben: Ausbildung zum Baufacharbeiter, Abitur, Jobs als Tellerwäscher, Museumspförtner, Reiseleiter, Studium der Soziologie. Zu seinen veröffentlichten Werken gehören u. a. „Helden wie wir“, „Am kurzen Ende der Sonnenallee“. Für den Film „Sonnenallee“ schrieb er das Drehbuch und wurde mit dem Drehbuchpreis der Bundesregierung ausgezeichnet. Außerdem schrieb er mit „Leben bis Männer“ den Monolog eines Provinz-Fußballtrainers, mit „Schiedsrichter Fertig“ einen Schiedsrichter-Monolog. Thomas Brussig spielt Fußball – er gründete im Jahr 2005 die sogenannte „Autonama“, eine Nationalelf von Autoren und Schriftstellern. Im Gespräch mit dem sportjournalist kritisiert er die Sport-Berichterstattung: „Sport wird routiniert abgefeiert.“

11Freunde: Ein Aufsteiger neben Aussteigern
Von Erik Wegener


Von den zahlreichen Fußball-Magazinen, die im Vorfeld der Fußball-WM 2006 in Deutschland für Furore sorgten, hat nur 11Freunde überlebt. „Rund“ wurde vom Olympia-Verlag aufgege-ben, der Hochglanz-Titel „Player“ wurde ebenfalls eingestellt. Unser Autor hat nach Gründen gesucht.

Weitere Themen:
• Die Ausschreibungen der VDS-Berufswettbewerbe
• Der Rückblick auf Verbandsrat und Sportfest in Bremen
• Eine Zwischenbilanz des Arbeitskreises Online









sportjournalist Oktober 2009

Titelthema:
Umfrage der TU München: Kollegen beurteilen TV-Kommentatoren
Wer ist der Beste, was ist wichtig?

Von Moritz Lang

Immer wieder wird die Leistung der Fußball-TV-Kommentatoren in Deutschland diskutiert. Vor allem nach Großveranstaltungen wie Welt- oder Europameisterschaften gehen Beschwerden über Journalisten ein. Meist entzündet sich ein Streit um konkrete Sendungen, denen Qualität abgesprochen wird. Im Rahmen einer Diplomarbeit unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Josef Hackforth am Lehrstuhl für Sport Medien und Kommunikation an der TU München wurde vor der Europameisterschaft 2008 eine Online-Umfrage unter Kommentatoren und Printjournalisten durchgeführt. Die Studie zeigt, welche Qualitätskriterien die Befragten von einem Fußball-TV-Kommentator verlangen: vor allem Fach-, Sprach und Vermittlungskompetenz sowie einen gewandten Umgang mit der Sprache.

Das Interview des Monats mit sky-Geschäftsführer Carsten Schmidt
Von Rainer Kalb


Carsten Schmidt, Jahrgang 1963, verantwortet beim Pay-TV-Sender sky Redaktion und Produktion des Sportprogramms sowie den Sportrechteeinkauf. Darüber hinaus zählen der gesamte Onlinebereich, der Werbezeitenverkauf und die Programmgeschäftsführung bei sky Österreich zu seinem Aufgabengebiet. Im Gespräch mit Rainer Kalb zieht er ein positives Fazit der ersten 100 Tage und äußert sich zu Problemen mit Bayern-Trainer Louis van Gaal ebenso wie zum Thema Olympia-Rechte. Zu Diskussionen über die Preisgestaltung des sky-Angebots sagt er: „Zu teuer – das ist nicht begründet.“


Die Welt der Formel1-Reporter: Kollegen mit Benzin im Blut
Von Elmar Brümmer


Wer Anfang der 90er Jahre mit Dienstreiseanträgen zum Chefredakteur marschierte, in denen das Wort „Motorsport“ auftauchte, der wurde am nächsten Tag in großer Konferenzrunde von jedem Ressort belehrt. Die Politik, leidenschaftlich: „Das ist doch bestenfalls Umweltverschmutzung.“ Die Wirtschaft, sachlich: „Verherrlichung von Raserei ist nicht unser Stil.“ Das Feuilleton, höhnisch: „Todessehnsucht!“ Immerhin, das Lokale springt bei: „Aber Stuttgart ist doch eine Autostadt.“ Die Dienstreise zum ersten Test des Talents Michael Schumacher im Junior-Team von Mercedes-Benz nach Südfrankreich wird nur genehmigt, weil der Sportredakteur dafür Urlaub investiert. Wenig später opfert dann der Chefredakteur seine eigenen Sonntage ganz gern für die Formel 1 im Fernsehen. Montags ist es plötzlich schick über Schumi zu debattieren.

Kein anderer Sportler, kein anderer Sport hat die deutschen Sportredaktionen seit Boris Becker so verändert wie Schumacher. Von den gut 300 permanent akkreditierten Journalisten, die mit dem Grand-Prix-Zirkus um die Welt reisen, sind – das Aufgebot der Fernsehsender nicht eingerechnet – etwa 15 Prozent mit deutschem Pass unterwegs. Damit ist Deutschland in der Nationenwertung des Pressezentrums nach den Briten und Italienern die dritte Kraft…

Weitere Themen:
• Die Bilanz der Leichtathletik-WM von Berlin
• Die Infos zur AIPS-Card 2010/2011
• Neue Bücher von Kollegen








sportjournalist September 2009

Titelthema:
Sparwelle, Strukturwandel: Sportjournalismus als Schrumpfbranche – nicht nur bei Sonntag Aktuell
von Gregor Derichs


„Am 17. Juli um 14.00 tritt Geschäftsführer Reese in der Reaktion auf und erklärt, die Redaktion wird zum 31.12. 2009 geschlossen. In der nächsten Woche bekommen alle 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Kündigung.“ Mit dieser Aussage von Ulrich Tangl, Betriebsrat bei Sonntag Aktuell, beginnt am 21. Juli, Dienstag, ein Fernsehbeitrag der SWR-Landesschau. Es ist ein Bericht von einer Demonstration, die am gleichen Tag in Stuttgart-Plieningen vor dem Pressehaus stattgefunden hat. Etwa 200 Kolleginnen und Kollegen fast aller Firmen aus dem Pressehaus Stuttgart protestierten gegen die angekündigte Schließung der Redaktion von Sonntag Aktuell. Das Besondere an dem Fall ist, dass die Zeitung keineswegs geschlossen wird. Die Zeitung ist nicht pleite, sie geht nicht in die Insolvenz. Das Blatt, als siebte Ausgabe einiger südwestdeutscher Zeitungen vor 30 Jahren gegründet, wird weitergeführt – wie es aussieht nur mit anderem Personal. Das Ziel der Geschäftsführung von Sonntag Aktuell und der dahinter stehenden Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) ist offensichtlich. Aus Kostengründen soll die Redaktion aufgelöst werden.

Die Angst vor dem Aus geht nicht nur in Stuttgart um. In Medien vollzieht sich ein gravierender Strukturwandel, der Unsicherheit auslöst. Sportjournalismus in den klassischen Printmedien ist eine Schrumpfbranche. Im ganzen Land sind Jobverluste in der Branche auf breiter Front festzustellen. Sie haben ihren Grund keineswegs nur in der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Nach den Jahren 2001/2002, als die Printmedien nach einer langen Boomphase ihre erste große Depression durchmachten, erleben sie einen erneuten Einbruch. Mit ungewissen Ausgang. Vieles deutet darauf hin, dass die ehemaligen Zustände nicht mehr erreicht werden, wenn die Rezession beendet ist. Denn es sind nicht nur die krassen Verluste im Anzeigengeschäft, es ist die Intensität des Strukturwandels, beschleunigt durch den Bedeutungszuwachs des Internets, der offenbar systematisch Jobs killt. Auch ein Hang zum Billigjournalismus ist kaum zu leugnen.

Das Interview des Monats mit Sat. 1-Sportchef Dirk Froberg
Von Michael Schaffrath


Sven Froberg (38) ist seit Juni 2009 neuer Sportchef bei Sat. 1. Schon während des Studiums der Sportpublizistik an der Deutschen Sporthochschule in Köln startete der 38-Jährige im Jahr 1992 als Praktikant in der heute von ihm geleiteten ran-Redaktion. Zwischen 2007 und 2009 war er Chefredakteur des DSF. Im Gespräch mit den sportjournalist erläutert er seine Pläne mit „ran“, stellt sein Team vor und stellt klar: „Oliver Pocher wird nicht live auftreten“


Der Weltrekord von Usain Bolt bei der Leichtathletik-WM in Berlin und das Echo in den Medien
von Wolfgang Uhrig


So gespalten wie die Stimmung an diesem Abend im Berliner Olympiastadion ist auch das Medienecho in den nächsten Tagen. Wie soll der Berichterstatter umgehen mit dieser Marke von 9,58 Sekunden? Zwei Zeichen stehen hinter diesen drei Ziffern – ein Ausrufungszeichen und ein Fragezeichen. Neu-komma-achtundfünfzig: eine Zeit zum Staunen und Raunen. Neun-komma-achtundfünfzig: ein unmögliches Ergebnis! Und man steht vor allem vor der Unmöglichkeit, diese Leistung dem Leser richtig zu erklären

Es folgten Tage mit großen Worten in großen Buchstaben. Die Berliner Zeitung nannte die Vorführung des Mannes aus Jamaika ein „dämonisches Werk“ und stellte die Frage: „Verblüfft er die Welt oder hält er sie zum Narren?“ Keine Fragen stellt L’Equipe in Frankreich. Für das Weltsportblatt Nummer eins aus Paris war das „ein Wahnsinnslauf, wie eine Halluzination“, da lief „ein Außerirdischer schneller als die Zeit“, für Gazetto dello Sport in Italien ist Bolt „einfach ein Monster“, für USA Today „verschoben sich Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit“ – Zeitzeugen aus aller Welt überschlugen sich mit Superlativen.

„Fassungslosigkeit, Faszination und viele Fragezeichen“ stellte der Sport-Informations-Dienst (SID) am Tag danach fest. Und noch immer staunte die Sportpresse über einen „Megasprinter“ und hoffte, dass alles mit rechten Dingen zugegangen war. „Alle Zeugen dieses neuerlichen Meisterstücks haben das gleiche Problem wie die Reporter auf der Tribüne“, schrieb mit einem Seufzer die Berliner Tageszeitung Welt und überlegte im Nachsatz: „Welches Adjektiv ist angemessen, diese Leistung zu beschreiben? Fantastisch, großartig, sagenhaft, unglaublich? Oder doch eher unglaubwürdig?“

Weitere Themen:

• Die Ansprechpartner für Medien-Arbeitskarten in der Basketball-Bundesliga
• Alle Infos zum VDS-Sportfest und Verbandsrat in Bremen
• Antragsformular Presseausweis 2010








sportjournalist August 2009

Titelthema:
Faszination Bundesliga – dank „Goal“ ist die Bundesliga in 180 Ländern zu sehen
von Erik Wegener


Mario Gomez, Stefan Kießling, Lukas Podolski – deutsche Stars sind längst global auf den Fernsehschirmen präsent, und zwar Woche für Woche. In der vergangenen Saison war zum Beispiel das spannende Finale in 172 Ländern zu sehen, in der neuen Spielzeit werden in über 180 Ländern Live-Bilder der Bundesliga ausgestrahlt. Rund 32.000 Stunden Bundesliga-Fußball wurden in der Saison 2007/08 rund um den Globus live oder zeitversetzt in voller Länge gesendet. Selbst die Relegationsspiele Ende Mai waren in 77 Nationen zu sehen. „Unser Ziel ist es, die Faszination Bundesliga weltweit zu erklären und neue Fans hinzuzugewinnen“, sagt DFL-Geschäftsführer Tom Bender. Daher produziert die DFL zu jedem Spieltag eigens eine internationale 26-minütige Preview-Show für die Bundesliga-Fans in aller Welt. Titel: „GOAL! – The Bundesliga-Magazine“.

Das Interview des Monats mit Jens-Peter Hecht, Head of Media Operations beim OK für die Fußball-WM 2010 in Südafrika
Von Ronny Blaschke

Seit einem halben Jahr leitet der Lüneburger Jens-Peter Hecht die Medien-Abteilung des lokalen Organisationskomitees für die WM 2010 in Südafrika. Der frühere Journalist hatte unter anderem für den Weser-Kurier, die DPA oder Sport-Bild gearbeitet, später war er in der Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Tennis-Bundes, des Olympiaparks München oder des DFB für die WM 2006 tätig. Seinen Job in Johannesburg bezeichnet der 62-Jährige als spannendste Herausforderung seiner Laufbahn. Seine Erkenntnis: „Entscheidungen durchzusetzen ist hier schwerer“.

Außerdem zu diesem Thema: Eine Bilanz des Confed-Cup und die Lehren aus dem schlimmen Verkehrsunfall von vier deutschen Sportjournalisten, bei dem ein Kollege starb.

Kollegen und Karrieren – am Anfang war das Wort zum Sport
von Wolfgang Uhrig

Es muss für Axel Hacke wie eine Reise in die eigene Vergangenheit gewesen sein. In die Zeit, als er noch ein Sportreporter war. „Eines Tages saß ich auf der Tribüne von Waldhof Mannheim beim Spiel gegen 1860, Schreibmaschine auf den Knien, Telefon zwischen den Füßen,“ schreibt Hacke in der wöchentlichen Kolumne des SZ-Magazins, „ich saß mitten im Publikum weil es keine Pressetribüne gab. Die Leute schauten mir über die Schulter, kommentierten das Gelesene, und beim Diktat musste ich wegen des Lärms während des Spiels schreien, dass man meinen Text noch unten auf der Trainerbank hörte.“

So war das für Axel Hacke, den Reporter. Vor 20 Jahren gehörte er zur Sportredaktion der Süddeutschen Zeitung, er berichtete über Fußball, von Olympischen Spielen. Heute ist Hacke, 56, ein erfolgreicher Autor mit einem Platz in den Bestsellerlisten („Der kleine Erziehungsberater“, „Auf mich hört ja keiner“). So wie er haben Dutzende von profilierten Journalisten in Deutschland ihre Wurzeln im Ressort Sport. Für viele war das die Vorstufe zur Karriere in einem anderen Medienbereich.

Weitere Themen:
Die Ansprechpartner für Medien-Arbeitskarten in der Handball- und Eishockey-Bundesliga
Alle Infos zum VDS-Sportfest in Bremen

sportjournalist August 2009 (.pdf-Datei), 1364kB)









Juli 2009

Titelthema:
Die Leichtathletik-WM: Berlin plant den großen Wurf
von Christian Klaue


Leichtathletik-Rekorde sind in die Diskussion geraten. Doch bei der WM im Sommer in Berlin (15. bis 23. August) stehen sie außerhalb der Kritik und beginnen schon auf der Pressetribüne. Die Titelkämpfe im Olympiastadion garantieren Superlative. Vom „medialen Hyperwahn“ sprach jüngst WM-OK-Geschäftsführer Frank Hensel im Sportausschuss des Bundestages, als er den Aufwand für die Fernsehübertragung schilderte. (…)

Außer von 90 Kameras werden die knapp 2.000 Teilnehmer aus über 200 Nationen auch von 940 schreibenden Kollegen von der Pressetribüne aus beobachtet, darunter die Rekordzahl von 260 deutschen Journalisten aus dem Print- und Onlinebereich. Ein Privileg für den WM-Gastgeber. Normalerweise erhält Deutschland bei Weltmeisterschaften nur 60 Plätze. Insgesamt werden 3.500 Medienvertreter erwartet, die Akkreditierungsphase endete bereits am 15. April. Während Rechtehalter vom Fernsehen und 54 Vertreter von Nachrichtenagenturen in Zielnähe im Unterrang sitzen, sind die Presseplätze für Zeitungen und Onliner im Oberrang, weil die Veranstalter erstmals Finish-Line-Tickets verkaufen. Rund 3.000 Unterrang-Sitze werden von den interessiertesten Fans besetzt. „Es sollen nicht nur eindrucksvolle sportliche Titelkämpfe werden, sondern wir wollen auch für Medienvertreter hohe Standards setzen“, sagt WM-Mediendirektor Stefan Thies. Dafür betreibt das WM-OK einen enormen Aufwand. An jedem Presseplatz wird es einen kostenlosen LAN-Zugang und einen Ergebnismonitor in Reichweite geben. …


Das Interview des Monats mit Eberhard Figgemeier, ZDF
Von Wolfgang Uhrig

Eberhard Figgemeier (62) begann seine journalistische Karriere 1970 als Volontär beim Zweiten Deutschen Fernsehen, wo er jetzt nach 39 Jahren als Redakteur und Reporter ausscheidet. Der in Bochum geborene Figgemeier war beim ZDF u.a. Redaktionsleiter für das „aktuelle sportstudio“ und Programmchef bei mehreren Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften. Im Interview spricht er u.a. über seine Versuche als Moderator („Das war für mich der pure Stress“), seine lange Karriere beim ZDF und die schwierigen Stunden bei seiner Reportage von der Heysel-Tragödie 1985.

„Dostojewski – für wen hat der eigentlich gespielt?“ - Fußballprofis auf dem Feld der Literatur
von Ronald Reng

Thomas Hitzlsperger macht, was ein Fußballprofi nicht tun darf: Er hört auf Journalisten. Er sucht den Rat von Kritikern geradezu, in der Zeit, in der Süddeutschen Zeitung und oft um zehn nach vier im Deutschlandfunk. Dann läuft die Sendung „Büchermarkt“. Es sind nur die Literaturkritiker, deren Meinung der Kapitän des VfB Stuttgart vertraut. Dass Journalisten und Fußballer nicht nur Bundesligapartien, sondern auch Bücher ganz anders bewerten, hat er allerdings auch schon erfahren: Wegen einer begeisterten Besprechung im Feuilleton kaufte er sich den Roman Niederland von Joseph O’Neill und kam sich bei der Lektüre wie im Mittelfeld gegen Cottbus vor. Es war ein einziger Kampf.

Wir alle tragen das Vorurteil in uns, dass Fußballer bei Dostojewski fragen, „für wen hat der gespielt?“ Als dann unlängst der Trainer Hans Meyer launig erzählte, bei Kultur seien seine Spieler halt, na ja, nicht so geil drauf, lachte ich wie die meisten ein bisschen selbstgefällig - und natürlich fallen uns sofort genug Fußballer ein, bei denen man sich fragt: Kann der überhaupt lesen? Bloß die Wahrheit sieht längst ganz anders aus: In den Profiteams werden heute ähnlich viele (oder wenige) Bücher gelesen wie unter Postbeamten, Polizisten oder – wage ich mal zu behaupten – in Sportredaktionen.

Weitere Themen:
• Die Ansprechpartner für Medien-Arbeitskarten in der Fußball-Bundesliga
• VDS-Anwalt Dirk Feldmann über Feste und Freie in Medienberufen
• Alle Infos zur Wahl weiterer Sportgrößen in die Hall of Fame des deutschen Sports

sportjournalist Juli 2009 (.pdf-Datei), 1190kB)









Mai 2009

Titelthema:
Der Kieler Handball-Skandal und die Medien: Wenn der Spiegel kommt, wird ernst
von Lukas Natusch

Die Kronzeugin kommt aus Kiel, heißt Meike B. und arbeitet als Lehrerin. Sie ist mit einem Journalisten zusammen. Wie es sich für einen Akademiker-Haushalt gehört, werden mehrere Zeitungen gelesen. Der Spiegel. Die Zeit. Die Kieler Nachrichten (KN). Und das Flensburger Tageblatt (FT). Als Frau B. Anfang März ein paar Tage lang die Texte aus Kiel und Flensburg zum sich anbahnenden größten Skandal der deutschen Handball-Geschichte gelesen hatte, fragte sie ihren Mann, warum denn derart unterschiedlich berichtet würde über die vermeintlichen Schiedsrichter-Bestechungen beim Champions-League-Finale 2007 zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt.

Frau B. ist keine Medien-Expertin, sie ist auch keine Handball-Fachfrau. Ihr fiel nur auf, dass die Flensburger Zeitung die Sache ganz anders bewertete und größer aufmachte als die Kieler. Als FT schon längst davon schrieb, dass man dem THW den Titel aberkennen müsse, sollten sich die Gerüchte als wahr herausstellen, schrieb der Chefredakteur der KN noch schnell einen Kommentar, in dem er die Westen der Kieler Verantwortlichen wieder weiß wusch. So unterschiedlich können die Meinungen ausfallen, wenn eine Kieler und eine Flensburger Zeitung über denselben Sachverhalt berichten…

Das Interview des Monats mit ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky
Von Rainer Kalb

Axel Balkausky (47) stammt aus Bremen. Schon während seines Studiums der Publizistik, Rechts- und Gesellschaftswissenschaften in Münster und Berlin war er freier Mitarbeiter in den Sportredaktionen des Weser-Kurier und Radio Bremen. 1989 wurde er Sportredakteur bei Sat.1 in Hamburg, ab 1998 leitete er die Fußballredaktion. 2000 wechselte er zum Deutschen Sportfernsehen nach München, von Dezember 2002 bis Ende 2006 war er dort Chefredakteur. Im Januar 2007 übernahm Axel Balkausky die Leitung des Programmbereichs Sport beim NDR. Seit dem 15. September 2008 ist er zusätzlich nebenamtlicher Sport-Koordinator der ARD, zum 1. November 2009 wird daraus ein Hauptamt. Warum das notwendig ist und warum er den Verlust der Übertragungsrechte am UEFA-Cup ab der kommenden Saison bedauert, erklärte er unserem Autor Rainer Kalb.

Recherche auf gefährlichem Terrain: Wie zwei Wiener Sportjournalisten einem Doping-Netzwerk auf die Spur kamen
von Jürgen Preusser

Zwanzig neue Verfahren sollen laut Staatsanwaltschaft Wien in den kommenden Wochen eingeleitet werden. Es geht um Sportler und um die Hintermänner eines jahrelang völlig unbeeindruckten Doping-Rings, der nicht nur österreichische, sondern auch internationale Athleten mit leistungsfördernden Präparaten versorgte.

Dass die ehrenwerte Gesellschaft jetzt ihren Deckmantel lüften muss, ist vor allem zwei Wiener Sportjournalisten zu verdanken: Rainer Fleckl und Erich Vogl vom KURIER brachten mit ihren hartnäckigen Recherchen eine Lawine ins Rollen, die seit den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin bedrohlich über der beschaulichen österreichischen Sportlandschaft gehangen hatte…

Weitere Themen:
      Gerhard Waldherrs Siegertext beim VDS-Olympiapreis 2008, gefördert vom Deutschen Olympischen Sportbund
      Neues Vom VDS-Arbeitskreis für Online-Sportjournalismus
      Serie Gestern – Heute: Die frühere Sportstudio-Moderatorin Doris Papperitz
      Gedenken: Holger Schück und Dietrich Denz sind tot









April 2009

Titelthema:
Vom Foto-Reporter zum Foto-Roboter? Die neue Welt der Sportfotografen
von Ute Maag

Keine Berufsgruppe innerhalb der Journalisten hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen derart rasanten und tiefgreifenden Wandel vollzogen wie die Sportfotografen. Die Wende von der analogen zur digitalen Fotografie, von Schwarz-Weiß- zu Farbbildern, vom Postversand zur Datenübermittlung via FTP oder Satellit hat den Bildjournalisten einen Systemwechsel beschert, der ihre Arbeit nachhaltig veränderte – spätestens seit Mitte der 90er Jahre das bundesweit verfügbare ISDN-Netz das Bildfunk-Monopol der großen Nachrichtenagenturen beendete. Seit Bilder in Sekundenschnelle um den Erdball rauschen, kann jeder professionelle Fotograf aktuelles Material fast in Echtzeit anbieten. Und er tut es auch, mit gravierenden Folgen für die Bildjournalisten selbst und für die Redaktionen, die mit ihnen zusammenarbeiten. Besonders deutlich wird das beim Überangebot von Fußball-Fotos.


Das Interview des Monats mit Rechtsanwältin Stefanie Brum zum Thema Künstlersozialversicherung
Von Ute Maag


2007 wurde das Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) neu geordnet, mit gravierenden Folgen nicht nur für die in der Künstlersozialkasse (KSK) Versicherten, sondern auch für die Verwerter künstlerischer und publizistischer Leistungen. Rechtsanwältin Stefanie Brum (39) berät in der Stuttgarter Kanzlei Rüdisühli, Friedrich, Brenner, Renz seit 2003 Medienschaffende und Unternehmen zu Beitrags- und Abgabenpflicht. Sie warnt: „Wer sich nicht als Verwerter meldet, riskiert ein Bußgeld.“


Die Gala von Nürnberg
von Heinz Fricke

Nordlichter waren erst einmal irritiert: Es gab nur Weißbier im Ausschank, was bekanntlich nicht jedermanns Sache ist, der an Elbe, Weser oder Leine vorwiegend mit frisch gezapftem Pils großgezogen wurde. Doch in einem akzeptablen Zeitrahmen nahmen dann auch die Pils-Hähne von Bitburger ihre Arbeit auf. Und fortan gab es nichts mehr, was am VDS-Galaabend im Prunksaal des Nürnberger Rathauses auszusetzen gewesen wäre. Im Gegenteil: Der Abend, in dessen Mittelpunkt traditionell so maßvoll spannende Dinge wie die Eröffnung der Fotoausstellung und die Ehrung der Preisträger in den Berufswettbewerben stehen, entwickelte einen Unterhaltungswert allererster Güte. „Eine glatte Eins“ vergab Präsident Erich Laaser am nächsten Tag für das, was die Nürnberger trotz knapper Zeit auf die Beine gestellt hatten.


Außerdem:
• Die Preisträger in den VDS-Berufswettbewerben
• Alle Infos zum VDS-Wahlkongress

Weitere Themen:
• Der „Doppelpass“ des Deutschen SportFernsehens
• Alle Infos zu den VDS-Golfmeisterschaften und zum Seniorentreffen

sportjournalist April 2009 (.pdf-Datei), 1367kB)









Februar 2009

Titelthema: „Don’t panic on that one“ – Südafrika vor der Fußball-WM 2010
von Tom Häberlein

Es ist ja noch ein bisschen hin, aber irgendwann in den vergangenen Monaten hat die FIFA festgestellt, dass ihre WM 2010 in Südafrika in den Medien nicht ganz so gut rüberkommt wie vermutet. Dem Organisationskomitee vor Ort ist das schließlich auch aufgefallen, und deswegen haben sich beide gesagt: So, jetzt sollen sie alle mal kommen, und dann zeigen und sagen wir, was Sache ist. Die Erkenntnis einer Reise ins WM-Land: Für einen Europäer ist es nicht leicht, in gewissen Situationen zumindest ein gewisses Unbehagen zu unterdrücken. Selbst die zahlreich aufgefahrenen und bisweilen hochrangigen Regierungsvertreter waren nicht in der Lage, die Zweifel zu zerstreuen. Die WM 2010 wird stattfinden, aber unter welchen Umständen, vermag guten Gewissens keiner zu sagen. Einen Standardsatz sollte sich gleich mal jeder verinnerlichen, der zur WM 2010 nach Südafrika zu fahren gedenkt:„Dont panic on that one!“ Nur keine Panik.

Vancouver vor den Olympischen Winterspielen 2010
Von Gerd Graus

Vancouver, Kanada. Traumstadt. Tolle Lage. Riesiges Freizeitangebot. Multikulturell. Sportlich. Weltoffen. Leger. Alles trifft zu. Alle, die zu den Olympischen Winterspielen 2010 fliegen werden, dürfen sich freuen. Das Medienzentrum in Vancouver wird nicht nur durch seine Lage direkt am Wasser überzeugen. Die Pläne versprechen Großzügigkeit, angenehme Arbeitsbedingungen und technisch optimale Voraussetzungen. Es gibt keinen Grund, an den Angaben des Medien-Teams von VANOC zu zweifeln. Wie der Stand der Vorbereitungen des DOSB ist, schildert Pressesprecher Gerd Graus.

Zum Thema:
Was erwartet uns 2009? Ein (satirischer) Blick in die Zukunft von Wolfgang Uhrig.

Das Interview des Monats mit Fritz Pleitgen
von Rainer Kalb

Fritz Pleitgen (70) war bis 2007 Intendant des WDR, dort davor auch Chefredakteur und als Auslandskorrespondent lange Jahre eines der Gesichter des ARD-Fernsehens. Zum Jahresende ist seine Amtszeit als EBU-Präsident ausgelaufen, in der es teilweise turbulent zuging. Im sportjpurnalist nimmt Pleitgen Setllung: zur umstrittenen Berichterstattung über die Tour de France und die Zukunft der Sportschau. Die Entscheidung des IOC, die Fernsehrechte nicht mehr im Paket an den Verbund der öffentlich-rechtlichen Sender Europas zu vergeben, sieht er skeptisch: „Das IOC will Olympia filetieren.“

Außerdem in diesem Heft:
Einladung und Tagesordnung zur VDS-Fotografentagung in Frankfurt/Main
Einladung und Tagesordnung zum VDS-Wahlkongress in Nürnberg
Nachrufe auf Rudi Michel, Helmut Tietze und Horst Kickhefel








Januar 2009

Titelthema:
„Online first“ – der Siegeszug eines neuen Mediums und die Folgen
von Wolfgang Golz

Journalismus in Print und Online - zwischen diesen extremen Positionen bewegen wir uns. Das Ende ist offen, spannend wird es auf jeden Fall. Erträglich bleibt es für den, der nicht zu Spänen unter den gnadenlos angesetzten Hobeln wird. Im Verlag Axel Springer propagierte Vorstands-Chef Döpfner schon vor mehreren Jahren, das Augenmerk gezielt auf Online zu legen. Spiegel online glänzt bereits mit beachtlichem Niveau. Die WAZ-Gruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) zieht jetzt nach und verordnete den Redakteuren: „Online first. “

Der Journalismus erlebt gegenwärtig eine Revolution, die durch die Nebentür schlüpfte. Keine Revolution mit dem Ruf „Wir sind das Volk“. Es ist eine Revolution von oben, von den Verlagen, auf den Rücken der Redakteure ausgetragen. Welches sind die Kinder, die sie frisst? Für wen Fluch, für wen Segen?

Zum Thema:
Der Arbeitskreis für Online-Sportjournalismus im VDS hat seine Arbeit aufgenommen. Die Sprecher Christoph Ruf, Kirsten Kurze, Achim Dreis und Martin Volkmar berichten.

Kaleidoskop 2008 - Momente und Meinungen, Begegnungen und Bemerkungen
Der ganz persönliche Jahresrückblick von Frank Bachner, Stefan Bomhard, Jochen Coenen, Günter Deister, Christoph Fischer, Wolfgang Golz, Steffen Haffner, Andreas Hardt, Günter Klein, Andreas Lorenz, Ralf Mittmann, Michael Neudecker, Roger Repplinger, Wolfgang Uhrig. Von Januar bis Dezember, von Jürgen Klinsmann bis Henry Maske.

Das Interview des Monats
mit Josef Hackforth
von Wolfgang Uhrig

Prof. Dr. Dr. Josef Hackforth, Ordinarius für Sport, Medien und Kommunikation an der TU München, Leiter der Deutschen Sportjournalistenschule, begeht am 6. Januar seinen 60. Geburtstag. Im Gespräch mit dem sportjournalist verteilt er Lob an die Sportjournalisten und kritisiert: „Die Inszenierung von Themen und Ereignissen ist von publizistischem Übel.“

Außerdem in diesem Heft:
2 VDS-Schiedsrichter-Seminare im Januar in Karlsruhe und Dortmund
Informationen zur Leichtathletik-WM 2009 in Berlin
Die Auswirkungen der Gesundheitsreform auf gesetzlich versicherte freie Journalisten









 
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