Verein Münchner Sportjournalisten (VMS)

Walter Kaufmann zum 95. – Mann mit vielen Leidenschaften

Am 20. November wurde Walter Kaufmann 95 Jahre alt. Er ist das älteste Mitglied des VMS.

Von Hans Eiberle

Vom Balkon seiner Wohnung in Unterhaching bei München kann Walter Kaufmann die bayerischen Berge sehen; wenn der Föhn den Himmel blank geblasen hat, sind sie zum Greifen nah. Die meisten hat er erstiegen, gemeinsam mit seiner Frau Cläre – sie ist 2013 gestorben. Sein Bergwanderbuch verzeichnet 488 Gipfel über 1800 Meter, „von Norwegen bis nach Korsika“.

Von seinem ersten Paar Bergschuhe steht einer im Arbeitszimmer, aus ihm wachsen Blumen, der andere im Münchner Alpinen Museum. Die Berge sind seine Leidenschaft. Kein Wunder, Walter Kaufmann ist im Voralpenland geboren, in Seeshaupt am Starnberger See, und er lebt seit seiner Kindheit in München. Die andere ist die Fotografie, deren Entwicklung einen altgedienten Fotografen wie ihn schon mal neidisch werden lässt. Wenn er die gestochen scharfen digitalen Farbfotos in den Zeitungen sehe, denke er sich manchmal: „Ich wollte, ich wäre später geboren.“

Die Ausbildung zum Feinmechaniker beim Agfa-Camerawerk in München war Kaufmanns Startkapital, als er Weihnachten 1945 aus französischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war. Zudem hatte er während des Zweiten Weltkriegs, zwischen Fronteinsätzen in Polen und Frankreich, zwei Jahre lang in der Entwicklungsabteilung des Werks gearbeitet. Er eröffnete in München ein Fotolabor, gründete später mit seinem Schwager eine Pferdesportzeitung. Nach dessen plötzlichem Tod an den Folgen einer Kinderlähmung übernahm der Münchner Merkur die Redaktionsräume.

Traber und Galopper im Fokus

Walter Kaufmann wurde freier Journalist. Er kaufte einem Fotografen für 300 Mark die Lizenz für die Trabrennbahn in Daglfing ab und berichtete in Bild und Wort über die Traber und die Galopper in Riem, unter anderen für die Süddeutsche Zeitung, den Münchner Merkur, Rennzeitungen und 35 Jahre lang für die dpa. In Daglfing wurden seine Zielfotos noch nicht geschätzt, da galt das Augenmaß von „drei würdigen Herren, die als Jury auf der Tribüne standen“, erinnert sich Kaufmann. In Riem schon, dort installierte er am Ziel seine Robot-Kamera.

Bei seinem Abschied von den Rennbahnen war Walter Kaufmann schon 75 Jahre alt. Seine Lizenz als Amateurfahrer hat er immer noch. Er gewann 14 Journalistenrennen und war 1984 deutscher Journalistenmeister auf der Trabrennbahn in Mönchengladbach. Sein Abschied von den Trabern war endgültig. „In Daglfing bin ich seither nicht mehr gewesen“, sagt Kaufmann. „Ich könnte das nicht mehr mit ansehen, das ist eine Katastrophe.“ Kaum noch Rennen, die Bahn ist verkauft, Geld bringt ein Flohmarkt, der geplante Neubeginn in Maisach ist abgesagt.

Kaufmann früh beim VMS aktiv

Früh engagierte sich Walter Kaufmann berufsständisch. Er nahm an den Besprechungen teil, die am 16. Januar 1950 zur Gründung des Vereins Münchner Sportpresse (VMS) führten (seit 1997 Verein Münchner Sportjournalisten). Von 1976 bis 1989 war er Schatzmeister des VMS, als Nachfolger von Bruno Moravetz, dessen Kassenprüfer er zuvor gewesen war.

Aus dem Krieg kehrte Walter Kaufmann mit zerschossener Hüfte und lädiertem linkem Arm heim. Trotzdem blieb er lange fit – klein, schlank, zäh, seit seiner Jugend 60 Kilogramm wiegend. Zum 90. Geburtstag schenkte ihm der VMS einen Radhelm. Den braucht er nicht mehr, vor zwei Jahren hat Kaufmann das Fahrrad gegen einen Rollator eingetauscht.

Am 20. November wurde Walter Kaufmann 95 Jahre alt; er ist das älteste Mitglied des Vereins Münchner Sportjournalisten (VMS).

Foto: Hangen (VMS)

03.12.2015






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