Verband Westdeutscher Sportjournalisten (VWS)
Vollblut-Fotograf Stefan Hörttrich: „In Ostwestfalen Entwicklungshilfe leisten“

Nachruf Stefan Hörttrich – Stets ein Fotograf der ersten Reihe

Er liebte Gesichter und wusste die Menschen, die er fotografierte, meist auch richtig einzuordnen. Dabei war er selbst 40 Jahre eines der prägnanten Gesichter des Westfalen-Blattes. Am 15. November erlag Stefan Hörttrich 72-jährig einer schweren Krankheit.

Von Werner Jöstingmeyer

Der gebürtige Schwabe, der am 24. Juni 1943 in Stuttgart das Licht der Welt erblickte und im „Ländle“ sowie in München sein Handwerk auf der Fotografenschule aus dem Effeff erlernte, hatte die „Großen dieser Welt“ fast alle vor der Linse. Ob Willy Brandt, Helmut Kohl, den Dalai Lama oder Muammar al-Gaddafi, die Showgrößen wie Thomas Gottschalk oder Rod Stewart – Stefan Hörttrich war stets ein Fotograf der ersten Reihe.

Bevor er 1975 im Alter von 32 Jahren in Bielefeld beim Westfalen-Blatt heimisch wurde, um, wie er sich oft scherzhaft auszudrücken pflegte, „in Ostwestfalen Entwicklungshilfe zu leisten“, hatte er drei Jahre in Kenia für die Zeitungen Target und Lengo fotografiert und dort zwei Einheimische ausgebildet, die später seine Arbeit weiterführten.

Nach seiner Rückkehr heuerte Stefan Hörttrich zunächst bei der Berliner Pressebildagentur Kindermann an. Von dort aus führte ihn sein beruflicher Weg noch einmal zurück in die schwäbische Heimat. Im Großraum Stuttgart baute er mit Kollegen eine Agentur für lokale Berichterstattung auf. Veränderungen in der dortigen Zeitungslandschaft führten schließlich dazu, dass der Vollblut-Fotograf 1975 beim Bielefelder Zeitungskonzern sesshaft wurde.

Stefan Hörttrich machte keine Unterschiede, ob er nun für die Mantelredaktion „Promis erster Güte“ oder für die Lokalredaktionen den „Nachbarn von nebenan“ fotografierte. Er hatte stets gute Ideen und schickte schon wenig später interessante Bilder auf den Rechner.

Stefan Hörttrichs weicher Kern war in einer rauen Schale gebettet

Besonders hatte es ihm der große und kleine Sport angetan. In den zahlreichen Trainingslagern von Arminia Bielefeld stand er schon morgens mit den Geschichten im Kopf auf, die der „Schreiberling“ dann gefälligst auch textlich umzusetzen hatte.

Auch bei den Gastspielen der Ostwestfalen in seiner Heimatstadt Stuttgart gab der Schwabe selbstverständlich den Ton an. Schon beim Überschreiten der baden-württembergischen Landesgrenze herrschte er regelmäßig die Kollegen an: „Haltet die Klappe, jetzt bin ich zu Hause.“

Dass ein Einkauf in seiner Lieblingsmetzgerei in Degerloch zum Ritual des Stuttgart-Trips gehörte, verstand sich fast von selbst. Mit 65 Jahren ging Stefan Hörttrich keineswegs „in Rente“. In den letzten Jahren begleitete er fotografisch vorwiegend den SC Paderborn.

Auf dem Bielefelder „Alten Friedhof“, mitten im Stadtzentrum, fand Stefan Hörttrich seine letzte Ruhestätte. Nicht nur die Mitarbeiter des Westfalen-Blattes trauern mit der Witwe um einen stets hilfsbereiten Kollegen, dessen weicher Kern in einer rauen Schale gebettet war.

15.12.2015






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