Verein Frankfurter Sportpresse (VFS)
Jubilar Harald Stenger: Nicht bequem, nicht pflegeleicht, zuweilen eckt er an (Foto: firo/Augenklick)

Harald Stenger zum 65. – Buddha und Bergfex

Am 13. Februar wird Harald Stenger 65 Jahre alt. Ruhestand? Von wegen! Der Verein Frankfurter Sportpresse gratuliert dem Umtriebigen.

Von Thomas Kilchenstein

In der großen Krise des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war Harald Stenger Ende vergangenen Jahres wieder dauernd im Bild. Kein Sender, keine Talkshow, kein Spezial ohne eine zumeist pointierte Stellungnahme des gebürtigen Bornheimers.

Natürlich hat Stenger, der Insider, kein Blatt vor den Mund genommen (Foto: GES-Sportfoto). Das hat er nie getan, weder als jahrzehntelanger Schreiber für die Frankfurter Rundschau noch jetzt als Berater und freier Journalist am Mikrofon. Stenger ist sich treu geblieben: Er ist nicht bequem, nicht pflegeleicht, zuweilen eckt er an. Manchmal kann der Mann auch ganz schön anstrengend sein. Aber er hat ja auch etwas zu sagen.

65 Jahre wird er nun (am 13. Februar), man glaubt es kaum. Es gratuliert der Verein Frankfurter Sportpresse. Seit bald 45 Jahren lebt er mit und im Fußball. Schon als Schüler schrieb er für die FR. Bald war er Redakteur, er schrieb über Fußball (und Tischtennis), über die Eintracht, die Bundesliga, über Europa- und Weltmeisterschaften, die Nationalmannschaft sowieso – und die Oberliga Hessen.

Die war damals noch bedeutender als heute, dritte Liga, und seinerzeit war Stenger in der Region eine absolute Koryphäe. Manche zitterten förmlich vor seinem „Thema der Woche“, immer montags auf der Oberliga-Seite in der FR. Denn der Südfrankreich-Liebhaber und Bergfex Stenger war immer bestens informiert.

Über seinen Schreibtisch in der FR liefen viele Fäden zusammen, Stenger hing viel am Hörer („Mit schönen Grüßen von Haus zu Haus“), bald reichte ihm ein Telefon nicht aus. Das vom Kollegen vis à vis pflegte er auf seine Seite des Schreibtischs zu ziehen. Natürlich trug er schon damals zusätzlich ein Headset und im Redaktionsbüro manchmal sehr seltsame Hawaiihemden.

2001 wechselte der ewig rastlose Bergfex zum DFB, wurde Mediendirektor im Stadtwald (Foto mit Lukas Podolski: GES-Sportfoto/Augenklick). Es war, als werfe man einen Fisch ins Wasser. Das war sein Element. Organisieren, delegieren, in vorderster Front stehen („Daily Stenger“). Er war nie aus der Fassung zu bringen („Buddha“), machte vieles möglich, kümmerte sich – um die Kollegen, den Verband, die Kicker. Es gibt auf YouTube einen Beitrag. „Ein Tag im Leben des Harald Stenger“ ist der überschrieben, und dieser zeigt ziemlich gut das nimmermüde Schaffen des passionierten Saunagängers.

2012 ist sein Vertrag beim DFB nicht mehr verlängert worden. Es war kein schöner Abschied, und Stenger hat ein bisschen daran knabbern müssen. Bald ist er wieder eingetaucht in die Arbeit, hat etwa für Spiegel Online bei der WM 2014 in Brasilien als Videokolumnist das Studio Stenger aufgemacht. Und die Verleihung des Herbert-Awards für seine Lebensleistung hat ihm auch gut getan.

Ansonsten weiß der Vollblutjournalist ganz gut mit seiner freien Zeit umzugehen. Up to date ist er sowieso. Und abseits der Kreidelinien, abends beim Äppler oder einem schönen Glas Pinot Grigio (und einem leckeren Essen), ist Harald ohnehin ein amüsanter, entspannter Gesprächspartner. Alles klara!

13.02.2016






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