Handball-Treff von VSHS und VHS
Handball-Europameister Deutschland: Die Spieler lassen Bundestrainer Dagur Sigurdsson hochleben (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick)

Schwung des EM-Triumphes mitnehmen

Der gemeinsame Handball-Treff der Schleswig-Holsteiner Sportjournalisten (VSHS) und der Hamburger Kollegen (VHS) hat schon eine gewisse Tradition. Dieses Mal stand die Veranstaltung unter einem besonders guten Stern, hatte Deutschland doch kurz zuvor die EM gewonnen.

Von Marc Lennart Wiese

Die Stimmung im Restaurant der Holstenhallen Neumünster war locker und fröhlich. Kein Wunder: Vier Tage nach dem Triumph der deutschen Handballer in Polen gab es vor allem bei den Vertretern von THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt allen Grund zur Freude.

„Die Mischung der deutschen Mannschaft hat gestimmt“, sagte THW-Trainer Alfred Gislason (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick). Der unerwartete EM-Titel hat zumindest kurzzeitig eine neue Handball-Euphorie in Deutschland entfacht. Das Finale gegen Spanien sahen fast 13 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 42 Prozent).

„Man muss den Schwung der EM zur Verbesserung der Stellung des Handballs in Deutschland nutzen“, betonte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. Doch wie kann man verhindern, dass das neue Hoch wie nach dem Gewinn der WM 2007 im eigenen Land nur von kurzer Dauer ist?

„Natürlich hängt die mediale Aufmerksamkeit einer Sportart immer vom Erfolg der Nationalmannschaft ab. Allerdings sind jetzt auch der DHB, die Liga und wir als Vereine gefragt, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, um diesen Erfolg in Deutschland zu etablieren“, sagte Schmäschkes Kieler Kollege Thorsten Storm.

In Rune Dahmke, Steffen Weinhold und Christian Dissinger hatten drei Kieler Spieler zum Titelgewinn beigetragen, wobei das Turnier für die beiden letzteren nach dem Hauptrundenspiel gegen Russland verletzungsbedingt beendet war. Für Weinhold könnte die Saison sogar ganz vorbei sein. Der 29 Jahre alte Rückraumspieler könnte einen Muskelabriss im Adduktorenbereich erlitten haben.

Auch wegen dieser Verletzung kam die hohe Belastung der Spieler zur Sprache. „Jedes Jahr eine EM oder WM zu spielen ist nicht unbedingt förderlich für die Qualität dieser Turniere“, stellte SG-Trainer Ljubomir Vranjes klar (Foto: firo/Augenklick).  Insbesondere in diesem Jahr stünden die Spieler praktisch durchgehend auf der Platte.

„Es wird nicht möglich sein, die großen Turniere nur noch alle vier Jahre stattfinden zu lassen“, entgegnete Storm, „die internationalen Verbände würden lediglich die Hälfte an Einnahmen haben.“ Der 51-Jährige regte allerdings an, über den Verzicht auf eine EM in einem Olympia-Jahr nachzudenken.

Alle Anwesenden waren sich darin einig, die Kader der deutschen Vereine aufzustocken. In ganz Europa ist es erlaubt, in einer Partie 16 Spieler einzusetzen, in Deutschland sind es lediglich 14. „Für uns ist es grausam. Wir haben in Dissinger und Weinhold zwei Spieler, die uns sehr, sehr lange fehlen. Wir zahlen jetzt einen Teil der Zeche“, klagte Storm.

Um Geld, genauer: dessen Fehlen, ging es beim Thema Insolvenz des HSV Hamburg. THW-Coach Gislason zeigte sich traurig über den Rückzug des Teams. „Das ist sehr schade. Hamburg war ein super Standort und die Mannschaft super drauf. Trotz unserer Verletzten-Situation hätten wir gerne gegen sie gespielt.“

Weniger Mitleid hatte Schmäschke, dessen Flensburger am ersten Spieltag der Rückrunde auf den HSV getroffen wären. „Uns hat das sehr geärgert. Wir hatten einen riesigen Arbeitsaufwand wegen der bereits verkauften Tickets.“ Grundsätzlich habe er Verständnis, wenn ein Verein in Schwierigkeiten gerate. „Aber wenn man zu viele Spieler hat, obwohl man sparen muss, dann verstehe ich das nicht mehr“, sagte Schmäschke. Eine Klage komme für die SG momentan jedoch nicht in Frage

06.02.2016






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