Verein Münchner Sportjournalisten (VMS)

Edgar Fuchs wird 75 – Stiller Brüter aus der Oberpfalz

Edgar Fuchs prägte die Münchner Abendzeitung und diese ihn. Am 21. April begeht der einstige „Macho mit dem spitzen Stift“ seinen 75. Geburtstag.

Von Wolfgang Uhrig

Als er 50 wurde, da brachte die Münchner Abendzeitung eine ganze Seite 3 über ihn, ihren stellvertretenden Chefredakteur. Darüber stand „Keiner schweigt so laut wie unser Mann aus der Oberpfalz.“ Auch Alfred Brehm kam zu Wort, unter der Zeile „Lob des Fuchses“ schrieb der große Tierfreund: „Als Einzelgänger geboren, hasst der Fuchs jegliche Rudel und hält sich meist von einem solchen entfernt.“ Eine Metapher, die auch noch heute für ihn gilt, 25 Jahre danach – für Edgar Fuchs, der am 21. April in Straßlach bei München seinen 75. Geburtstag begeht. 
 
Edgar Fuchs (Foto: VMS), ein stiller Brüter. Wohl niemand, der einst neben ihm in einer Redaktion gearbeitet hat, kann sich daran erinnern, dass er jemals laut geworden ist. Dafür aber knurrend. Etwa wenn er als Textchef bei Bunte einem Kollegen mürrisch das Manuskript über den Tisch zurückschob, in tiefer bairischer Sprache: „Mein Lieber, sog’ amol, mogst mich jetzt verorschen?“ 
 
Fuchsig ließ Edgar die Redakteure spüren, wenn sie nachlässig dachten – oder überhaupt nicht. Wie ein Magnet fand er in jedem Text einen Schwachpunkt. Seine Abendzeitung nannte ihn auf der Sonderseite zum Fünfzigsten „Macho mit dem spitzen Stift“.
 
Kaum ein Redaktionsmitglied aber zog sich ihm gegenüber deshalb beleidigt zurück. Denn alle  wussten nachher – beim Lesen redigierter Texte –, was sie hätten besser machen können. Und wenn gerade Deadline war, dann hat sich Edgar Fuchs einfach hingesetzt, die Tür zum Büro abgeschlossen und den ganzen Text in Windeseile rigoros umgeschrieben.
 
Und hatte daran offensichtlich noch Freude – die Freude an der Sprache. Hier genoss einer die Macht, mit Worten zu spielen, diese zu einem kleinen Kunstwerk in Sätzen zu gestalten. So nebenbei schmückte er ja auch noch durch seinen Text die Autorenzeile des Kollegen.
 
Seine bevorzugte Liebe gehörte dem originellen Gedanken, besonders in Titeln und Überschriften. Ein Fuchs-Klassiker aus der Abendzeitung während der Olympischen Spiele 1972 in München: „Die anderen siegen, wir bleiben heiter.“ Oder in Bunte mit „Das schönste Mauerblümchen“ über die Eiskunstläuferin Kati Witt aus der damaligen DDR.
 
Damals konnte Fuchs freilich noch nicht ahnen, dass er einmal Witts Memoiren schreiben würde, den Bestseller „Meine Jahre zwischen Pflicht und Kür“. Edgar Fuchs als Ghostwriter, so wie in den neunziger Jahren für die Beckenbauer-Biografie „Ich, wie es wirklich war“. Diese stand sogar in der Jahres-Bestsellerliste des Spiegel.
 
Fuchs volontierte bei den Oberpfälzer Nachrichten in Weiden. Über den Lokalsport der Neuen Rhein-Zeitung in Düsseldorf ging es nach München zur Abendzeitung, wo er es bis zum Stellvertreter des Chefredakteurs brachte. Bei Bunte in Offenburg war Fuchs nacheinander Ressortleiter Sport, Textchef und Geschäftsführender Redakteur, am Ende der Karriere in Hamburg bei Gala und Sportbild jeweils Chefredakteur.

Die AZ von damals, das war sein Ding!
 
Viele Aufgaben, aber nur eine Hingabe: zur Abendzeitung, nicht nur Arbeits-, sondern auch Herzensplatz. Von ihm geliebt als Redaktion und Identifikation mit dem Münchnerischen, durch Geist und Witz und Esprit, in einer „kritisch liberalen Straßenverkaufszeitung“ (Redaktionsstatut). Hört man ihm zu, im Rückblick auf seine rund 50 Jahre Journalismus – die AZ von damals, das war sein Ding!
 
Reporter, Ressortleiter, Textchef, Geschäftsführer, Chefredakteur, Ghostwriter – das volle Tablett. Alles doch schon so viele Jahre her und ganz weit weg – für ihn, den Privatier. Endlich kein Ärger mehr über Fehler von anderen! Diese sucht Edgar Fuchs heute nur noch bei sich selbst, im Golfspiel. Dabei hat er doch immerhin Handicap 18. Auch dazu herzlichen Glückwunsch, Edgar!

21.04.2016






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