Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg
Teilnehmer der Diskussion (v.l.n.r.): Ines Geipel (mit Kniebandage), Prof. Dr. Harald Freyberger, Hanns Ostermann, André Keil und Johannes Nedo (Foto: VdSBB)

Jour Fixe des VdSBB – „Nur ein Bruchteil der Dopingopfer artikuliert sich“

Der 56. Jour Fixe des Verbandes der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg war nicht der erste zum Thema Doping. Dennoch brachte die Podiumsdiskussion überraschende Einblicke und neue Aspekte.

Von Ronny Müller

Vor 20 Gästen sprachen am 11. Juli Hanns Ostermann, Vorsitzender des VdSBB, und Vorstandsmitglied Johannes Nedo mit Ines Geipel, Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins, Prof. Dr. Harald Freyberger, Direktor für Psychiatrie und Psychotherapie der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald, sowie Andre Keil, Doping-Experte des NDR.

Alle Gäste bedauerten, dass viele Dopingopfer ihr Schicksal verschweigen. „Nur ein Bruchteil artikuliert sich“, sagte Freyberger, der Opfer betreut. Doch es meldeten sich immer mehr Menschen, die im DDR-Leistungssport nicht nur Opfer von Doping, sondern auch von Gewalt und/oder sexuellem Missbrauch geworden sind. Freyberger: „Es ist für mich die größte Erschütterung, wie viele Menschen ganz jung massive Gewalt oder sexuelle Übergriffe erlebt haben. Dagegen ist die katholische Kirche ein Waisenknabe.“

Aufarbeitung des Dopings in der DDR ein Wettlauf gegen den Kalender
 
Für Forscher und Journalisten ist die Aufarbeitung des Dopings in der DDR ein Wettlauf gegen den Kalender. Keil: „Die Zeit drängt. Viele Akten werden nach 30 Jahren turnusmäßig vernichtet.“ In letzter Zeit seien zahlreiche Dokumente zu Tage gekommen, die die Aufarbeitung erleichtern.

„Die DDR-Athleten sind in den 1980er Jahren knapp daran vorbeigeschrammt, mit Epo konfrontiert zu werden. Das hat mich entsetzt“, so Keil. Der ehemalige Segler plant eine weitere umfangreiche Fernseh-Dokumentation.

Problembewusstsein in Sachen Doping nicht allzu hoch
 
Für bis zu 1000 Dopingopfer ist eine Entschädigung gesetzlich geregelt. Dass das nicht ausreicht, sei klar, meinte Geipel. Sie rechnet mit bis zu 5000 Opfern, die einen Anspruch auf Entschädigung haben. „Wir sind in Sachen Aufarbeitung gerade erst am Anfang.“
 
Ein wichtiger Aspekt des spannenden Abends war die Doping-Prävention. Wie schwierig diese Aufgabe ist, betonte Freyberger. Milliarden seien etwa im Kampf gegen das Rauchen verbrannt worden. Einen nachhaltigen Effekt für junge Sportler sehe er nur darin, dass Zeitzeugen in die Schulen gehen und ihr Schicksal schildern. „Aber diese Offenheit haben wir noch nicht.“ Außerdem sei das Problembewusstsein in Sachen Doping nicht allzu hoch, da selbst viele Gymnasiasten Mittel einnehmen, um ihre schulischen Leistungen zu steigern.

13.07.2016






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