Verein Frankfurter Sportpresse (VFS)
Hans-Joachim Waldbröl? (Foto: VFS)

Zum 65. Geburtstag von Hans-Joachim Waldbröl – „Klarer journalistischer Blick“

Viele Jahre glänzte Hans-Joachim Waldbröl als Sportredakteur der FAZ. Am 18. Juli feiert der frühere Doping-Experte seinen 65. Geburtstag.

Von Jörg Hahn

Rund sieben Jahre ist er nun schon aus dem Geschäft, und manches hat er weit hinter gelassen – so sagt Hans-Joachim Waldbröl, der am 18. Juli 65 Jahre alt wird, dass er froh sei, sich mit der schmuddeligen Doping-Szene nicht mehr selbst journalistisch auseinandersetzen zu müssen. „hjo“ war sein Kürzel, es war zugleich ein Markenzeichen für besonderen Sportjournalismus.

Thomas Bach (Foto: sampics/Augenklick) hat zu seinem durch Krankheit erzwungenen Abschied aus der FAZ-Sportredaktion im Jahr 2009 geschrieben: „Die Olympischen Ringe sind ein wunderbar einfaches Symbol. In fünf Farben stehen sie für weltweite Verbundenheit, für ein weltumspannendes, friedliches Fest der Verständigung. Das versteht jeder, und deshalb sind sie das bekannteste Markenzeichen überhaupt. Wer genauer hinschaut, der sieht, dass diese Ringe zugleich auf sehr komplizierte Weise miteinander verschlungen sind. Wer will – und das zieht so mancher Kritiker vor –, kann das auch ausschließlich negativ auslegen und mit allerlei Verschwörungstheorien ausschmücken. Hans-Joachim Waldbröl dagegen schaute immer ganz genau hin. Wer diesen klaren Blick des journalistischen Gegenübers gleichwohl aushielt, hatte einen überaus kritischen, aber immer fairen und unbestechlichen Gesprächspartner. Ich habe diese Auseinandersetzungen intellektuell und menschlich sehr zu schätzen gelernt, seit wir uns während meiner ersten Schritte in der internationalen Sportpolitik kennenlernten. Denn ein solcher klarer journalistischer Blick ist in diesen immer hektischeren Zeiten selten geworden. Waldbröls Beobachtungen übten zwar durchaus Druck aus, wirkten immer jedoch durch ihre Klarheit und Unparteilichkeit.“

Hajo hat den Beruf des Journalisten damals ganz aufgegeben. Zur aktuellen Lage des deutschen und des internationalen Sports und zur Kaste der Sportfunktionäre würde man in der Tat gerne noch mal Texte von „hjo“. lesen. Er war hochgradig international vernetzt. Die russischen Leichtathleten hatte er schon in den neunziger Jahren im Visier. Und wie wohl Helmut Digel heute bei ihm wegkommen würde? Geschenkt. Im Gespräch kommt man mit ihm natürlich schnell auf frühere und aktuelle Ereignisse und Gestalten aus dem dunklen Teil der (olympischen) Welt, aber genauso schnell ist man bei erfreulicheren Themen, die mit Lebenslust zu tun haben.

Dankenswerterweise hat uns die FAZ oft zusammen rausgeschickt, zu Zeiten, als die digitale Kommunikation (wenn überhaupt) noch in Planung war und Dienstreisen zumindest Stundenweise auch zu Genuss- und Kulturreisen werden durften, oft in Runden mit vielen inspirierenden Kollegen. Er stammt aus Duisburg, Region Niederrhein. Wir haben uns oft und gerne über einen anderen bekannten Mann vom Niederrhein gefreut, den Dichter und Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch. „Der Niederrheiner ist überhaupt zu allem unfähig. Er weiß nix, kann aber alles erklären.“ Das war eine Lieblingsformulierung. Oder: „Wir sind unsere eigenen Philosophen. Und wenn der Rheinländer auf die Frage ‚Wie isset?‘ ‚Gut‘ sagt, dann sagt der Niederrheiner: ‚Wie sollet sein?‘“ Und als Zugabe noch eine Beschreibung à la Hüsch: „Wenn der Niederrheiner mal ausnahmsweise etwas weiß, dann weiß er dat aber auch ganz fest bis an sein Lebensende, bis in alle Ewigkeit. Auch wenn et gar nich stimmt. Un meistens stimmt et nich.“

Im Dokudrama der ARD über den „Fall Dieter Baumann“ wurde der FAZ-Journalist Waldbröl vor über einem Jahrzehnt von August Zirner gespielt. Haben wir uns beim Film und überhaupt beim Fall Baumann nicht auch die ganze Zeit gefragt: „Stimmt et – oder stimmt et nich?“

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Nr. 1 / 2016 der Buschtrommel, dem offiziellen Mitteilungsblatt des Vereins Frankfurter Sportpresse und des Sportclubs im VFS. Das gesamte Magazin kann auf der VFS-Website kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

17.07.2016






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