Verein Münchner Sportjournalisten (VMS)
Markus Hörwick bei der VDS-Hauptversammlung im März 2016 in der Münchner Allianz Arena (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick)

Markus Hörwick zum 60. – Eine Atmosphäre von Menschlichkeit schaffen

Markus Hörwick und der FC Bayern – das war 35 Jahre lang eine feste Verbindung. Nun geht er eigene Wege. Der Rücktritt erfolgte kurz vor dem 60. Geburtstag.

Von Wolfgang Uhrig

Am Ende war er noch einmal ganz PR-Mann, in einer persönlichen Angelegenheit. Weil er ein Ballyhoo um diese News in eigener Sache vermeiden wollte, schlug er dem FC Bayern vor, die vereinbarte Trennung erst in zeitlicher Nähe zum Finale der Fußball-EM zu verkünden. Die Aufmerksamkeit um die Personalie schlug in der Branche trotzdem hohe Wellen.

Bayern ohne Hörwick. Zwei, die zusammengehörten wie Black und Decker, wie Coca und Cola. Seit 35 Jahren. Eine Zeitspanne, in der es drei Päpste gab und vier Bundeskanzler – aber in München nur einen einzigen Pressechef. Und jetzt die Trennung, auf Wunsch Hörwicks. Kurz vor seinem 60. Geburtstag am 14. August. 

„Einige hören mit 65 auf, andere mit 70, ich aber kann mit 60 nochmal meine Neugierde befriedigen, was das Leben abseits von Umkleidekabinen, Mannschaftsaufstellungen und Mixed-Zonen zu bieten hat“, sagt Hörwick zufrieden, „für mich ist das wie ein Geschenk.“ Zuvor hatte es Spekulationen gegeben um die Medienarbeit der Bayern: Wer kommt, wer geht? Am Ende ging der Chef selbst (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick).

Hörwick war nicht nur die Stimme des FC Bayern, er war bei seinem Arbeitsbeginn am 1. Juli 1983 auch der erste Pressesprecher in der Bundesliga. Alle, die nach ihm kamen, haben sich orientiert an ihm, ihrer Nummer 1. Hörwick war ein Trendsetter. Die höchste vieler Anerkennungen: Fachleute der deutschen Wirtschaft kürten ihn 2013 zum „PR-Professional des Jahres“.

Servicemann und verlässlicher Kollege

Hörwick, der als Reporter bei Bild und PR-Mann bei adidas begonnen hatte, bevorzugte das Prinzip einer offensiven Medienpolitik. Wo andere schon mal als „Presseabwehrchef“ bezeichnet werden, sah er sich rund um die Uhr als Servicemann und verlässlicher Kollege. Er musste Stimmen und Stimmungen aus beiden Lagern registrieren, einordnen und wollte jedem gerecht werden.

Diesen sehr schwierigen Spagat hat Hörwick (meistens) gut gemeistert. Arbeit und Auftreten, Fachwissen und Kollegialität waren vorbildlich. Er sagte einmal, es sei der originäre Ursprung von Public Relation, eine Atmosphäre von Menschlichkeit zu schaffen, in der sich alle wohl fühlen. Daran hat er sich stets orientiert.

Was bleibt? Rentner Hörwick mit einer Lebenskarte für Spiele seines FC Bayern? „Die Karte, vielleicht“, sagt er lachend, „so oder so werde ich die Hände nicht in den Schoß legen. Da ist noch viel zu viel Energie.“ Energie für ein Buch, alles aufschreiben: Titel und Tränen aus 35 Jahren, Skandale erlebt, überlebt, verhindert? „Nein“, protestiert Hörwick, „ein Buch verlangt Enthüllendes, am besten Schmutziges, aber ohne mich. Ich trage das als Erinnerung, als Erfahrung – ein Schatz, für den ich dem FC Bayern immer dankbar bin.“

Erfahrung, die er weitergibt. Zuletzt am 18. Juli in der Schweiz, vor Klubs der 1. und 2. Liga. Danke, Markus – und alles Gute zum 60.!

Dieseser Artikel stammt aus der August-Ausgabe des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

14.08.2016






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