Verein Hamburger Sportjournalisten (VHS)
Roland Westphal auf einer seinen Abenteuertouren (Foto: Arved Fuchs Expeditionen)

Zum Tode Roland Westphals – Er wollte nicht missionieren, aber überzeugen

Es gab kaum etwas, was Roland Westphal nicht interessierte. Sein Wissen war immens. Nun ist der Vollblutjournalist im Alter von 70 Jahren gestorben.

Von Wolfgang Golz

Unsere erste gemeinsame journalistische Arbeit liegt weit zurück. In den 1970er Jahren. Der Frauen-Fußball tat erste, zaghafte Schritte. Und es galt einen Report zu erstellen. Roland Westphal entlockte Hamburgs beliebter Volksschauspielerin Heidi Kabel („In Hamburg sagt man tschüß“) den Satz: „Fußball ist auch besser als Hockey, wo die Mädels ständig einen Knüppel zwischen die Beine bekommen.“ Über die Bemerkung konnte er sich köstlich amüsieren.
 
„Rollo“, wie er genannt wurde, liebte den Sport. Er betrieb Sport, unter anderem Fußball, Ski und Tennis. Er studierte Sport, schrieb über Sport, verließ als Journalist aber bald den Sport und wurde Leitender Wissenschafts-Redakteur bei Hörzu. Aber er blieb dem Sport treu. Als die Welt am Sonntag noch in Hamburg erschien, half er jeden Samstag mit filigraner Feder, die Bundesliga aufzubereiten.
 
Der Sport hätte ihn auch beinahe umgebracht. Ein schwerer Skiunfall zerschmetterte seinen rechten Obenschenkel und die Hüfte. Nur durch Zufall wurde er gerettet. Doch er stand wieder auf und bald wieder auf Skiern, um wieder fast jedes Gästerennen zu gewinnen.

Mit 60 zog es ihn als Senior-Student wieder in die Uni
 
Rollo verfügte über ein Sportwissen auf Sportbrockhaus-Niveau. Doch es beschränkte sich nicht auf Sport. Er saugte jede Neuigkeit aus jedem Lebensbereich auf - und verarbeitete sie. Mit 60 zog es ihn als Senior-Student wieder in die Uni. Er hörte nicht nur zu, er verarbeitete den Stoff. Und er fühlte sich sicher genug, Vorträge zu halten. So über sein Herzensthema Klimawandel. Was nicht verwundert, denn er begleitete den Wissenschafts-Abenteurer Arved Fuchs zu Expeditionen ins arktische Eis.
 
In Alaska nahm Rollo am längsten Hundeschlitten-Rennen der Welt teil. Er drehte mit Hans Sielmann Tierfilme in Afrika. Er tauchte mit dem Tiefseeforscher Hans Hass die dunklen Abgründe der Weltmeere. Den Erlebnishöhepunkt stellte für „Rollo“ eine Tauchfahrt zum Wrack der Titanic dar. Er blickte auch nach oben. Rollo, geboren am 30. September 1945 in Hamburg, kannte fast jeden Funkelstein am nächtlichen Himmel mit Namen. Er dozierte schon über Schwarze Löcher, als viele das noch für einen Regietrick von Francis Durbridge hielten.

Er war ein intensiver Diskutant

Er trug sein Wissen so apodiktisch vor, dass es bald hieß: „Rollo weiß alles.“ Was er gerne lächelnd ergänzte: „Rollo weiß auch alles besser.“ Er wollte nicht missionieren, aber überzeugen. Er war ein intensiver Diskutant. Was seine Frau Susanne Kunkel, Kulturredakteurin der WamS, so beschrieb: „Es war nicht immer einfach, aber nie langweilig.“ Zu Hause war es thematisch klar aufgeteilt: „Rollo vertrat die Natur, ich die Kultur, den Rest die Familie“, so Susanne Kunkel.

Gesundheit – kein Thema für ihn. Die hatte man. Dann erwischte ihn die unerbittlichste aller Krebsarten. Das Tragische dabei war, dass ihm auch Sohn Florian, studierter Mediziner, mit seinem Wissen nicht helfen konnte. Am 13. September ist er in seiner Heimatstadt gestorben.

Bis bald, Rollo. Irgendwo.

26.10.2016






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