Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB)
Günter Elbracht (Foto: privat)

Nachruf auf Günter „Elle“ Elbracht – Bis kurz vor Schluss am Puck

Er war ein begeisterter Eishockey-Journalist. Noch wenige Wochen vor seinem Tod war Günter Elbracht bei den Heimspielen der Eisbären Berlin. Am 14. Februar ist „Elle“, wie ihn die Kollegen nannten, im Alter von 82 Jahren verstorben.

Von Manfred Hönel

Bei Motor Rudisleben (heute SV 09 Arnstadt) war der Gymnasiast Günter Elbracht als Läufer, heute Mittelfeldspieler, immer willkommen. Günter Elbracht ist gebürtiger Thüringer. Arnstadt galt seit jeher als bürgerlich geprägt. Da lag es auf der Hand, dass Elbracht als Sohn eines Bankers in bürgerlichen Verhältnissen aufwuchs.

Nach dem Abitur absolvierte er an der Karl-Marx-Universität in Leipzig das Journalistik-Studium und erhielt danach mit 26 Jahren eine Festanstellung in der Sportredaktion der staatlichen DDR-Nachrichtenagentur ADN. Im Lauf der Jahre entwickelte sich der engagierte Sportredakteur zu einem der prägenden DDR-Agentur-Journalisten (Foto Eisbären Berlin: Fotoagentur Kunz/Augenklick).

So berichtete Elbracht, geboren am 22. September 1934, von den Titelkämpfen der damals schon erfolgreichen Kanuten. Bei den Sommerspielen 1972 in München konnte er die Turn-Olympiasiege der heutigen Professorin Karin Büttner-Janz beschreiben. Im Berliner Wellblech-Palast gehörte „Elle“, wie er unter den Kollegen genannt wurde, zu den drei bis vier Journalisten, die dem Berliner Dynamo-Eishockey-Team auch nach der Zwangsauflösung der DDR-Oberliga die Treue hielten.

Für Fußball-Europacupspiele nahm Elbracht ungewöhnliche Fahrten auf sich. Als im Pokal der Pokalsieger 1984/1985 Dynamo Dresden gegen Malmö FF ausgelost wurde, hieß es seitens des ADN und einiger Zeitungs-Chefredakteure: „Ihr könnt von dem Spiel berichten, aber es gibt kein Geld.“ Was also tun?

Damaliger dpa-Chef Günter Deister beschäftigte ihn als freien Eishockey-Journalisten

Vier Fußball-Journalisten setzten sich in einen Wartburg, brummten nach Malmö, verfolgten das Spiel, setzten sich wieder in den Wartburg und tuckerten zurück. „Früh um 7 Uhr waren wir wieder in Berlin, danach schrieben wir unsere Berichte und gingen erst dann erschöpft ins Bett.“ Diese Reise muss Günter Ellbracht unheimlich beeindruckt haben, denn er erzählte immer wieder davon.

In den Wendejahren litt der begeisterte Journalist, denn 1993 wurde er mit 59 Jahren in den Vorruhestand geschickt. Eine Entscheidung, die ihm überhaupt nicht behagte. Also  beschäftigte er sich mehr in seinem Garten und schnupperte Fußballluft beim 1. FC Union Berlin. Elbracht atmete erst wieder auf, als ihn der damalige dpa-Chef Günter Deister als freien Eishockey-Journalisten in der Agentur beschäftigte.

Sauer war Elbracht nur noch einmal, als er seine Rentenabrechnung bekam. „Ich war nie in einer Partei und bekomme Strafrente, weil ich bei einer staatlichen Institution beschäftigt war“, schimpfte er und beruhigte sich erst wieder, als diese Bestimmung zurückgenommen wurde.

Wichtiger Part im Eisbären-Film „Heimspiel – Und Du fühlst den Osten“

Ansonsten lebte Günter Elbracht recht zufrieden mit Ehefrau Karin und den beiden Söhnen Stefan und Christian im Herzen Berlins nahe dem Alex. Das Glück hatte ein Ende, als seine Frau 2002 einem Krebsleiden erlag. Fortan kämpfte sich der Rentner allein durchs Leben, schrieb weiter für die dpa über die Eisbären.

In der preisgekrönten Film-Dokumentation über die Geschichte der Eisbären „Heimspiel – Und Du fühlst den Osten“ trat Elbracht als Kronzeuge auf. Erst nach einer schweren Hüftoperation gab er das Schreiben auf, ging aber trotzdem zu allen Heimspielen der Eisbären. Noch im Januar quälte er sich am Stock in die Halle, um auf einem für ihn reservierten Pressesitz Platz zu nehmen.

Im Februar konnte er sich zu Hause nicht mehr allein helfen. Die letzten drei Wochen vor seinem Tod verbrachte er im Dr. Stephanusstift im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, ganz in der Nähe „seiner“ Eisbären-Arena am Ostbahnhof. Am 14. Februar ist Günter Elbracht 82-jährig verstorben.

24.02.2017






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