Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB)
Deutsch-deutsches La?nderspiel 1974 mit den Mannschaftskapitänen Franz Beckenbauer (l.) und Bernd Bransch (Foto: Fotoagentur Kunz/Augenklick)

Horst Friedemann zum 85. Geburtstag – Das Herz schlägt für den Fußball

Er war Berichterstatter von Fußball-Weltmeisterschaften und begleitete die DDR-Auswahl zu etlichen Spielen. Am 1. September wird der aus dem sächsischen Wyhra stammende Horst Friedemann 85 Jahre alt.

Von Wolfgang Hempel

Es ist ruhig um ihn geworden. In die Stadien geht er nicht mehr. Eine rheumatische Erkrankung fesselt ihn seit längerem an die Wohnung. Dort verfolgt er mit kritischem Blick Tag für Tag per Fernsehen die Sportereignisse, vor allem natürlich im Fußball. Und mit zahlreichen DDR-Auswahlspielern telefoniert der einst prominente DDR-Fußball-Journalist Horst Friedemann noch heute, gratuliert auch zu Geburtstagen – „Dixie“ Dörner, Jürgen Croy‚ Peter Ducke, Joachim Streich, Harald lrmscher oder Otto Fräßdorf – und lässt sich berichten, wie es aktuell um ihre Klubs steht.
 
Zu seinem 85. Geburtstag hat er nun noch einmal seine große Familie und enge Freunde geladen. Sein Herz schlägt noch immer für den Fußball. Drei Jahrzehnte (1960 bis 1990) leitete er die Fußballabteilung im Deutschen Sportecho, in der er ein umfängliches internationales Korrespondentennetz aufgebaut hatte von Malmö über Wien, Rom bis Sofia, von London über Paris, Rotterdam, Warschau bis Moskau (Friedemann-Foto: privat).
 
Er war Berichterstatter von den Fußball-Weltmeisterschaften in Mexiko, Argentinien, Italien und den EM-Endrunden, begleitete die DDR-Auswahl zu den Länderspielen. In 15 Reportage-Büchern über die Fußball-Weltmeisterschaften von Chile 1962 bis zu den EM 1988 in der Bundesrepublik schrieb er als Haupt- und Mitautor an der Chronik des Weltsports. Und im Redaktionssessel als Herausgeber des Buches „Sparwasser und Mauerblümchen” veröffentlichte er 1991 die Geschichte des DDR-Fußballs 1949 bis 1991 im Schatten der DDR-Welterfolge in vielen Einzelsportarten.

Großzu?gigkeit und Großmut zeichneten ihn im Kollegenkreis aus
 
Der am 1. September 1932 im sächsischen Wyhra geborene Friedemann, der als Läufer bei Aktivist Neukirchen das FußbaIl-ABC erlernte und an der Fakultät für Journalistik der damaligen Leipziger Karl-Marx-Universität das Diplom erwarb, begann 1954 in der Berliner Lokalredaktion des Sportecho. Eine seiner ersten Reportagen war über die Berliner Meisterschaften im Nordischen Skisport 1955.
 
Doch wenige Jahre später wurde das Steckenpferd zur Hauptaufgabe, der Alltag gehörte der DDR-Fußball-Oberliga. Horst hatte schnell gelernt, mit Feder und Schreibmaschine umzugehen – der Computer kam ja erst viel später. Er beherrschte die spitze und die warmharzige Feder, die kleine und die große Form. Großzügigkeit und Großmut zeichneten ihn im Kollegenkreis aus, scharfe Kritik, aber auch Toleranz und Achtung der Persönlichkeit im Blatt. Mit Spielern wie Trainern übte er stets ein persönliches Verhältnis.
 
Das übermittelte er auch den früheren Nationalspielern Jürgen Nöldner und Rainer Nachtigall, die in seiner Abteilung geachtete Sportjournalisten wurden. Friedemann arbeitete all die Jahre mit großem Engagement und Leidenschaft, ohne je auf die Uhr zu schauen. Dabei zog er noch seine drei Kinder groß, nachdem seine Ehefrau 1975 verstorben war.

Wir gingen über vier Jahrzehnte einen gemeinsamen Weg, da darf man sich ein Urteil erlauben. Nach der Wiedervereinigung baute er 1990 die Berliner Regionalredaktion des Kicker neu auf und leitete diese bis zum Eintritt ins Rentenalter. Noch einmal ein Neubeginn, der all seine Erfahrung und Wissen verlangte, indem er sich hohen Respekt erwarb.

01.09.2017






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