Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB)

Nachruf auf Joachim „Achim“ Kretzschmar – Am Ende versagte der Lebensmotor

Er war viele Jahre lang fester Bestandteil der Sportredaktion von Radio DDR. Vier Wochen vor seinem 85. Geburtstag ist Joachim „Achim“ Kretzschmar in Berlin verstorben.

Von Werner Arendt

Im Gegensatz zu vielen seiner unmittelbaren Kollegen war Joachim Kretzschmar, den alle nur „Achim“ nannten, kein Quereinsteiger von außerhalb, als er Anfang der 1980er-Jahre zur renommierten Sportredaktion von Radio DDR stieß. Er brachte von DT 64 und dem Berliner Rundfunk schon ein gerüttelt Maß an langjähriger Rundfunk-Erfahrung mit, die ihn in der neuen Umgebung schnell heimisch machte. Ohne lange Anlaufzeit war er gleich mittendrin im Redaktionsgeschehen und erwies sich bald als zuverlässiger Mitarbeiter, guter Freund und zupackender Kollege.
 
Angefangen hatte alles für den gelernten Maschinenschlosser in einem Zwickauer Betriebsfunkstudio. Von dort führte der Weg in die Grünauer Rundfunkschule und nach erfolgreichem Abschluss weiter in die Nalepastraße. In die Arbeit der Sportredaktion brachte Achim seine guten Verbindungen zum ADMV, dem Allgemeinen Deutschen Motorsportverband der DDR, ein (Kretzschmar-Foto: privat).

Regelmäßig war er mit einem ADMV-Report in der populären Samstagvormittag-Sendung „He, he, he – der Sport an der Spree“ präsent. Darüber hinaus begleitete Achim jahrelang die Friedensfahrt als verantwortlicher Redakteur für die umfangreiche Berichterstattung von Radio DDR. Im Februar 1988 gehörte er auch zum Rundfunk-Olympiateam bei den Olympischen Winterspielen in Calgary.
 
Achim besaß übrigens ein begehrenswertes und von den Kollegen geschätztes Dokument, einen Schein der Verkehrspolizei, der ihn berechtigte, im Ostberliner Stadtgebiet sein Auto auch im Parkverbot abzustellen. Glücklicherweise war dieses Papier nicht personengebunden.
 
In der Wendezeit kam dann auch für Joachim Kretzschmar das berufliche Aus. Nachdem die Formulierungsakrobaten den DDR-Rundfunk zur „Einrichtung gemäß Artikel 37 Einigungsvertrag“ erklärt und ihn weisungsgemäß „abgewickelt“ hatten, gehörte Achim Ende 1991 zu den letzten, die im Funkhaus Nalepastraße das Licht ausknipsten.
 
Joachim Kretzschmar verstarb am 8. September 2017, vier Wochen vor seinem 85. Geburtstag, in Berlin.
 
Werner Arendt war viele Jahre Leiter der Sportredaktion von Radio DDR.

13.09.2017






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