Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB)
Gruppenbild: Jubilar Günter „Troni“ Kurtz (r.), Ruth Wolter (l.) und der inzwischen verstorbene Wolfgang „Poldi“ Hartwig (Foto: Regina Hoffmann-Schon)

Günter „Troni“ Kurtz zum 85. Geburtstag – Geschätzter Kollege und Hüter des legendären „Buchs“

Auf Günter „Troni“ Kurtz war immer Verlass. In jeder Beziehung. Am 14. Oktober wird das Urgestein der BZ am Abend 85 Jahre alt.

Von Jürgen Kapsch

Das war er also – mein erster Arbeitstag als Volontär in der Redaktion der BZ am Abend. Und das sogar in der Sportredaktion, meinem Wunschziel als ehemaliger Leistungssportler. Aber keiner hatte so richtig Zeit für mich, an diesem 1. September 1960. Es waren ja Olympische Sommerspiele in Rom. Schreibtisch und Stuhl wurden mir zugewiesen. Mir gegenüber saß ein Kollege, der auch nur ein kurzes „Tag, ich bin Troni“ für mich übrig hatte. Er war damit beschäftigt, eifrig Namen und Zahlen in ein DIN-A4-Heft zu schreiben.

Dieses Heft – „Buch“ wäre vielleicht der bessere Ausdruck –, sollte den anderen Kollegen und mir im Laufe der Zeit noch gute Dienste erweisen. Denn was mir „Troni“ später zeigte, war eine echte Fundgrube. Es war die Statistik-Arbeit vieler Jahre (Kurtz-Foto: privat). Boxturnier für Boxturnier, national und international, waren da aufgelistet. Auch biografische Daten über die besten Aktiven dieser Zeit fehlten nicht. Und man konnte sich darauf verlassen: Was in diesem sagenhaften Heft stand, stimmte. Es gab ja noch kein Internet.

Damit sind schon zwei prägende Eigenschaften von Günter Kurtz, den viele nur als „Troni“ kennen, genannt: Er war gründlich, ließ keine Schluderei durchgehen, weder bei der Recherche noch beim Formulieren. Und er war kollegial, half, wo er konnte.

Internationales Ansehen, vor allem im Amateurboxen

Diese Eigenschaften wurden in der BZA nicht nur von den Mitstreitern im Sport geschätzt. „Troni“, eines der Urgesteine der Ostberliner Abendzeitung, war auch einer der bevorzugten „Gäste“ in der Nachrichtenredaktion für die Sonnabend-Produktion. Um noch einmal auf das „Urgestein“ zurückzukommen: Seit 1952 gehörte er zur BZA-Redaktion, machte auch den Wechsel zum „Berliner Kurier“ mit, bevor er 1991 aus der Redaktion ausschied.

Internationales Ansehen erwarb sich „Troni“ vor allem im Amateurboxen. Als Mitglied und Sekretär der AIPS-Spezialkommission Boxen war sein großes Fachwissen gefragt. Seine Berichte von zahlreichen Welt- und Europameisterschaften der Amateurboxer fanden nicht nur bei den BZA-Lesern großen Anklang.

Als Pressechef des traditionsreichen TSC-Turniers gehörte er quasi zum Inventar. Seinen reichhaltigen Fundus aus dieser Zeit – darunter auch alle Erinnerungswimpel des TSC-Turniers – stellte „Troni“ dem Sportmuseum in Berlin-Marzahn zur Verfügung. Doch auch für den Radsport ließ er sich begeistern. Nicht nur als Journalist, auch als Aktiver – zumindest bei den Journalistenrennen auf der Winterbahn in der Berliner Werner-Seelenbinder-Halle.

Unsere guten Wünsche gehören mit zum Strauß der Geburtstagsblumen

Wenn man auf sein journalistisches Wirken zurückblickt, muss man eigentlich froh sein, dass sein schauspielerisches Talent der ersten Nachkriegsjahre nicht stärker durchbrach. „Troni“ erzählte gerne von seinen „Bühnenerfahrungen“ als Akteur in Kästners „Emil und die Detektive“ im Berliner Admiralspalast. 

In den vergangenen Monaten ist es ruhiger um Günter Kurtz geworden. Gesundheitliche Probleme ließen eine Teilnahme, beispielsweise an den Veranstaltungen des VdSBB, nicht mehr zu. Seinen 85. Geburtstag wird „Troni“ zusammen mit seiner Ehefrau Inge – beide sind seit 57 Jahren verheiratet – und einigen Freunden verbringen. Unsere guten Wünsche gehören mit zum Strauß der Geburtstagsblumen.

14.10.2017






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