Verband Westdeutscher Sportjournalisten (VWS)
Hennes Multhaup (Foto: Hennes Multhaup/WAZ)

Hennes Multhaup zum 75. Geburtstag – Ein Graf an der Linse

Hennes Multhaup ist einer der bekanntesten Fotografen hierzulande. Am 13. Oktober wird der Essener 75 Jahre alt.

Von Franz Josef Colli

Sein Spitzname lautet „Schlücksken“. Wenn es im Restaurant „Pasta & Gamberoni“ in Essen darum geht, noch einen Absacker zu trinken, dann nimmt Hennes Multhaup höchstens noch ein „Schlücksken“, einen kleinen Schluck auf hochdeutsch. Der Autor dieser Zeilen und Hennes kennen sich seit Ende der 1960er-Jahre. Sie arbeiteten in Wesel und Emmerich für die NRZ (Neue Ruhr Zeitung). Abends traf man sich zu einem Bierchen und stieß an: „Auch für dich kommen noch bessere Zeiten“. Und so kam es.

Immer wieder lief man sich später – beruflich und privat – über den Weg. Hennes war, ob bei Olympischen Spielen, ob bei Welt- und Europameisterschaften, immer im wahrsten Sinne des Wortes an vorderster Front mit von der Partie. Für seinen Arbeitgeber, den Springer-Konzern, mehr als 30 Jahre lang auf allen Kontinenten dieser Erde unterwegs. Ein positiv Verrückter eben (Multhaup-Fotos: firo Sportphoto/Augenklick).

Sie kannten und kennen ihn alle, von der Nationalmannschaft über die Bundesliga bis zur Regionalliga, die Stars und die weniger Erfolgreichen. „Hey, warte mal, ich muss noch mal eben mit dir sprechen.“ So fing es oft an. Und es endete tausenfach in Fotos, um die ihn viele beneideten und für die ihn viele bewunderten. „Schade, heute sind die Spieler abgeschottet. Persönlichen Begegnungen sind eher oberflächlich. Das bedauere ich sehr“, sagt Hennes, zwar in Berlin geboren, aber als Ruhrgebietler längst ein Klassiker.

In Essen gehört Hennes Multhaup zum Inventar

Er hat alles mitgemacht, von Jugend an. Sein Vater Willi „Fischken“ Multhaup – dessen Eltern betrieben ein Fischgeschäft in Essen –, war einer der erfolgreichsten deutschen Fußballtrainer, wurde 1965 mit Werder Bremen Deutscher Meister, gewann 1966 mit Borussia Dotmund den Europapokal der Pokalsieger und holte 1968 mit dem 1. FC Köln den DFB-Pokal.

Zu Oberligazeiten trainierte „Fischken“ Vereine wie Rot-Weiss Essen, den VfB Bottrop und Preußen Münster. Alle Stationen der beruflichen Karriere Hennes Multhaups aufzuzählen würde diesen Rahmen sprengen. Einige seien erwähnt. Olympische Spiele 1972. Sidney, Seoul, Sarajewo, Calgary, Los Angeles. Aus der Politik richtete die Multhaup-Linse sich auf Leute wie Willy Brandt, Walter Scheel, Leonid Breschnew, Muammar al-Gaddafi, Hans-Dietrich Genscher und Helmut Schmidt. Studiert hatte er auf der Essener Folkwang-Schule bei Professor Dr. Otto Steinert.  

In Essen gehört Hennes zum Inventar. Der mit vielen Preisen und ungezählen Auszeichnungen bedachte Kumpeltyp wohnt hier mit seiner Ehefrau Gaby in einem schmucken Eigenheim. Die Tochter fliegt seit langem als Stewardess durch die Welt, Sohn Oliver hat sich bei der Funke-Gruppe hochgearbeitet. Sein Bruder Willi, einst Essener Herrenausstatter, lebt längst als Pensionär am Tegernsee.

Ein netter Kerl, der Hennes, dessen Wege sich mit meinen über Jahrzehnte, wenn auch bei unterschiedlichen Verlagshäusern, vielfach kreuzten. Gratulation unserem beliebten „Schlücksken“ zu seinem Ehrentag. Chapeau dem „Grafen an der Linse“!

13.10.2017






« zurück
Magazin sportjournalist
Die aktuelle Ausgabe:
Februar/März 2021

Titelthema

Kommunikations- und Medienforscher Christoph Bertling über den öffentlichen Umgang des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit seinen Krisenherden
Von Maik Rosner

Essay
Wie viel Distanz kann und muss sein?
Von Katrin Freiburghaus

Lokaltermin
Über den Umbau bei Nürnberger Zeitung und Nürnberger Nachrichten
Von Hans Strauß

Weitere Informationen
Regionalvereine