Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB)
Franz Beckenbauer und Bernd Bransch 1974 in Hamburg (Foto: Fotoagentur KUNZ/Augenklick)

Helmut „Fellini“ Gerhardt zum 85. Geburtstag – 40 Jahre auf dem Ü-Wagen und im Studio

Er war ein „Pionier“ des beginnenden Fernseh-Zeitalters und brachte es beim DFF zu großen Erfolgen. Später MDR.arbeitete er für ORB und MDR. Am 22. November wird Helmut „Fellini“ Gerhardt 85 Jahre alt.

Von Stefan Frase

Äußerlich hat er sich nicht groß verändert. Und wenn man ihn am Telefon hat, klingt er auch noch so wie vor 20 Jahren. Helmut Gerhardt ist immer noch der „Fellini“, mit dessen legendärem Regiestuhl-Duplikat wir ihn vor 13 Jahren in den Ruhestand verabschiedet hatten – obwohl er da schon längst Rentner war. Noch mit 71 gab Helmut die Kommandos, saß an den Reglern bei der MDR-Liveübertragung des Fußball-Regionalliga-Spiels Erfurt gegen Elversberg.

Als er sich dann mit seiner Ehefrau Rosemarie (in diesem Sommer feierten die beiden Diamantene Hochzeit) das Leben so richtig schön machen wollte (noch mehr Reisen), erwischte ihn ein schwerer Schlaganfall, der ihn zunächst in den Rollstuhl zwang. Aber dank seiner großen Energie und seines Lebensmuts konnte Helmut diesen bald verlassen und ist heute bis auf eine linksseitige Lähmung wieder der Alte, der die veränderte Sportberichterstattung weiter mit kritischem Interesse verfolgt (Foto: privat). Und er ist stolz auf seinen Sohn Jens, der beim RBB als Regisseur in die großen Fußstapfen seines Vaters getreten ist.

Man müsste viele Seiten füllen, um Helmut Gerhardts langes und erfolgreiches Berufsleben zu beschreiben. Schon mit 19 war er als Sportredakteur bei der Jungen Welt Mitinitiator der DDR-Sportler-Umfrage. Als „Pionier“ des beginnenden Fernseh-Zeitalters entdeckte er als junger Filmemacher seine Liebe zur Bildsprache, wirkte bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio bereits als TV-Regisseur. In Mexiko, München und Montreal war er Leiter der Olympiastudios des DFF, 1980 in Moskau gar Chefregisseur der Intervision, der Vereinigung der osteuropäischen Fernsehanstalten.

Bescheiden und hilfsbereit trotz seines extrovertierten Berufs

Zehnmal wurde Helmut Gerhardt mit dem „Goldenen Lorbeer“, der höchsten DDR-Fernsehauszeichnung, geehrt. Wer ihn, wie ich, erst nach der Wende persönlich kennenlernte, konnte dies alles nur aus Archiven oder den Erzählungen von Kollegen erfahren, denn Helmut war trotz seines extrovertierten Berufs bescheiden, trat wieder ins Glied zurück und half der neu gegründeten Sportredaktion des ORB (Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg) beim Laufenlernen.

Und wenn am Sonntagabend das Sportmagazin „Einwurf“ – oftmals unter seiner Regie – zu Ende war, ging „Helmi“ mit uns Jüngeren und so manchem Studiogast in die für seine Ohren eigentlich viel zu laute Kneipe gegenüber, redete über die Sendung, Gott und die Welt und war wieder der alte, junge „Fellini“.

40 Jahre hat Helmut Gerhardt mit Engagement und vielen Ideen auf dem Ü-Wagen gearbeitet, große Sende-Mannschaften geleitet und den Überblick behalten. Und er war sich auch nicht zu schade, ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Von 1998 an war er in unserem Berufsverband fast zehn Jahre im Vorstand und als geschäftsführender Schatzmeister des VdSBB tätig.

Zu seinem Jubiläum am 22. November, zu dem er viele Freunde, Kolleginnen und Kollegen eigeladen hat, gibt es Gänsebraten, Rotkohl und Klöße. Ein „Fellini“ lässt sich halt nicht lumpen.

22.11.2017






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