Verein Münchner Sportjournalisten (VMS)
Fußball-Weltmeister Deutschland 1990 (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Franz „Muxi“ Muxeneder zum 75. Geburtstag – „Urgestein des Sportjournalismus“

Wohltuende Stimme, volles Timbre – das war der Sound Franz Muxeneders. Am 13. Januar wird der langjährige Hörfunk-Reporter des Bayerischen Rundfunks 75 Jahre alt.

Von Wolfgang Uhrig

Das erste Mal, das vergisst man nie. Es war an einem Samstag, ich war aus Düsseldorf gerade in München zugereist, hörte beim Autowaschen „Heute im Stadion“, den Hörfunk-Klassiker zur Fußball-Bundesliga im Bayerischen Rundfunk. Diese wohltuende Stimme, das volle Timbre, für mich eine neue Klangfarbe nahe dem Originalton Süd: der Sound von Franz Muxeneder. Das war im Sommer 1975 – jetzt wird er 75.

„Der Muxi“, wie ihn alle nur nennen. Zwischen gestern und heute ist aus dieser damaligen Stimme in meinem Kopf längst ein geschätzter Kollege und verlässlicher Freund geworden. Oft genießen wir gemeinsam unseren Feierabend als Rentner. In Gesprächen noch immer drauf hat er dann diesen sonoren, beruhigenden Ton aus früheren Tagen, ganz besonders übrigens auch auf seinem telefonischen Anrufbeantworter.

Muxi ist Franz Muxeneder II., sein Vater ist Franz Muxeneder I., der populäre Schauspieler. In Salzburg geboren, in München aufgewachsen kam er 1963 von der Abendzeitung zum BR (Foto: privat). Dort blieb er 42 Jahre, davon die letzten 15 als Sportchef. Muxi und der BR – das gehörte zusammen wie Black und Decker oder Coca und Cola. Der Sender war sein Leben. Im Winter als wohltuend unaufgeregter Reporter im Skisport. Und im Sommer war Muxi Moderator für Fußball, auch Chef im Hörfunk-Team der ARD beim deutschen WM-Sieg 1990 in Italien.

Seine besondere Zuneigung für die große hat er inzwischen auf eine kleinere Kugel übertragen – den Golfball. Eine Leidenschaft, die ihm gelegentlich Leiden schafft. Etwa dann, wenn nach dem Abschlag die Flugkurve des Balles einen verkehrten Weg nimmt, dann ist sein fuchsiges „Sakra-Kruzifix“ programmiert. Ein leiser Fluch, den man übrigens auch hören kann zu Verspätungen bei Verabredungen: Pünktlichkeit, wie früher im Beruf, die ist ihm heilig, als seien Sendezeiten noch immer drin in ihm.

Muxi redet gern, aber Oberflächlichkeit ist ihm fremd

Der Mensch Muxi hat immer Lust an Gesprächen oder, wie er es wohl nennen würde, am „Ratschen“. Einer wie er braucht keine Online-Freunde, lieber setzt er sich zu Leuten an den Tisch und unterhält sich. Daneben wird es nie langweilig. Muxi redet gern, natürlich fundiert über Sport, aber auch über Gott und die Welt. Oberflächlichkeit aber ist ihm fremd. Ehe er vielleicht mal falsch verstanden werden könnte, schert er lieber aus, senkt leicht den Kopf und sagt: „Na, bittscheen, do konn i jetzt net mitred’n.“

Ansonsten spricht er schon mal gern impulsiv, nicht selten mit einer Prise Ironie. Spottlust ist ihm beileibe nicht fremd, verletzend aber ist er nie! Das würde auch nicht passen zu seinem ausgeprägten Sinn für Fairness gegenüber jedermann. Muxi ist immer geradeaus, als vorzüglicher Kartenspieler reagiert er schnell, zu seinen Markenzeichen gehört ein trockener Humor.

Franz Muxeneder, war über viele Jahre geachtet als zweiter Vorsitzender im Verein Münchner Sportjournalisten. Er wurde ausgezeichnet mit dem „Medienpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten“. Hier steht er in einer Galerie neben Größen wie Harry Valérien oder Ulrich Kaiser. Für die Ehrung aus der Staatskanzlei war Muxeneder „ein Urgestein des Sportjournalismus, ein Synonym für fundierte und seriöse Berichterstattung“.

Bei so viel Weihrauch durch den damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber musste Muxi vor geladenen Gästen nun auch ein paar Dankesworte sagen. Und weil das seinerzeit für ihn, den es sonst überhaupt nicht zum Roten Teppich drängt, wohl ein bewegender Moment war, hatte ich beim Hören seiner kurzen Ansprache noch einmal den Radiosprecher aus den 1970er-Jahren in den Ohren: Diese kräftige, sonore Stimme – sie schien mir jetzt vor lauter Feierlichkeit ein wenig gebrochen.

War ja auch kein Wunder damals, an so einem, für ihn besonderen Tag. Wie jetzt dieser 13. Januar 2018, sein 75. Geburtstag. Dazu ein herzlicher Glückwunsch!

13.01.2018






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