Verband Westdeutscher Sportjournalisten (VWS)
Hohenzollernbrücke und Kölner Dom (Foto: firosportphoto/Augenklick)

Zum Tod von Willi Wolff – Ein Ur-Kölner von Gemüt und Geblüt

Der Verband Westdeutscher Sportjournalisten trauert um Willi Wolff. Die Reporter-Legende der Kölnischen Rundschau starb im Alter von 96 Jahren.

Von Hermann-Josef Weskamp

Ein Stück weit war ich natürlich vorbereitet auf die Nachricht, die mich dennoch traf wie Schlag. Sein Vater sei gestorben, teilte mir Peter Wolff, der Sohn, am Telefon mit. Über Nacht sei er friedlich eingeschlafen im Pflegeheim, wo Willi die letzte Phase seines Lebens verbrachte. „Friedlich“, immerhin – ein bisschen Trost in der Trauer. Willi Wolff wurde 96 Jahre alt. Am 21. November wäre er 97 geworden.

Er war ein Ur-Kölner von Gemüt und Geblüt, der – bei aller Liebe – so manchen Entwicklungen in seiner Vaterstadt distanziert gegenüber stand. Geboren im Arbeiterviertel Ehrenfeld, wohnte er mit seiner Familie ein Leben lang in Braunsfeld an der Aachener Straße, gut einen Kilometer vom Müngersdorfer Stadion entfernt, seiner zweiten Heimat als Schauplatz vieler denkwürdiger Fußballspiele und sonstiger Sport-Großereignisse, über die Willi für die Kölnische Rundschau berichtet hat (Wolff-Foto: Kölnische Rundschau).

Die Leser schätzten ihn. Wegen seiner sachlich-fachlichen Kompetenz, wegen seiner klaren Sprache. Willi wusste, was gespielt wurde. Auf dem Rasen und hinter den Kulissen. Bei ihm erfuhren die Leser schnell und präzise, worum es ging und woran sie waren. Ein Mann, ein Wort. Zweideutigkeiten ließ er sich in jeder Beziehung nicht durchgehen.

In einer Würdigung zum 95. hat Christoph Fischer einen wunderbaren Satz geschrieben, der auch noch den Vorteil besitzt, zutreffend zu sein: „Willi war immer stolz auf seinen Beruf, auch stolz auf sich als Sportredakteur bei der Rundschau und auf seine profunden Zeilen über den Sport in Köln. Das durfte er auch.“ Willi Wolff war zu seiner Zeit in Köln wer.

Ein großer Respekt gegenüber dem Sport und den Menschen

Dem ist allenfalls hinzuzufügen, dass Willi seiner Arbeit und seinem Auftrag gegenüber auch demütig war, was kein Widerspruch ist. Er hatte einen großen Respekt gegenüber dem Sport und seinen gesellschaftlichen Möglichkeiten sowie gegenüber den Menschen, die den Sport betreiben, managen oder emotional begleiten.

Das hinderte ihn nicht daran, sich im Zweifelsfall mit allmächtigen Zeitgenossen wie Franz Kremer, dem Boss des 1. FC Köln, oder Jean Löring, dem unumschränkten Chef bei der Fortuna in der Südstadt, oder der Trainerlegende Hennes Weisweiler anzulegen (Foto: firo sportphoto/Augenklick). Allesamt Gesellen, die der „schreibenden Zunft“ nicht immer grün waren, sobald es einmal eng wurde.
 
In seinem beruflichen Engagement kannte Willi prinzipiell keinen Unterschied zwischen den Allüren der Stars am Ball in den großen Klubs und den Nachrichten aus kleinen Vereinen, die abseits der Schlagzeilen für die Unterhaltung in der sportinteressierten Nachbarschaft des Veedels sorgten. Kein Wunder, dass er bekannt war wie ein bunter Hund.

Bei Vereinen wie dem SC West oder dem traditionsreichen VfL 99 in Weidenpesch war er stets willkommen. Die Amateurboxer in der Domstadt, auch so ein schlagkräftiges Völkchen, das in seiner öffentlichen Darstellung dem unaufhaltsam wachsenden Hype um „König Fußball“ mehr oder weniger zum Opfer gefallen war, fühlten sich Willi stark verbunden.

Er ließ keinen Unterschied zwischen erst- und zweitklassigem Sport gelten

Willi war ein Mann aus der Blei-Zeit. In der Mettage verstand er es, bei Bedarf auch mal selbst Hand anzulegen, wenn es sein musste. Er ließ nichts auf die Arbeit der überwiegend freien Mitarbeiter in den ländlichen Regionen rund um das „Geißbockheim“ kommen.

Und er ließ keinen Unterschied zwischen erst- und zweitklassigem Sport gelten (Foto: privat). Wenn es langsam fünf vor zwölf wurde für den Umbruch des „Bauernsports“, verbat er sich ausdrücklich eine solche in seinen Augen despektierliche Formulierung: „Lokal- oder Umgebungssport – so viel Zeit muss sein.“

Dem Fußball gehörte sein Herz. Bis ihm ein paar Zipperlein zusetzten, war er eine der Stützen der Kölner Presse-Mannschaft. Dann entdeckte er seine Vorliebe für den Tennissport. Seine Lobs waren bei Gegnern und Kollegen auf den Plätzen des TC Lese Grün-Weiss 1927 im Stadtwald gefürchtet.

Ein loyaler, ein zuverlässiger Mann, dessen Kürzel „wiwo“ für Kompetenz stand. Willi ist nicht mehr. Vor Kurzem haben wir uns noch am Telefon unterhalten. Verdamp, das ist doch gar nicht so lang her. Das Gespräch hatte ihm viel abverlangt. Das Gehör machte nicht mehr so recht mit. Ich merkte ihm an, dass ihn der kurze Austausch einiges an Konzentration gekostet hatte. Gleichwohl beendete er das Gespräch mit einer der schönsten kölschen Redensarten: „Mach et jot, liebe Jung“.

Ich nehme die Empfehlung gerne auf und gebe sie zurück: Mach et jot, Willi, liebe Jung.

10.10.2018






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