Verein Münchner Sportjournalisten (VMS)
Saftige Weinreben (Foto: Fotoagentur Bernhard Kunz/Augenklick)

Klaus Müller zum 80. Geburtstag – Gentleman und Weinkenner

Mit 21 war er jüngster Sportchef Deutschlands, später arbeitete er für adidas. Am 6. April wird der weitgereiste Klaus Müller 80 Jahre alt. Der Verein Münchner Sportjournalisten (VMS) gratuliert seinem Mitglied.

Von Herbert Jung

„Ich genieße die Endzeit. Wer weiß, wie lange man das Leben noch genießen kann“, sagte mir Klaus Müller bei einem Telefonat. Der Jubilar klang etwas verschnupft. „Sonst geht es mir aber gut.“ Nebenjobs wie dem Vorsitz der Stiftung Attl, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, hat er aufgegeben. „Ich wollte keine Verantwortung mehr tragen.“

Mit 21 Jahren jüngster Sportchef Deutschlands beim Nürnberger 8-Uhr-Blatt. Leiter der Sportredaktion von Bild München. Leiter Hauptabteilung PR und Corporate PR weltweit bei adidas. Mitglied der Chefredaktion der Super-Zeitung. Und zum Schluss Leiter des Focus-Hauptstadtbüros (Müller-Foto: privat).

Befehlsempfänger war nie das „Ding“ von Klaus Müller. Ich habe „km“ während seiner Zeit bei Bild München (1963 bis 1979) als einen „Sir“ des Journalismus kennengelernt. Er war pünktlich, verlässlich, höflich, immer den Anlässen entsprechend gekleidet und streng. Da flossen schon mal Tränen, wenn ein junger Kollege eine Bildunterschrift viermal schreiben musste. Der Karriere hat es bei keinem geschadet.

Zum Sportjournalismus kam Klaus Müller durch Zufall. Während seines Volontariats bei der Mainzer Allgemeinen starb überraschend der Sportchef des Tochterblatts Wiesbadener Allgemeine. Da beförderte der Chef vom Dienst den Jungspund mit den Worten: „Du verantwortest ab heute den Sport.“

Von dieser Zufallsliebe kam der gebürtige Schmiedeberger (Erzgebirge) lange nicht los. In seinen 15 Springer-Jahren berichtete Klaus Müller von vier Olympischen Spielen und als Bild-Teamchef von den Fußball-Weltmeisterschaften in Deutschland 1974 und Argentinien 1978.

Auch als Sprecher des Hauses adidas, wo er ein weltweites Millionenbudget zu verantworten hatte, besuchte er sechs Olympische Spiele und drei Fußball-Weltmeisterschaften. Nach einem Zerwürfnis mit adidas-Chef Bernhard Tapie kehrte Klaus Müller in den geliebten Journalismus zurück.

Die elf Jahre beim Focus in Berlin waren für ihn „die erfolgreichste und schönste Zeit“ seiner Karriere, 2004 verabschiedete er sich in den Ruhestand. Seither lebt der Weinkenner mit seiner Frau Wilma (seit 59 Jahren verheiratet) im bayerischen Bad Endorf, spielt Golf, sammelt Wasservögel aus Ton und Porzellan.

Der gängigste Wunsch zum Geburtstag lautet: „Gesundheit ist das Wichtigste.“ Nach „Fußball-Philosoph“ Franz Beckenbauer stimmt das nicht. Der sagt: „Die meisten Passagiere auf der Titanic waren gesund. Glück braucht man.“ Und das wünsche ich Dir neben Gesundheit zum 80.

06.04.2019






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