Verein Frankfurter Sportpresse (VFS)
Jubilar Horst Reber (Foto: privat)

Horst Reber wird 75 – Macher mit Organisationstalent

Wir sind Zwillinge. Und dicke Freunde. Seit fast 50 Jahren. Ich war Trauzeuge, als er seine Marlies heiratete. Horst Reber ist sechs Jahre minus elf Tage jünger. Am 2. Juni feiert der umtriebige Frankfurter Reporter und Kolumnist seinen 75. Geburtstag.

Von Hartmut Scherzer

Als Bild-Reporter hatte Horst eigene Schlagzeilen gemacht, als er bei einem Geiseldrama im November 1972 in Trier dem Aufruf der Polizei („Wir brauchen dringend einen Geiselaustausch“) spontan gefolgt war. Er gab sich für eine herzkranke Mutter von fünf Kindern in die „Haft“ zweier Gangster, die das Geschäft der Frau überfallen hatten. Nach neun Stunden endete das Drama unblutig. Horst wurde das Bundesverdienstkreuz verliehen.
 
Er brachte mich bei der Societäts-Druckerei für die vakante Stelle des Sportchefs der Abendpost/Nachtausgabe (AN) ins Gespräch. Geschäftsführer Friedrich Landgraf war ihm ein guter Bekannter, veranlasste nicht nur meine Einstellung, sondern machte auch Horst der Bild abspenstig, als künftigen Gesellschaftsreporter der AN. Alles, was in Frankfurt Rang und Namen hatte, kannte ihn. Und umgekehrt.
 
Ausgefallene Ideen trieben ihn, das langjährige Mitglied im Verein Frankfurter Sportpresse, an. Neben dem Schreiben zeichnen ihn Organisationstalent und Tatkraft aus. So führte er zum Beispiel das „Gespräch am Abend“ der AN ein, eine vierteljährige Talkshow mit Prominenten.
 
Die Sportredaktion hatte unterdessen die „Goldene Karte“ für den „Bundesligaspieler des Jahres“ kreiert. Die Siegerehrung wurde fortan einmal im Jahr die Attraktion des „Horst-Reber-Abends“. Ausnahmslos alle Stars folgten der Einladung der AN ins Hotel Kempinski Gravenbruch. Horst, der Macher, organisierte auch Reisen der Frankfurter Presse-Mannschaft – und dazu die Sponsoren.

Die skurrilste Form der Nachrichten-Übermittlung im prädigitalen Zeitalter
 
Noch so ein origineller Einfall: zwei Wochen Druckerstreik. Keine Zeitung während der Fußball-EM 1984. Feuilleton-Chef Rainer Gefeller war Initiator, Horst Moderator der „Rollenden Redaktion“ und trieb die skurrilste Form der Nachrichten-Übermittlung im prädigitalen Zeitalter voran.
 
Auf der Konstabler Wache und der Fressgass stand tagsüber während der Geschäftszeiten ein roter Doppeldecker, die Werbeabteilung hatte das Vehikel organisiert. Die AN bot die aktuellsten Nachrichten feil wie Obststände Bananen. Nur kostenlos.

„Mir kommen die Jahre in der Verklärung vor wie das Paradies der Presse“
 
Wir treffen uns regelmäßig im Café Wessinger in Neu-Isenburg, reden über die guten alten Zeiten und das digitale Zeitalter der Sozialen Netzwerke, der Twitter-Manie, der Fake News und des damit einhergehenden Medien-Irrsinns.
 
Mit der Gelassenheit des bald 75-Jährigen sagte Horst unlängst: „Mir kommen die Jahre bei der Abendpost/Nachtausgabe in der Verklärung vor wie das Paradies der Presse.“

02.06.2019






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