Verein Frankfurter Sportpresse
Rennen über 10.000 Meter bei der Leichtathletik-WM 2019 in Katar (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Robert Hartmann zum 80. Geburtstag – Mr. Leichtathletik

Kaum ein Journalist hat so tiefgehend über die Leichtathletik berichtet wie Robert Hartmann. Vor allem das Läuferland Kenia hat er immer wieder bereist. Am 26. Januar wird das Mitglied des Vereins Frankfurter Sportpresse 80 Jahre alt.

Es war eine eher sachliche, denn eine emotionale Beziehung unter Kollegen, die man zu Robert Hartmann aufbauen konnte, aber sie war offen und ehrlich – und man hat sich geholfen, wo immer es nötig war. Jahrzehntelang haben wir Robert Hartmann immer wieder bei Leichtathletik-Veranstaltungen und anderen Sportereignissen getroffen. Immer wieder war es wertvoll und spannend, dem Mann, der so viel über die Läufer, Springer und Werfer weiß, zuzuhören.
 
Robert Hartmann, Jahrgang 1940, das heißt, ein Kriegskind zu sein, wird am 26. Januar 80 Jahre alt. Nach einem Schlaganfall hat er zuletzt erfolgreich – auch mit Sport und Bewegung – gegen die Folgen angekämpft. Zuhören musste man stets ganz genau, denn Robert Hartmann sprach und spricht leise. Er zählt nicht zu den Lautsprechern in seinem Metier, gehörte aber zu den großen Berichterstattern über die faszinierende Sportart Leichtathletik, die auch von Dopingskandalen überschattet wurde (Hartmann-Foto: privat).
 
Hartmann ist nie ausgewichen und nahm die für ihn gewiss nicht leichte Berichterstattung über Proben, Befunde, Laboruntersuchungen und Gerichtsverfahren auf sich. Namen muss man eigentlich gar nicht nennen, doch es lohnt sich, wer nicht ohnehin gleich Bescheid weiß, im Internet zu recherchieren: DDR-Sport und Staatsplan Doping, Dressel, Krabbe, Joyner-Kersee, Johnson und so weiter – alles unterschiedliche Vorgänge, aber alle sporthistorisch wichtig und bedeutsam.
 
„Wir haben die goldenen Zeiten des Sports und der Leichtathletik erlebt“, sagt Hartmann heute, ohne irgendetwas unter den Teppich kehren zu wollen. Im Gegenteil. Der frühere Mittelstreckenläufer war nach dem Volontariat bei der Fuldaer Zeitung und Redaktionsjahren bei der Abendpost/Nachtausgabe schon von 1969 an als freier Journalist tätig, mit allen (inhaltlichen) Freiheiten und (finanziellen) Herausforderungen.
 
Er hat in fast allen großen deutschen Zeitungen, im Hörfunk und als Buchautor das Bild von der Leichtathletik entscheidend geprägt (Logo: Verein Frankfurter Sportpresse). Der frühere Europameister über 400 Meter Hürden, Harald Schmid aus Gelnhausen, hat Hartmann einmal als einen Journalisten bezeichnet, „der die Sprache der Sportler versteht. Der es gut rüberbringt, was man als junger Athlet noch nicht so gut formulieren kann.“
 
Hartmann beschäftigte sich weniger mit Rekorden und Bestzeiten. Sein Hauptthema war eher das Innenleben der Athleten, die Frage, was sie antreibt und bewegt. Robert Hartmann hat ein Herz für die Sportler, vor allen Dingen für die Läufer Kenias. Weit mehr als 50 Reisen führten ihn in dieses Land. Mit seinen Geschichten hat er ein intensives Bild der afrikanischen Läufer und ihrer Lebensumstände vermittelt.
 
Genau so viel wie mit Kenia verbindet Hartmann aber auch mit der Heimatstadt Fulda, wo alles einmal begann mit der Leichtathletik – und mit dem Journalismus.
 
vfs

26.01.2020






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