Verein Hamburger Sportjournalisten (VHS)
Marx-Engels-Platz 1984 (Foto: Fotoagentur Kunz/Augenklick)

Karl-Heinz „Charly“ Krause zum 85. Geburtstag – Eine deutsch-deutsche Vita

Wenn Karl-Heinz Krause, den alle, die ihn kennen, nur „Charly“ nennen, aus seinem bewegten Leben als Sportjournalist erzählt, vergeht die Zeit fast wie im Fluge. Seine Vita ist schließlich alles andere als normal, sondern ungemein spannend. Am 3. April wird das Hamburger VDS-Mitglied 85 Jahre alt.

Von Carsten Harms

Geboren in Doberlug-Kirchhain in der Niederlausitz, kam Krause durch einen glücklichen Zufall zum Journalismus. Im Rahmen seiner Lehre als Elektriker und E-Maschinenbauer las ein Lokalreporter der Märkischen Volksstimme seine Berichtshefte, erkannte sein Talent zu formulieren und gewann ihn als Jugendkorrespondent für seine Zeitung.

Nach erfolgreich absolvierter Lehre 1953 landete Krause in Frankfurt/Oder im Wirtschaftsressort der Zeitung Neuer Tag. Zwei Jahre später ging er nach Stalinstadt (heute Eisenhüttenstadt), wo er im „Metallurgischen Zentrum“ sehr bald Chef der Kombinatszeitung wurde, die wöchentlich erschien (Krause-Foto: privat).

In dieser Funktion hatte er auch die Chance, für größere Zeitungen der DDR, wie das Sportecho, die Fußballwoche und die Junge Welt über die ortsansässige, aufstrebende Fußballmannschaft zu berichten. Der erhoffte Sprung in den Sportjournalismus war geschafft.

Später schrieb Krause auch über den Oberligisten Vorwärts Frankfurt/Oder, war an der Entwicklung eines Programmheftes des Vereins beteiligt und gewann für die jeweils eine Seite Regelkunde den späteren FIFA-Schiedsrichter Siegfried Kirschen.

„Ich ahnte nicht, dass ausgerechnet er ein Stasi-IM war und mich beäugte“, erzählte Krause einmal, der sich als „Mann klarer Worte“ bezeichnet. Fortan hatte er einen schweren Stand. Sein Wille, aus der DDR zu fliehen wuchs und wurde im Mai 1980 über Jugoslawien in die Tat umgesetzt. Die B.Z. in Berlin, die Bild in Hamburg und Hannover und schließlich 15 Jahre Hamburger Abendblatt waren „Charly“ Krauses Stationen im Westen bis zu seiner Pensionierung (Logo: Verein Hamburger Sportjournalisten).

Zu den jungen Talenten, denen er in der Harburger Außenredaktion des Abendblatts Tipps gab, gehörte auch Lars Haider, der inzwischen seit fast neun Jahren als Chefredakteur das Abendblatt führt. Dessen Leitartikel liest Krause heute noch ebenso intensiv wie die Berichte über den FC St. Pauli, dem seine Sympathien gelten.

Vor ein paar Jahren erfüllte sich „Charly“ Krause den großen Wunsch, die Stationen seiner Flucht durch das damalige Jugoslawien noch einmal zu besuchen. Inzwischen ist „Charly“ Krause krankheitsbedingt nicht mehr so mobil wie früher. Er lebt seit etlichen Jahren im Ortskern von Jesteburg in der Lüneburger Heide, rund 30 Kilometer südlich von Hamburg gelegen. Über Anrufe von früheren Kollegen und Weggefährten freut er sich sehr.

03.04.2020






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