Verband Westdeutscher Sportjournalisten (VWS)
Manfred Althaus: 18. Juni 1934 bis 1. April 2020 (Foto: NRZ)

Zum Tode von Manfred Althaus – Klar in seinen Entscheidungen

Er war kein Lautsprecher. Niemand, der sich gerne in den Mittelpunkt stellte. Das hatte Manfred Althaus nicht nötig. Er ließ lieber seine sportliche Kompetenz sprechen. Mit 85 Jahren ist das Mitglied des Verbandes Westdeutscher Sportjournalisten verstorben.

Von Andreas Dach

Manfred Althaus arbeitete zuverlässig, akribisch und geräuschlos. Vor allem der Fußball war sein Elixier, sein Antrieb. Da war er zu Hause, und da machte ihm so schnell niemand etwas vor. Was nicht verwundert. Althaus war 33 Jahre lang Vorsitzender des Fußball-Ausschusses des Kreises Duisburg/Mülheim/Dinslaken, war bei Staffelleitern und Vereinen gleichermaßen beliebt.

Sein Verein war der PSV Duisburg 1920, dessen Fußball-Abteilung er über Jahre vorstand. Auch als Schiedsrichter hinterließ der am 18. Juni 1934 geborene Althaus Eindruck. Nicht gestenreich, nicht aufgeblasen – nein, einfach verbindlich und klar in seinen Entscheidungen (Todesanzeige: WAZ).

Schon früh aber wandte er sich dem Sportjournalismus zu. Anfangs nebenberuflich, später dann als Rentner mit noch mehr Zeit, Lust und Fachwissen. Althaus war überall. Auf verstaubten Kreisliga-Plätzen, wie auch in den großen Arenen des Landes. Jahrzehntelang war er ein Teil der NRZ-Sportredaktion in Duisburg, zuständig für die Fußball-Kreisliga und den Handball-Kreis.

Seine Kontakte zu den Vereinen waren legendär. Noch heute staunt man in der Redaktion, wie er es schaffte, am hektischen Sonntagnachmittag innerhalb kurzer Zeit Ergebnisse und Torschützen zu besorgen. Wohlgemerkt: in Zeiten, in denen es kein Internet gab. Auch wenn die Recherche im Netz ihm das Arbeiten später leichter machte: Manfred Althaus – das war wie „Fußball auf Vinyl“. So brachte es die NRZ in ihrem Nachruf liebevoll auf den Punkt.

In den 1970er-Jahren hatte Althaus fürs Radio gearbeitet und Europapokalspiele von Borussia Mönchengladbach kommentiert. Mit Größen wie Jupp Heynckes, Berti Vogts und Günter Netzer war er per du (Logo: Verband Westdeutscher Sportjournalisten).

Auch später tauchte der Fußball-Experte aus Duisburg immer gerne bei großen Spielen auf. Mal in Dortmund beim BVB, mal in Leverkusen bei Bayer. Überall dort, wo er die Begegnungen mit messerscharfem Blick journalistisch sezieren konnte.  

Wenn Manfred Althaus zu Veranstaltungen des VDS und VWS erschien – und das tat er in bemerkenswerter Regelmäßigkeit –, wirkte immer ein wenig einzelgängerisch und war doch mittendrin. Ihm entging nichts. Ausufernde Emotionalität war dabei nie sein Ding. Insofern war es fast schon ein Gänsehautmoment, als ihm bei der Verleihung der Goldenen Ehrennadel des VDS ein Lächeln über das Gesicht huschte.

Manfred Althaus war bescheiden und hat sich seinen Stil bewahrt. Auch in Zeiten, in denen Oberflächlichkeit und Ellenbogenmentalität zunehmend Oberhand gewinnen. Vom Duisburger Stadtteil Duissern bis zum Borussia Park in Mönchengladbach. Am 1. April 2020 ist er im Alter von 85 Jahren verstorben. Ein guter Typ weniger.

13.11.2020






« zurück
Magazin sportjournalist
Die aktuelle Ausgabe:
Oktober/November 2020

Titelthema

Die Monokultur bricht auf: Über den korrekten Umgang mit Minderheiten im Sportjournalismus
Von Christoph Ruf

Interview
mit Andreas von Thien, Sportchef bei RTL: „Sympathisch zu sein reicht nicht“
Von Thomas Nowag

Service
Presseausweis 2021: Jetzt beantragen!

Weitere Informationen
Regionalvereine