Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB)
Sekt und Zigarre (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Burkhart Pohl zum 80. Geburtstag – „Ich beschloss, nicht mehr zu feiern“

Er war selbst ein überaus erfolgreicher Hockeyspieler. Als Reporter berichtete er von vielen Großereignissen. Im Interview erklärt Burkhart Pohl, Mitglied des Verbandes der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg, was er am 23. Februar, an dem er 80 Jahre alt wird, (nicht) machen wird.

VdSBB: Burkhart, wie feierst du diesen besonderen runden Geburtstag?

Burkhart Pohl: Ein 80. Geburtstag wird normalerweise in großem Stil gefeiert, mit 1000 Freunden, Musik, Champagner und Kaviar. So zumindest das Klischee. Bei mir ist alles etwas anders. Und das liegt nicht an Corona. Als Kind wurde noch gefeiert. Da bekam ich an meinem zehnten Geburtstag etwas ganz Tolles: eine große Schale voll mit leckerer Schlagsahne. Ratzfatz war die verschlungen – und mir wurde wenig später so schlecht, dass ich zwei Eimer füllte. Und zwei Jahrzehnte keine Schlagsahne mehr sehen konnte. Musste ich auch nicht, denn ich beschloss, keine Geburtstage mehr zu feiern. Und das tue ich, mit gütigem Einverständnis meiner Frau und meiner Familie, bis heute nicht. Also: Champagner fällt flach, es wird, wenn nichts dazwischenkommt, ein Tag wie jeder andere.

VdSBB: Als aktiver Sportler warst du mit dem Berliner Hockeyclub überaus erfolgreich. Wie bist du Sportjournalist geworden?

Pohl: Sport spielte von Beginn an eine große Rolle. Ja, erst Fußball, dann, wegen Gefahr, O-Beine zu bekommen (sagte zumindest meine Mutter), lag plötzlich ein Hockeyschläger auf dem Weihnachtstisch. Dann eben Hockey. Neben Tischtennis, Badminton, Leichtathletik, Tennis und ein bisschen Fußball sowie Handball im Schulsport. Sport war mein Ein und Alles. Und Hockey, ein Top-Sport, brachte dann die sportliche Erfüllung. Siebenmal Deutscher Meister, einmal als Coach, zahlreiche Spiele im deutschen Nachwuchsbereich – eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Bei so viel Sport wurde die Schule etwas vernachlässigt. Griechisch und Latein gingen noch gerade, Mathe und Chemie gar nicht. Deutsch und Sport waren gut. Und da traf die Frage von Sportjournalist Günter Kummetz, Hockey-Olympiateilnehmer 1936, später Deutschlands Pferdesport-Experte Nummer 1, gerade richtig, ob ich vielleicht Sportreporter werden möchte. Das klappte, der Telegraf bot mir ein Volontariat an, das sogar stark verkürzt wurde. Zehn Jahre blieb ich dort, dann holte mich Günter „Micky“ Weise zur Berliner Morgenpost, bei der ich 33,5 Jahre, davon zehn als Stellvertreter, im Sport arbeitete. Gut, dass es damals keine Alternative gab (Pohl-Foto: privat).

VdSBB: Gibt es einige wenige Ereignisse, an die du besonders gern zurückdenkst?

Pohl: Besondere Ereignisse? Viele. Unvergessen natürlich für ganze Generationen waren die Olympischen Sommerspiele 1972 in München. Der Sport, ich bearbeitete, Amateurboxen, Kanu und natürlich das Hockeyturnier mit dem fantastischen1:0-Finalsieg über Pakistan. Und dann der „Fall Israel“ mit der Trauerfeier. Unvergesslich. Hockey-Weltmeisterschaften, die große Eishockeyzeit des Berliner Schlittschuh-Clubs unter Trainer-Legende Xaver Unsinn, die nicht weniger grandiose Zeit der Alba-Basketballer von Trainer Svetislav Pesic, in der ich den Kovac-Cup-Sieg ebenso mitfeiern konnte wie ich 36 Dienstreisen, unter anderem nach Moskau, Tel Aviv, Madrid, Mailand, Paris und die spanische Extremadura (Caceres) erleben durfte. Und noch beim Telegraf lernte ich an der Seite von Günter Kummetz den damals 15-jährigen Björn Borg beim Rot-Weiß-Jugendturnier kennen. Bei den „Großen“ habe ich über 30 Jahre die Damen-Turniere beim LTTC Rot-Weiß begleitet, alle Spiele von Steffi Graf, Navratilova, Sabatini und Co. gesehen und zu Papier gebracht (Logo: VdSBB).

VdSBB: Redigierst du heute in Gedanken die Texte der Kolleg*innen, wenn du die tägliche Zeitung liest? Oder kannst du inzwischen loslassen?

Pohl: Ich lese täglich mindestens zwei Zeitungen, habe für meine Sportarten Magenta TV. Meistens mit viel Spaß, aber manchmal auch mit Kopfschütteln. Zu oft wird auf Schönheit („Edelfeder“) geachtet, man staunt über fantastische Formulierungen. Doch dann stelle ich mir die Frage: Welches Spiel hat der/die eigentlich gesehen, was wollte der/die eigentlich sagen? Kann natürlich auch sein, dass ich heute einen anderen Blick habe. Schwamm drüber: Es ist eben eine andere Zeit. Es war keineswegs früher alles besser.

Mit Burkhart Pohl sprach Hanns Ostermann, 1. Vorsitzender des Verbandes der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg

23.02.2021






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