Verein Hamburger Sportjournalisten
VHS-Jubilar Walter Johannsen (Foto: privat)

Walter Johannsen zum 75. Geburtstag – Welterfahren und voller Leidenschaft

Rund um die Ostertage seinen Geburtstag zu feiern – das hat es für Walter Johannsen schon häufiger gegeben. Wenn man am 17. April geboren ist, kommt dies eben gelegentlich vor. An diesem Ostersonntag aber ist es ein ganz besonderer Geburtstag, den der langjährige Reporter, Redakteur und Redaktionsleiter in seiner Heimatstadt Hamburg begeht. Er wird 75 Jahre alt.

Von Carsten Harms

„Ich kann mit sehr großer Zufriedenheit auf mein langes und vielseitiges Berufsleben zurückblicken, das mich fast in die ganze Welt geführt hat“, sagt Johannsen. Dabei erweckt er keineswegs den Eindruck, gedanklich im Gestern zu leben.  Vielmehr erfreut er sich inzwischen daran, sich regelmäßig mit seinen zweieinhalb Jahre und acht Monate alten Enkeln zu beschäftigen. „Ich hätte vorher gar nicht gedacht, dass einen das mit so viel Freude erfüllen kann“, gibt er ehrlich zu.

Und doch bietet so ein besonderer Geburtstag natürlich die Gelegenheit, den Werdegang noch einmal Revue passieren zu lassen. Wie so häufig in unserer Branche waren es auch bei Walter Johannsen neben seinen Fähigkeiten gewisse Zufälle und glückliche Fügungen, die ihn schon in jungen Jahren zum NDR-Fernsehen brachten und seine weitere Karriere ermöglichten (Logo: Verein Hamburger Sportjournalisten).

Zunächst ging es als Sohn des erfolgreichen Fußballtrainers Helmuth Johannsen (1967 Deutscher Meister mit Eintracht Braunschweig) von Hamburg nach Kiel und dann nach Braunschweig. „Als mein Vater Trainer bei der Eintracht war, besuchten uns Fritz Klein und Peter Jensen auch ein paarmal zu Hause“, erzählt er von den ersten Kontakten zu den damaligen TV-Reporter-Größen der NDR-Sportredaktion.

Als er später in Hamburg Psychologie und Jura studierte, wohnte er in Lokstedt in der Nachbarschaft des NDR-Areals. Was also lag näher, als mal bei Jensen und Klein vorbeizuschauen. „Am Anfang durfte ich mit ihnen mal zu Spielen gehen, dann wurde ich freier Mitarbeiter für kleine Dienste.

„Ich habe mich sofort in Baden-Baden sehr wohl gefühlt“

So brachte ich von Spielen in Kiel nach der ersten Halbzeit Filme schon mal nach Lokstedt zum Schnitt. Später durfte ich Szenen selbst kommentieren. Es wurde immer ein bisschen mehr“, berichtet er anschaulich seinen Aufstieg. „Gleichzeitig habe ich mein Studium für den Job vernachlässigt“, kann er heute getrost mit einem Lächeln zugeben.

Der erste ganz große Schritt kam schon 1971, also als Walter Johannsen gerade 24 Jahre jung war. Der damalige Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden suchte neue Sportreporter, weil einige Größen wie Rolf Kramer zum ZDF gewechselt waren. „Beim NDR sagten sie mir: Behalte lieber deine Wohnung hier. Aber ich habe mich sofort und all die Jahre in Baden-Baden sehr wohl gefühlt“, berichtet er. Mit ihm fingen damals auch Volker Kottkamp und Hans-Reinhard Scheu beim SWF an.

Im vergangenen Herbst traf sich die „Dreier-Kombo“ vor Ort, um zum 50. Jubiläum „Goldene Hochzeit“ zu feiern. Sportchef war damals Rudi Michel. „Er hat uns sehr viel machen lassen und viele Wege geebnet“, sagt Johannsen. „Der Vorteil beim SWF war, dass wir im Sport Hörfunk und Fernsehen bedient haben. Das war sehr gut, um sich auszuprobieren“ (Foto, von links nach rechts, Volker Drews, Hans-Reinhard Scheu, Walter Johannsen und Volker Kottkamp: privat).

1989 ging es zurück zum NDR nach Hamburg-Lokstedt – als Sport-Redaktionsleiter Fernsehen bis zum 1. Oktober 2012. „Ich habe sehr viel erlebt“, sagt Johannsen und denkt dabei vor allem an die internationalen Großereignisse, die er zunächst als Reporter und Redakteur und später zum Teil als ARD-Teamchef erlebte. „Von 1972 bis 2012 war ich, abgesehen von Moskau 1980, bei allen Olympischen Sommerspielen“, berichtet Johannsen, der auch bei diversen Fußball- und Leichtathletik-Weltmeisterschaften im Einsatz war.

Seine allererste Fußball-WM hatte Walter Johannsen aber noch privat mit seinen Eltern besucht – 1970 in Mexiko. „Wir sind nach Texas geflogen und dann mit einem großen Ami-Schlitten drei Tage lang nach Mexiko gefahren“, erinnert er sich noch lebhaft an die speziellen Erfahrungen in der Gluthitze. „Einmal habe ich mich da auch schon in einen Fernbus gesetzt und Material für die ARD-Kollegen von einem entfernteren Spielort nach Mexiko City gebracht.“

Auch heute genießt es Walter Johannsen, zu reisen und die Welt weiter zu erkunden. Dazu kommt die schon 1986 begonnene, zu Berufszeiten aber lange nur begrenzt ausgelebte Leidenschaft für das Golfen. Über Ostern aber wird erst einmal gefeiert.

17.04.2022






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