sportjournalist-Fragebogen „Ich über mich“
FR-Mann Jan Christian Müller – „Probiere, Distanz zu wahren und die Mächtigen wenigstens manchmal zu nerven“ (Foto: Beves Welt)

FR-Reporter Jan Christian Müller – „Party mit allen Freunden bei uns zu Hause“

Vom Fußball kann Jan Christian Müller nicht genug bekommen. Manchmal zum eigenen Leidwesen. Ansonsten steht er auf eine sehr süße Leckerei.

Jan Christian Müller (52), geboren in Bremen, Abitur an der Deutschen Schule in London, Zivildienst, BWL-Studium in Hamburg und Bremen, Volontariat und ersten fünf Redakteursjahre beim Weser Kurier, ein Jahr Pressesprecher Deutscher Volleyball-Verband, seit 1995 Redakteur bei der Frankfurter Rundschau.

sportjournalist: Was war Ihr Berufswunsch als Kind?

Jan Christian Müller: Fußballprofi, aber nur bei Werder. Hat nicht gereicht.

sj: Ihre Lieblingsfächer in der Schule?

Müller: Im Grunde bloß Sport.

sj: Ihre erste journalistische Aufgabe?

Müller: Landesmeisterschaften im Wasserspringen im Bremer Zentralbad als Praktikant beim Weser Kurier 1985, 52 Zeilen auf mechanischer Schreibmaschine (gab gleich Ärger mit der Landessprungwartin Karin Rampe).

sj: Welchen Beruf haben Vater und Mutter ausgeübt?

Müller: Vater Kapitän auf hoher See, leider viel zu selten zu Hause. Mutter: gelernte Drogistin, dann sehr bald mit unserer Oma für uns drei Kinder da.

sj: Gibt es für Sie in der Sportberichterstattung ein Leitmedium?

Müller: Nö. Mag schon die Bezeichnung Leitmedium nicht.

sj: Wo beziehungsweise von wem haben Sie für den Beruf am meisten gelernt?

Müller: Von Werder Bremen unter Otto Rehhagel, Willi Lemke und Klaus-Dieter Fischer: Wie man bei nicht genehmer Berichterstattung Druck auf kleine, vorlaute Volontäre macht. Dann bei der FR, wie man aufrecht bleibt.

sj: Worüber berichten Sie besonders gern?

Müller: Habe Mini-Mitschuld an der zunehmenden Monothematik Fußball. Probiere aber dabei, Distanz zu wahren und die Mächtigen wenigstens manchmal zu nerven.

sj: Ihre größte sportliche Leistung?

Müller: Überraschender 1:0-Sieg 1989 mit FC Mahndorf beim VfL Wolfsburg. Horst Hrubesch (Foto: firo Sportphoto/Augenklick) musste dort kurz darauf als Trainer gehen.

sj: Welche Begabung hätten Sie gern?

Müller: Früher: besser kicken können. Heute: besser abschalten können.

sj: Ihre persönliche Stärke/Schwäche?

Müller: Kümmere mich gern um Schwächere/kann ein unsensibler Klotz sein.

sj: Haben Sie ein Hobby?

Müller: Fußballspielen, so lange die Beine einen tragen. Hilfreich: diese komischen Stützstutzen.

sj: Was wäre für Sie ein Traumjob?

Müller: Dachte, als ich 1995 erstmals Zugangscode bei der FR hatte: Traum erfüllt. Wurde im November 2012 zum Alptraum während der Insolvenz.

sj: Was (oder wer) motiviert Sie?

Müller: Wenn mal ein Leser einen Artikel gut findet und einem das sogar mitteilt. Oder der Chef(redakteur). Reicht völlig zirka einmal im Jahr.

sj: Haben Sie ein Lieblingslaster?

Müller: Mit den alten Kumpels immer im September nach Malle fliegen und in Cala Radjada im Park auf Sandboden mittags um eins in praller Sonne gemeinsam kicken. Sowie: Nutella.

sj: Auf was wollten Sie nie verzichten?

Müller: Am liebsten nie auf die Eltern, Frau, beide Kids Fabi und Emi und meine beiden jüngeren Brüder Lars und Lutz. Und auf die Freunde.

sj: Haben Sie einmal eine Entscheidung bereut?

Müller: Zweimal.

sj: Wem sind Sie ewig dankbar?

Müller: Was den Job angeht: Heinz Fricke. Der war damals Sportchef beim Weser Kurier und hat mich unkompliziert, wie es seine Art ist, mit in den Laden reingenommen.

sj: Was ist für Sie ein perfekter Tag?

Müller: Party mit allen Freunden bei uns zu Hause.

sj: Woran glauben Sie?

Müller: Dass man im Kleinen immer was tun kann.

sj: Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Müller: So denke ich nicht. Wäre schon okay, wenn man den Job zu Ende machen könnte und danach noch ein bisschen gesund bliebe.

sj: Welche Überschrift würden Sie Ihrem Leben geben?

Müller: Unterzeile reicht. Vielleicht: Hat sich manchmal um Leute gekümmert, die es nötig hatten.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Juli 2016 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen. Wir danken dem Blog Beves Welt für die freundliche Überlassung des großformatigen Müller-Fotos.

19.10.2016






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