ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky im Interview – Teil I
ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky (Foto: NDR)

„Kampf mit anderen Sendern“

Die ARD ist bei den Olympischen Winterspielen nur Sublizenznehmer. Sportkoordinator Axel Balkausky ist dennoch nicht bange. Im ersten Teil des vierteiligen sportjournalist-Interviews erklärt der 55-Jährige, wie hart die Verhandlungen mit Eurosport waren und welche Herausforderungen er für die ARD sieht.

sportjournalist: Axel Balkausky, welches Fazit hoffen Sie nach den Olympischen Winterspielen ziehen zu können?

Axel Balkausky: Erst einmal hoffe ich, dass es friedliche Spiele werden und in dieser kritischen Region nichts passiert. Dann, dass es Spiele ohne große Katastrophen und ohne große Dopingfälle werden. Und schließlich, dass die Zuschauer unsere Angebote so annehmen, wie wir es aus den vergangenen Jahrzehnten bei Olympischen Spielen kennen.

sj: Was stimmt Sie optimistisch?

Balkausky: Ich glaube, dass es uns gelingen wird, all das, was dort passieren wird, mit unserer journalistischen Qualität vernünftig aufzuarbeiten. Wir haben zwar viel Zeit verloren durch die Rechteverhandlungen. Wir mussten viel improvisieren und sehr aufs Tempo drücken, um die Produktion umsetzen zu können (Foto Olympia-Werbung: Fotoagentur Kunz/Augenklick). Aber ich bin inzwischen sehr optimistisch, dass wir das sehr gut hinbekommen werden und unseren journalistischen Standard einhalten können.

sj: Welche Probleme bereitet es, dass Sie mit einer sogenannten Sublizenz arbeiten müssen, also unter ganz anderen Voraussetzungen als bei vorherigen Olympischen Spielen?

Balkausky: Das größte Problem ist die Produktion. Wir müssen damit klarkommen, dass wir nicht an allen Venues Dauerakkreditierungen haben, sondern teils nur Tagesakkreditierungen. Das ist ein deutlicher Unterschied und ein Kampf mit anderen Sendern, den wenigen Platz, der zur Verfügung steht, zu erhalten. Heranzukommen an die Sportler ist dort unser größtes Problem. Zudem müssen wir jetzt alles aufholen, was wir normalerweise mit zwei Jahren Vorlauf vorantreiben. Gleichzeitig können wir mit der programmlichen Einschränkung gut leben. Shorttrack, Snowboard, Eiskunstlauf und die Eishockeyspiele ohne deutsche Beteiligung stehen uns nicht live zur Verfügung, aber in ausführlichen Zusammenfassungen. Das ist bei Olympia nicht ganz so schlimm wie bei anderen Events, weil es parallele Wettbewerbe gibt.

sj: Sie erhalten insgesamt weniger Akkreditierungen. Wie wollen Sie das kompensieren?

Balkausky: Wir werden verstärkt, auch bei künftigen Olympischen Spielen, einen Teil unserer Leute in Deutschland stationieren, wie schon beim Confed Cup und wie wir es auch bei der Fußball-WM in Russland machen werden. Große Teile der Technik und der Mannschaft sitzen im Februar in Leipzig. Das erlauben die technischen Möglichkeiten, mit denen wir einiges auffangen können. Und man muss in Bezug auf die Tagesakkreditierungen auch sagen: Eurosport/Discovery haben sich nach einem langen Kampf am Ende sehr partnerschaftlich verhalten.

sj: Gab es im Laufe der Verhandlungen auch die Überlegung: Wir lassen es?

Balkausky: Es gab einen Zeitpunkt, an dem wir ausgestiegen wären, aber der war noch nicht erreicht. Es war kurz vor knapp, das kann man eindeutig sagen. Es ging am Ende um Tage. Dann wären alle Fristen abgelaufen, und dann hätten wir uns auch von dem Thema komplett zurückgezogen.

sj: Was können Sie in Ihrer neuen Rolle leisten und wie wollen Sie sich von Eurosport/Discovery abheben?

Balkausky: Historisch betrachtet ist es ja nichts Neues, dass Eurosport parallel Olympische Spiele ausstrahlt. Was wir leisten können: Dass wir über die Gesellschaft und politische Situation ganz anders berichten als die Konkurrenz. Hajo Seppelt und sein Team können sich zudem mit den anderen Themen auseinandersetzen. Unser Mehrwert zusätzlich zum Sport ist die gesamte Drumherum-Berichterstattung. Wichtig ist auch zu erwähnen: Die Einschränkungen bei der Liveberichterstattung wird es bei den nächsten drei Olympischen Spielen nicht mehr geben.

Mit Axel Balkausky sprach Maik Rosner. Lesen Sie im zweiten Teil des vierteiligen Interviews, wie der ARD-Sportkoordinator eine IOC-kritische Berichterstattung sicherstellen will und warum er TV-Experten für so wichtig hält.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Dezember 2017/Januar 2018 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

29.01.2018






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