ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky im Interview – Teil III
Axel Balkausky (Foto: ARD)

„Der Fußball muss aufpassen“

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky macht sich Sorgen. Im dritten und vorletzten Teil des vierteiligen sportjournalist-Interviews erklärt der 55-Jährige, warum es ein Fehler ist, dass die Champions League ab der Saison 2018/2019 ausschließlich im Pay-TV zu sehen sein wird und was die Gründe für die Trennung vom langjährigen Fußball-Experten Mehmet Scholl waren.

Im ersten Teil des vierteiligen Interviews mit Axel Balkausky ging es um die Folgen für die ARD durch die Tatsache, dass Eurosport die Olympia-Rechte hält und deshalb weniger Akkreditierungen zur Verfügung stehen. Der zweite Teil widmete sich unter anderem der Thematik, wie die ARD eine IOC-kritische Berichterstattung sicherstellen will und warum TV-Experten für den Sender so wichtig sind.

sportjournalist: Axel Balkausky, mit dem Fußball-Experten Mehmet Scholl kam es auch wegen seines Umgangs mit dem Thema Doping im Rahmen des Confed Cups zum Bruch. Welche Lehren haben Sie daraus für die Zukunft und für die Wahl von Experten gezogen?

Axel Balkausky: Wir haben in Mehmet Scholl neun Jahre lang einen exzellenten Experten gehabt. Er hat polarisiert und viele Erwartungen erfüllt. Das Ende der Beziehung war so nicht absehbar. Es ging auch nicht um die Doping-Debatte. Er war an einem Tag, an dem die U21 und die Confed-Cup-Mannschaft völlig überraschend so erfolgreich waren, der Meinung, man sollte nicht mit dem negativen Thema Doping in die Sendung gehen. Er wollte sich nicht vor dem Thema drücken, das muss man noch einmal klarstellen. Aber die Programmhoheit haben wir, das wird immer so sein (Scholl-Foto: firo sportphoto/Augenklick).

sj: Wie werden Sie seine Position künftig besetzen?

Balkausky: Wir sind dabei, uns in aller Ruhe umzuschauen und zu überlegen, ob wir das Konzept mit nur einem Experten beibehalten oder uns breiter aufstellen. Wir haben festgestellt, dass es für einen einzelnen Experten bei der Vielzahl an Sendungen mühsam werden kann. Die Debatte führen wir noch, auch im Hinblick auf die WM 2018.

sj: Können ehemalige Profisportler überhaupt als glaubwürdige Experten auftreten, da sie ja aus dem System kommen, das sie nun kritisch beleuchten sollen?

Balkausky: Die Frage ist ja: Was ist die Grundaufgabe eines Experten? Die ist erst einmal, das sportliche Ereignis zu analysieren und mit seinem Fachwissen zu erklären. Zugleich muss man fragen: Ist ein ehemaliger Sportler in der Lage, zum Beispiel die Vorgänge bei der FIFA zu analysieren? Man muss jeden Experten zum Thema Doping befragen und darf eine Haltung erwarten. Das tun wir auch.

sj: Laufen die Fragen zum Thema Doping bei ehemaligen Hochleistungssportlern nicht vielleicht sogar ins Leere?

Balkausky: Ich habe dazu von unseren Experten schon sehr gute Antworten bekommen. Ich kann natürlich nicht für jeden Experten die Hand ins Feuer legen, ob er gedopt hat oder nicht. Aber einen Generalverdacht dürfen wir nicht erheben.

sj: Inwieweit sehen Sie gerade im Fußball Nachholbedarf beim kritischen Umgang mit dem Thema Doping, auch im Hinblick auf die WM 2018 in Russland?

Balkausky: Bei uns wird das im kommenden Jahr eine wichtige Rolle spielen, wie auch schon beim Confed Cup. Wir werden uns darum natürlich intensiv kümmern. Aber wie eben investigativer Journalismus funktioniert, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, was wir finden werden und wie die Berichterstattung dann im Detail aussehen wird.

sj: Im Fußball könnten sich bei den Übertragungsrechten bald ähnliche Probleme für die Öffentlich-Rechtlichen ergeben wie bei Olympia. Worauf stellen Sie sich durch die neue Marktlage, durch private Konkurrenten und das Internet, ein?

Balkausky: Einige Dinge haben sich schon drastisch verändert. Die Fußball-Bundesliga ist inzwischen über eine Vielzahl an Medien vermarktet. Es stellt sich die Frage: Ist das der Weg, den die Zuschauer mitgehen? Ein Knackpunkt wird sein, wenn die Champions League 2018 komplett bei zwei Pay-TV-Anbietern verschwindet. Ich halte das für einen Fehler. Dann wird man sehen, ob die Menschen das annehmen. Der Fußball muss aufpassen.

sj: Wie meinen Sie das?

Balkausky: Bei der Sportschau sieht man, dass der Fußball eine gesellschaftliche Relevanz hat. Wenn sich der Fußball komplett abkoppelt, wird es schwierig für ihn, glaube ich. Wir müssen angesichts der Summen, die verhandelt werden, darüber nachdenken, wie viel Exklusivität wir uns leisten können. Wir werden nicht mehr Mittel haben als bisher. Also müssen wir uns überlegen, worauf wir verzichten können und was uns so wichtig ist, dass wir alles versuchen, um die Rechte zu erhalten. Das wird eine Nagelprobe. Dass große Rechte immer noch zu uns wandern, hat nicht nur etwas mit Finanzen zu tun. Sondern auch damit, dass wir nach wie vor so viele Menschen wie niemand sonst erreichen, auch das Internet noch lange nicht.

Mit Axel Balkausky sprach Maik Rosner. Lesen Sie im letzten Teil des vierteiligen Interviews, weshalb die Sportschau bedroht ist und was die Gründe für die Investitionen der ARD in den neuen Uefa-Wettbewerb Nations League sind.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Dezember 2017/Januar 2018 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

18.02.2018






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