Serie „Einsteiger, Aussteiger, Umsteiger“
Celia Sasic (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick)

Umsteigerin Celia Sasic – „Ich sehe mich nicht als Journalistin“

Als Fußballerin war Celia Sasic überaus erfolgreich. Nun versucht sie als TV-Expertin bei Sport 1 durchzustarten. Dem sportjournalist erklärt die 30-Jährige, was sie am neuen Job so reizt.

Celia Sasic sammelte als Spielerin nationale und internationale Titel, war „Europas Fußballerin des Jahres“, absolvierte 111 Länderspiele, wurde zweimal Europameisterin und gewann bei den Olympischen Spielen Bronze. Die 30-Jährige ist Integrationsbotschafterin des DFB und nach Experten-Einsätzen bei Spielen der DFB-Frauen die erste weibliche Expertin beim „Doppelpass“ und „Fantalk“ auf Sport 1.

sportjournalist: Celia Sasic, mögen Sie Bier?

Celia Sasic: Nicht wirklich.

sj: Wie überstehen Sie den „Doppelpass“, wo es zu Beginn schon die erste Runde gibt?

Sasic: Vorneweg, das Bier, das in der Runde ausgeschenkt wird, ist alkoholfrei. Biertrinken war natürlich keine Voraussetzung. Bei meinem Einstand gab es zudem viel Tee und Kaffee (Foto „Doppelpass“-Moderator Thomas Helmer: firo sportphoto/Augenklick).

sj: Der „Doppelpass“ war und ist eine klassische Herrenrunde, wie geht es Ihnen dort als Frau?

Sasic: Ich habe 90 Prozent meiner Jugend in Jungsmannschaften gespielt, bis ich nicht mehr durfte. Deshalb befasse ich mich selten damit, wie viele Männer oder Frauen irgendwo sind. Mir macht die Aufgabe Spaß, weil ich die Abläufe und Gefühlswelten als ehemalige Fußballspielerin kenne.

sj: Betrachten Sie Ihre Expertentätigkeit als Journalismus?

Sasic: Ich sehe mich nicht als Journalistin, sondern als ehemalige Athletin, die einen anderen Einblick geben kann, aber auch selbst neue Einblicke bekommt. Es ist gut, wenn man möglichst viele verschiedene Blickwinkel auf ein Geschehen hat. Dieser Job bringt mich auf dem Weg weiter, Fußball als Gesamtes zu verstehen.

sj: Würden Sie sich wünschen, dass Frauenfußball in bisher männlich dominierten Formaten eine größere Rolle spielte?

Sasic: Ich rate immer davon ab, Frauen- und Männerfußball zu vergleichen oder gleiche Plattformen dafür einzufordern. Frauenfußball hat eine viel jüngere Geschichte. Wir müssen kontinuier kontinuierlich etwas aufbauen und dabei nicht mehrere Schritte überspringen wollen. Man ist gut beraten, jede Etappe und jede Stufe selber zu nehmen – auch wenn das harte Arbeit ist.

sj: Verstehen Sie, dass es für viele Zuschauer etwas Besonderes ist, wenn sich eine Frau als Expertin zur Männer-Bundesliga äußert?

Sasic: Ich sehe mich in dem Moment nicht als Minderheit und gehe da nicht mit dem Gedanken hin, dass ich die einzige Frau bin, die auch noch einen sogenannten „Migrationshintergrund“ hat. Aber ich weiß, dass das Menschen von außen anders beurteilen.

sj: Als Integrationsbotschafterin des DFB ist diese Außenwahrnehmung zentrales Thema. Stört Sie das?

Sasic: Nein, aber es ist für mich extrem schwierig, mich selbst als Beispiel zu nehmen, weil ich hier geboren und aufgewachsen bin. Ich verstehe manchmal nicht, was die Leute erwarten, wenn sie mich fragen, wie ich mich so gut integriert hätte. Ich stelle mir dann vor, was passieren würde, wenn ich das meinen deutschen Nachbarn fragen würde. Denn ich selbst fühle mich nicht komisch. Was es oft komisch macht, ist die Erwartung anderer, dass ich mich komisch fühlen müsste.

sj: Was kann Fußball zum Abbau dieses Gefühls beitragen?

Sasic: In den Teams spielt das keine Rolle, weil Fußball eine eigene Sprache ist. Innerhalb einer Mannschaft müssen die Spieler nicht dieselbe Sprache und Kultur haben. Das sind über 20 Leute, von denen ohne Fußball vielleicht drei was miteinander zu tun hätten, weil sie sonst gar nichts verbindet. Man erlebt dort, dass man trotz unterschiedlicher Ansichten, Interessen und Herkunft auf einer gemeinsamen Basis Erfolg und schöne Erlebnisse haben kann, ohne sich selbst zu verlieren (Foto Ex-Nationalspielern Celia Sasic: firo sportphoto/Augenklick).

sj: Auf den Rängen im Stadion ist diese Botschaft noch nicht überall angekommen.

Sasic: Daran muss man arbeiten. Aber vielleicht können Mannschaften zeigen, dass es funktioniert. Oder ein Turnier, wie es die WM 2006 war, als die Leute fast selber darüber erschrocken sind, wie gastfreundlich wir sein können. Das ist ein Effekt, den wir bei der EM 2024 wieder haben wollen.

Das Interview führte Katrin Freiburghaus

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06.03.2019






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