Serie „Einsteiger, Aussteiger, Umsteiger“
Lars Dobbertin (Foto: privat)

Umsteiger Lars Dobbertin – „Fühle mich auf der anderen Seite sehr wohl“

Viele Jahre war Lars Dobbertin als Reporter tätig. Mittlerweile ist der Hamburger Rechtsanwalt Spielerberater. Auf sportjournalist.de erklärt er, was seinen neuen Job mit dem alten verbindet und wodurch junge Fußballprofis gefährdet sind.

Von 2001 bis 2014 arbeitete Lars Dobbertin bei der Sportbild, zuerst mit dem Schwerpunkt Profi-Boxen, Leichtathletik und Wintersport. Später war er dort für den Hamburger SV und Hannover 96 zuständig. Vor seiner Sportbild-Zeit hatte Dobbertin, Jahrgang 1970 und aufgewachsen in Braunschweig, Jura studiert und danach die Springer-Journalistenschule besucht. Für die Soccer Marketing Group GmbH ist der Hamburger Rechtsanwalt seit 2014 tätig. Zusammen mit SMG-Gründer Stephan Peplies und Ex-Nationalspieler Bernd Schneider berät Dobbertin rund 30 vorwiegend jüngere Fußballer aus den drei Profi-Ligen und dem Nachwuchs sowie zwei Trainer.

sportjournalist: Lars Dobbertin, als junger Journalist haben Sie die Beraterszene in einem Artikel „recht zwielichtig“ genannt. Wie sehen Sie heute die Branche, in der Sie mittlerweile selbst tätig sind?
 
Lars Dobbertin: Es ist ein hart umkämpfter Markt, in den alle möglichen Leute drängen, vielleicht aus einer Art Goldgräberstimmung heraus. Das geht von gut bis böse und von engagiert bis nachlässig, man findet alles. Deshalb kann ich keinesfalls sagen, dass es ausschließlich zwielichtig zugeht.

sj: Wo verorten Sie sich in diesem millionenschweren Kosmos?

Dobbertin: Wir verstehen uns als Begleiter und Berater der Spieler und nicht bloß als Vermittler. Vereinswechsel zu tätigen gehört dazu, ist aber nur einer der vielen Aspekte unserer Arbeit.

sj: Was sind die anderen?
 
Dobbertin: Das Wesen von Beratung ist es, den Spieler auf einen sinnvollen Weg zu lenken. Uns geht es darum, Möglichkeiten, aber auch Gefahren aufzuzeigen.

sj: Das klingt nicht nach dem glamourösen Bling-Bling im Fußball, sondern eher wie pädagogische Basisarbeit.

Dobbertin: Bei einem guten Berater ist es wie mit einem Elternteil oder einem erfahrenen Freund. Der kann auch nicht immer nur dem Spieler nach dem Munde reden oder sonst etwas versprechen. Das wäre ja fast das Gegenteil von Beratung. Im Zusammenspiel von Berater und Mandant ist auch mal Widerspruch nötig.

sj: Schon junge Spieler können im Fußball sehr gut verdienen. Müssen Sie manchen Ihrer Mandanten diesbezüglich auch mal bremsen?

Dobbertin: Geld ist natürlich wichtig, aber das kann nicht das allein ausschlaggebende Argument sein, zu einem Verein zu gehen. Die Gesamtperspektive muss stimmen. Außerdem achten wir extrem darauf, dass Schule oder Ausbildung ernst genommen werden. Die Spieler sollen sich möglichst breit aufstellen, bei manchen bietet sich auch ein Fernstudium an. Wenn man sich ausschließlich auf sein sportliches Talent verlässt, ist die Gefahr des Scheiterns sehr viel höher (Foto Deutsche U21-Nationalspieler: firo sportphoto/Augenklick).

sj: Sie waren anderthalb Jahrzehnte lang hauptberuflich Sportjournalist. Warum der Wechsel in die Spielerberatung?

Dobbertin: Ich wollte seit der neunten Klasse Journalist werden. Dieses Ziel habe ich erreicht. Ich war als Reporter bei vier Olympischen Spielen und diversen Weltmeisterschaften, habe es genossen, Topathleten wie Diego Maradona, Heike Drechsler oder Lennox Lewis zu interviewen. Doch schon im Studium hatte ich im Hinterkopf, beruflich auch mal etwas anderes als Journalismus zu machen.

sj: Was war dann der konkrete Anlass, als Sportjournalist aufzuhören?

Dobbertin: Es gab nicht den einen Grund. Ich wollte mich nie alleine auf Journalismus verlassen und habe deshalb Jura studiert. Es war mir wichtig, das Studium abzuschließen, weil ich dachte, dass man das eines Tages gebrauchen könnte. So ist es dann ja auch gekommen. Zudem hatte sich meine private Lebenssituation verändert, das sprach zusätzlich für den Wechsel.

sj: Was haben Sie im Journalismus gelernt, das Sie auch als Berater anwenden können?

Dobbertin: Ich war viele Jahre lang auf Tuchfühlung mit dem großen Sport und kenne außerdem die Medienbranche sehr gut. Ich weiß, welche Bedürfnisse ein Journalist hat und organisiere deshalb für die Spieler neben dem Juristischen auch deren Medienarbeit (Foto Heike Drechsler: GES-Sportfoto/Augenklick).

sj: Reizt es Sie manchmal noch, wieder als Journalist tätig zu sein?

Dobbertin: Ich bin dankbar für die Zeit bei der Sportbild und für all das, was ich dort lernen und erleben durfte. Das waren absolut prägende Jahre. Der Wechsel war aber gut überlegt, und ich fühle mich heute auf der anderen Seite sehr wohl.

Mit Lars Dobbertin sprach Clemens Gerlach

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11.05.2019






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