Neuseeland-Auswanderer Kai Schwörer im Interview – Teil I
Neuseeland-Auswanderer Kai Schwörer (Foto: Kai Schwörer)

„Ich hatte keine Ahnung“

Es gehörte schon Mut dazu, nach Neuseeland auszuwandern. Im ersten Teil des Interviews aus der sportjournalist-Reihe „Einsteiger, Aussteiger, Umsteiger“ erzählt der freie Fotograf Kai Schwörer, der dem Verband Westdeutscher Sportjournalisten angehört, über zweite Versuche, große Sehnsucht und wahnsinnige Schönheit.

Kai Schwörer, Jahrgang 1982, studierte Geschichte und Politik und arbeitete beim Reviersport, ehe er sich als Fotograf selbständig machte. Er fotografierte bei Olympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften und wurde mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet. 2015 wanderte das Mitglied des Verbandes Westdeutscher Sportjournalisten nach Neuseeland aus und landete im vergangenen Jahr auf der Shortlist für das „Cricket-Foto des Jahres“. Nach einem harten Lockdown hat der Ozeanien-Staat die Coronavirus-Pandemie weitgehend in den Griff bekommen.

sportjournalist: Herr Schwörer, wenn wie jetzt in Europa Winter ist, dann ist bei Ihnen Sommer. Befällt Sie manchmal das Gefühl, die Monatsnamen passten nicht zur Jahreszeit?

Schwörer: Es ist schon komisch. Meine Kinder sind in Neuseeland geboren – die finden das ganz normal. Am seltsamsten ist es aber um die Weihnachtszeit. Nicht, dass es unangenehm wäre, zu Weihnachten am Strand zu grillen. Aber das klassische Weihnachtsfest mit Schneematsch und Kerzen ist vielleicht eine der wenigen Sachen, die uns an Deutschland wirklich fehlt. Mit Freunden aus Großbritannien und Amerika feiern wir „Wintermas“, also eine Art zweites Weihnachten im Winter, weil wir Erwachsenen das eben so kennen.

sj: Sonst vermissen Sie nichts?

Schwörer: Neuseeland ist wahnsinnig schön. Irgendwann ertappt man sich dabei, wie man sich daran gewöhnt, aber ich weiß durchaus, dass ich großes Glück habe, hier zu sein. Wir wohnen 200 Meter vom Wasser entfernt, und ich kann mit dem Mountainbike auf die Hausberge. Wir wollen hier so schnell auch nicht wieder weg. Aber natürlich war es ein Wagnis, in Deutschland alle Zelte abzubrechen – und beruflich ein kompletter Neuanfang.

sj: Was hat Sie bewogen, 2015 nicht erst mal Urlaub zu machen, sondern gleich komplett auszuwandern?

Schwörer: Es war ja der zweite Anlauf. Ich wollte eigentlich schon 2009 auswandern. Ich war jung, ungebunden. Beim Reviersport hatte ich einen guten Job, aber der war auch nicht alles. Ich wollte die Welt sehen. Und dann fiel die Wahl nach dem Ausschlussverfahren relativ schnell auf Neuseeland.

sj: Was kam dazwischen?

Schwörer: Meine Frau (lacht). Ich habe nach zwei Wochen meine Frau kennengelernt. Sie kommt auch aus Deutschland und war damals dreieinhalb Monate in Neuseeland auf Urlaub. Es endete damit, dass ich nur ein halbes Jahr geblieben und dann zurück nach Essen gegangen bin. Dort habe ich zunächst mal mein altes Leben zurückbekommen und meinen Job beim Reviersport wieder angetreten (Landschaftsfoto: Kai Schwörer).

sj: Aus dieser Zeit sind von Ihnen keine Fotos zu finden.

Schwörer: Ich habe damals auch nur geschrieben. Und ich hieß Kai Griepenkerl, Schwörer heiße ich erst seit 2013. Erst, als ich aus Neuseeland zurückgekommen bin, habe ich angefangen, zunehmend auch Fotos zu machen. Ich hatte eine Serie – „Mein erster Platz“ –, für die ich prominente Fußballer auf ihrem ersten Fußballplatz abgelichtet habe. Dabei ging es aber hauptsächlich um die zugehörigen Interviews. Die Fotos waren überhaupt nicht gut, aber es hatte sie halt kein anderer. Das führte dazu, dass mich irgendwann eine Fotoagentur angesprochen hat.

sj: Sie haben also gar keine Fotografenausbildung oder sich großartig beworben?

Schwörer: Nein. Der erste Kontakt ist aus diesem Projekt entstanden, und dann habe ich eine Handvoll Termine wahrgenommen und die Chance bekommen, von anderen zu lernen. Ich hatte eine gewisse Begeisterung, aber keine Ahnung.

Mit Kai Schwörer sprach Katrin Freiburghaus. Lesen Sie im zweiten und letzten Teil des Interviews mit Kai Schwörer, wie er ein Erdbeben samt Tsunami-Gefahr überstand und worauf er sich beruflich gerade spezialisiert.

Dieses Interview stammt aus dem sportjournalist und erscheint online in zwei Teilen. Hier geht es zur Bestellung von sj-Jahresabonnement und Einzelheften beim Meyer & Meyer Verlag. Mitglieder des VDS erhalten den alle zwei Monate erscheinenden sportjournalist automatisch per Post und können sich das Heft zudem im Mitgliederbereich kostenlos als PDF herunterladen. Dies gilt auch für ältere Ausgaben.

28.01.2021






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