Olympia-Kolumne „Neues vom Giganten“

Stinkendes Idyll

Rio de Janeiros Guanabara-Bucht ist wunderschön. Leider gibt es in der Gastgeberstadt der Olympischen Sommerspiele 2016 erhebliche Probleme mit Abfällen im Wasser.

Von Heiner Gerhardts

Im Anflug auf Rio de Janeiro ist der „Samba do Avião“ ein Muss. „Água brilhando“, das glänzende Wasser, komponierte einst Antônio CarlosTom“ Jobim ergriffen von Heimweh, und sang vom Cristo Redentor mit offenen Armen über der Guanabara-Bucht.

Ob Carioca, also Rio-Bewohner wie der illustre Exponent brasilianischer Musik, oder erwartungsfroher Besucher, ob aus luftiger Höhe oder Bootsperspektive - die Baía da Guanabara bietet den ultimativen Blick auf das Postkartenidyll der Olympiastadt 2016.

Die Bucht in Gardasee-Größe, die von Spitze zu Spitze 131 Kilometer umfasst, inspirierte schon die Ureinwohner zum poetischen Namen „Busen, aus dem das Meer entspringt“. Wie würden die indigenen Völker aber heute die mancherorts zum Himmel stinkende Kloake nennen?

Rund 18.000 Liter Haushalts- und Industrieabwässer pro Sekunde, die Hälfte davon ungeklärt, sowie Tonnen von Unrat strömen über 55 Zuflüsse aus 16 Anrainergemeinden in die Bucht, die sich kurz vor dem Eintritt ins offene Meer auf 1600 Meter verengt.

Ist die riesige Baía de Guanabara deshalb ein unwürdiger Ort für olympisches Segeln und Surfen? Weniger wegen gesundheitsschädigender Bakterien, die im zentralen Kanal, wo die olympischen Regatten stattfinden, von der Meeresströmung herausgespült werden. Eher wegen Treibguts, das Boote und Bretter auf der Fahrt zu Edelmetall beschädigen könnte.

Auf jeden Fall bleibt „Guanabara“ Dauerthema der nächsten Monate. Was den Cariocas nur recht ist, wenn dadurch die „Entmüllung“ nach den Spielen weitergeht. Damit die Bucht nicht nur vom Flugzeug herab gesehen idyllisch wirkt.

30.11.2015






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