Olympia-Kolumne „Neues vom Giganten“

International hörbarer Aufschrei

In der Olympia-Stadt Rio de Janeiro sollen Einwohner Bauprojekten weichen. Doch inzwischen rührt sich Widerstand gegen die Pläne.

Von Heiner Gerhardts

Eingekeilt vom Parque Olímpico, von der Lagoa de Jacarepaguá und zwei viel befahrenen Avenidas prangt der olympische Schandfleck. Allein optisch, weil das städtische Räumkommando Rio de Janeiros aus dem einstigen Fischerdörfchen Vila Autodrómo, gewachsen zu einer friedlichen Favela, längst einen unwirtlichen Ort voll Schutthaufen und Hausruinen gemacht hat.

Aber auch symbolisch, weil zwischen all den Trümmern noch Menschen leben, die ihr Wohnrecht urkundlich verbrieft haben, wovon die Stadtregierung allerdings anscheinend nichts wissen will. Ein international prämiertes Urbanisierungsprojekt wurde nie in die Tat umgesetzt. Ein Großteil der Häuser muss weg, weil es angeblich für Zufahrten zum riesigen Olympiapark im Stadtteil Barra da Tijuca keinen anderen Weg gibt.

Rund 100 von einst weit über 500 Familien ließen sich nicht von Abfindungen oder einer Bleibe in einer Neubausiedlung weglocken, leisten wie das berühmte gallische Dorf aus den Asterix-Erzählungen den Eindringlingen Widerstand – auf juristischen Wegen, mit öffentlichen Aktionen, in der eigens eingerichteten Facebook-Gemeinschaft, mit geschicktem Medienrummel.

Bis der letzte seine sieben Sachen packt und von dannen zieht – wohl unabwendbares Schicksal –, wird es noch ein paar Schlagzeilen und dramatische Bilder geben. Wie vom Museu do Indio am Maracanã-Stadion, als dort vor der WM eine Handvoll Ureinwohner aus ähnlichen Gründen renitent wurde. Der Aufschrei war international hörbar. Aber: Kümmert das heute noch jemanden?

07.12.2015






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