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Screenshot: BR

Daher stammt die Liga!

Der Bayerische Rundfunk hat ein schönes Datentool gebastelt. Der User erfährt spielerisch, wie international und regional zugleich die Fußball-Bundesliga ist.

Von Clemens Gerlach

Das Zitat ist weltberühmt, die Herkunft leider nicht geklärt. „Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.“ Angeblich stammt dieser Ausspruch vom früheren britischen Premierminister Winston Churchill. Kann aber auch ganz anders sein, es gibt wilde Spekulationen. Ist in diesem Zusammenhang aber auch irrelevant. Denn das Zitat hat auch ohne klar belegte Zuschreibung eine unglaubliche Dynamik entwickelt, vielleicht sogar gerade deshalb. Der Ausspruch steht für das Misstrauen, Zahlen gegenüber. Es steht für Manipulierbarkeit. Manch Verschwörungstheorie basiert sogar auf scheinbaren Fakten. Klarheit? Keine Spur!

Das weit verbreitete Unbehagen mag auch einer der Gründe sein, warum der Datenjournalismus zwar viel diskutiert wird, insgesamt aber noch keine so große Wirkung erzielt hat. Zumindest nicht hierzulande. Es gibt aber noch eine weitere mögliche Erklärung, weshalb Big Data noch nicht wirklich das große Ding im Journalismus sind. Das Erfassen und Auswerten der Daten ist extrem aufwändig, weshalb viele Redaktionen gleich die Finger davon lassen.

Umso schöner ist es dann, wenn es ein gelungenes Beispiel aus dem Bereich Datenjournalismus gibt. Und selbst Dauerkritiker des öffentlich-rechtlichen Systems werden einräumen müssen, dass der Bayerische Rundfunk seine Einnahmen aus der Haushaltsabgabe mit „Heimvorteil – Woher stammt die Liga?“ sehr gut angelegt hat. Am Projekt sind BR Data und die Sportredaktion des BR beteiligt. Der Untertitel lautet: „Zwischen Globalisierung und Heimatgefühl: Was die Geburtsorte der Spieler über die Fußball-Bundesliga verraten“. Eine ganze Menge, das lässt sich sagen.

Klicken Sie rein, es macht Spaß und bringt Sie weiter!

Es gibt so viele Möglichkeiten für den User, selbst per Mausklick tätig zu werden, um zu erfahren, welcher Klub beispielsweise die meisten aus Ostasien stammenden Spieler im Kader hat und welcher die wenigsten im Umkreis von 50 Kilometern um die Heimspielstätte. Hier soll es auch nicht verraten werden, sonst haben Sie ja keinen Anreiz mehr, sich die Site des BR genauer anzuschauen, was sehr schade wäre (für beide).

Mir gefällt an diesem Projekt vor allem, dass es gelungen ist, die Fakten so herunter zu brechen, dass es am Ende tatsächlich einen konkreten Nutzen gibt und es nicht einfach nur angeberische Datenhuberei ist. Es ist klar zu sehen, vielleicht sogar zu spüren, dass die Fußball-Bundesliga auf der einen Seite wirklich eine internationale Angelegenheit ist, die aber auf der anderen Seite eine sehr starke Verwurzelung im Regionalen hat. Gut gemacht, Kollegen, gerne mehr davon!

Daher sei auch der lokalpatriotische Spin mit der „Bayerischen Nationalmannschaft“ verziehen. Ich kann den Sinn dieser Spielerei („Und jetzt dürfen Sie entscheiden. Wer sind die besten Spieler Bayerns? Wie sähe eine bayerische Nationalelf aus?“) nicht erkennen. Aber ich bin ja auch ein Nordlicht und werde deshalb vermutlich nie verstehen können, was hinter der „Mia san mia“-Mentalität steckt. Bi uns mokt wi dat anners.

10.12.2015






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