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Wayback Machine: Auf den Spuren des WWW (Screenshot: VDS)

Schwelgen, Gruseln und noch mehr

Die digitale Welt ist pure Veränderung. Vielen geht es zu schnell. Kleiner Trost: Es gibt im Netz auch ruhige Plätzchen – die des kollektiven Erinnerns.

Von Clemens Gerlach

Das Internet vergisst nichts. Nun ja, zumindest hat es ein sehr gutes Gedächtnis. Eine unbedacht getätigte Äußerung, ein Schnappschuss aus einer Laune heraus oder etwas anderes, was einem (später) peinlich ist – in diesen Momenten wünscht man sich schon, dass es etwas gäbe wie digitale Amnesie. Es ist ein ganzer Geschäftszweig entstanden, der mehr denn je gutes Geld damit macht, die virtuellen Spuren seiner Kunden zu entfernen oder wenigstens zu verwischen. Auf der anderen Seite gibt es inzwischen so viele Daten und Infos, dass man zuweilen das Internet vergisst oder auf jeden Fall Schwierigkeiten hat, sich daran zu erinnern, wie alles im WWW angefangen hat.

Weißt du noch, wie diese Seite ganz ursprünglich aussah? Ehrlich gesagt: Nee, habe ich total vergessen, ist mir auch irgendwie egal, ich lebe im Hier und Jetzt und das ist Aufgabe oder Erfüllung genug. Aber dann erwacht doch wieder die Neugier oder die Lust am nostalgischen Schwelgen. Archivseiten wie die Wayback-Machine oder Oldweb-Today helfen einem in diesen Fällen wieder auf die Sprünge.

Und damit hier nicht irgendwelche Web-Ureinwohner anfangen, Digitaldöntjes zu erzählen, also Zeugs, das vor allem toll klingt, aber eigentlich aufgeblasener Unfug ist, sei gesagt: Die Anfänge des Internets waren vor allem Anfänge. Die Seiten sahen nach heutigen Maßstäben gruselig aus. Winzige Fotos, merkwürdige Styles und andere webdesignerische Grausamkeiten. Im Prinzip ist es wie beim Betrachten alter Fotos. Aha, so eine Frisur hatte ich also einmal. Ich weiß, wovon ich rede, ich besaß tatsächlich einmal volles Haupthaar, auch wenn manche das bezweifeln (sehr altes Autoren-Foto: privat).

Auch der Bekleidungsstil war früher ein anderer. Und deshalb ist es gut, dass es in puncto kollektivem Web-Gedächtnis solche Archivseiten gibt, weil sie Mahnung und Hort der Freude zugleich sind. Probieren Sie es einfach einmal aus. Rauf auf die (englisch-sprachige) Seite, gewünschte Domain eingeben und nach etwas Warten wird angezeigt, von welchen Zeitpunkten es Ansichten der jeweiligen Seite gibt. Dann anklicken und staunen oder sich freuen oder weinen oder alles gleichzeitig. Damit die „Wayback-Machine“ vernünftig arbeiten kann, braucht sie etwas Treibstoff. Wer mag, kann für die Non-Profit-Seite spenden.

30.01.2016






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