Olympia-Kolumne „Neues vom Giganten“
Sandige Angelegenheit: Strandfußballer in Rio de Janeiro (Foto: Kunz-Sportfoto/Augenklick)

Rio rund um die Uhr aktiv

Olympia-Gastgeber Rio de Janeiro ist nicht nur im Jahr der Sommerspiele eine sportliche Stadt. Hier sind alle ständig in Bewegung – und sei es nur als Zuschauer am Strand.

Von Heiner Gerhardts

Verão no Rio, Hochsommer in der Olympiastadt: Das Quecksilber dehnt sich gen 40 Grad Celsius aus. Doch die Cariocas sind in Bewegung, laufen, spielen, schwimmen, springen, schwitzen unter der Sonne. „Wer in Rio keinen Sport betreibt, sollte einen Psychoanalytiker aufsuchen“, riet Schriftsteller Millôr Fernandes, der das Leben unter dem Zuckerhut rund 70 Schaffensjahre stets neugierig begleitete.

Ob den Strand entlang, den Berghang hinauf oder hinein in den Wald - die Arena Carioca ist viel größer als die drei hintereinander geschachtelten, gleichnamigen Sporthallen im Olympiapark Barra da Tijuca. Die Sportstadt ist 24 Stunden aktiv. Denn wenn die Sonne sich von dannen macht, tauchen Flutlichter den Meeressaum in helles Licht, zieht es die Fitnessjünger in die Academias.

Aber im Sandtheater ist „Fit for Fun“ eher „Fit for Show“. Die „Girls from Ipanema“ räkeln sich auf Tüchern, Herkulesmänner zeigen sich lieber im Stehen - gebräunt und muskulös. Der Körperkult ist jedoch überraschend tolerant. Dehnungsstreifen, Orangenhaut oder Bauchansätze: Wer die Kilos zu viel nicht leugnen kann, findet am Strand viele „Gleichgesinnte“. Schließlich sind alle aktiv, selbst wenn nur die Augen auf Blickfang sind.

Und diese erspähen nicht nur olympische Sportarten. Beim Frescobol, der beliebten Strandtennisvariante, geht es darum, dem Mitspieler das Leben zu erleichtern, statt dessen Schwächen auszunutzen. Wie nebenan beim Altinho, dem Hochhalten des Fußballs in großer Gruppe, oft mit artistischen Einlagen. Der Erfolg steht im Plural, die Carioca-Variante des „Citius, Altius, Fortius“.

19.03.2016






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