Kolumne „Einwurf“
DFB-Interimspräsident Dr. Rainer Koch: Unter Beobachtung (Foto: GES-Sportfoto/Augenklick)

„Umgang mit dem Skandal ist der eigentliche Skandal“

Die Fußball-WM 2006 galt lange als Sommermärchen. Inzwischen sieht dies anders aus, ganz anders. Der DFB verspricht Aufklärung. Wir sind gespannt.

Von Wolfgang Uhrig

Was kommt noch alles raus zum Skandal um die Fußball-WM 2006? Für Anfang März wurde das Ergebnis von Untersuchungen durch DFB-Interimspräsident Dr. Rainer Koch angekündigt. Dazu Koch in einer Rede in Vaterstetten, nahe seiner Heimat Poing: Der WM-Zuschlag sei erfolgt „in einer Zeit, wo es einfach nicht möglich war, eine WM auf sportlich fairem Weg“ zu bekommen, „in einer Zeit, wo die FIFA ganz sicher in weiten Teilen korrupt war“. Und wie selbstanklagend der Hinweis, der DFB habe „sehr, sehr viel getan“ – Notizen aus der Provinz, die sehr, sehr tief blicken lassen.

Als Koch dann über eine Nachrichtenagentur in Zeitungen zitiert wurde, war er wohl doch erschrocken über sich selbst. Jedenfalls rief er danach in einer Redaktion an, wo er dann im Gespräch etwas zerknirscht anmerkte, dass er genaue Formulierungen gerade nicht mehr im Kopf habe.

Interessant sind auch Sätze in der Schweiz am Sonntag von Kai Diekmann. Was er nach 15 Jahren als Bild-Chefredakteur „heute nicht mehr so machen würde“, lautete dort die Frage. Worauf Diekmann sagte, er hätte sich „rund um die FIFA, den DFB und die WM 2006 gewünscht, dass wir in unseren Kommentaren von Anfang an kritischer gewesen wären“.

„Konnten uns die Schwarzen-Kassen-Vorwürfe anfangs nicht vorstellen“

Das mag sein Ressort Sport treffen. Mit Alfred Draxler, der als Beckenbauer-Fan jenseits von jedem war. „Natürlich fühlten wir uns Beckenbauer, der für Bild seit 32 Jahren als Kolumnist arbeitet, verbunden und konnten uns die Schwarzen-Kassen-Vorwürfe anfangs schlicht nicht vorstellen“, sagte Diekmann. Geht es eigentlich weiter mit der „Kaiser-Kolumne“ in Bild? Diekmann: „Jetzt ruht das Arbeitsverhältnis erst einmal.“

Koch sagte in Vaterstetten noch: „Der Umgang mit dem Skandal ist der eigentliche Skandal.“ Ein Mächtiger und ein Mann der Medien – verbunden in Reue und Revision.

28.01.2016






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