Kolumne „Ansichtssache“
Kommentator Wolff-Christoph Fuss und Wolfsburgs Trainer Valerien Ismael (Foto: firo sportphoto/Augenklick)

Kommentator Wolff-Christoph Fuss – Jack Lässig der Kickerwelt

Mit Wolff-Christoph Fuss ist es immer ein großer Spaß. Der Fußballkommentator von Sky wirkt als kreativer Sprachkünstler. Phrasen sind ihm ein Graus – zum Glück!

Von Wolfgang Uhrig

Einmal im sportjournalist. Da wurde in einem Leserbrief ein Berliner Kollege von einem anderen Berliner Kollegen schwer in den Senkel gestellt, wegen dessen Sprache. Wenn also schon öffentliches Aburteilen, dann hier auch mal was Positives – über Wolff-Christoph Fuss, den Fußballkommentator von Sky.
 
Auch bei ihm geht es um das Wort zum Sport, im Fernsehen ja eher weniger wichtig. Fuss aber toppt das Sehen durch das Hören. Wie er jongliert mit Bildern, wie er das Unterrichten zur Unterhaltung macht. Wenn Fuss von „22 Spielern im Blaumann“ spricht, die „im Mittelfeld Steine klopfen“, minutenlang „Ausschuss produzieren“ – dann weiß man ohne Bild durch Ton um die Mühen von Mannschaften (Fuss-Foto: firo sportphoto/Augenklick).
 
Fällt ein Tor, „hat die Abwehr einen Auswärtstermin“, dann kreisen „Geier über der Hintermannschaft“, die „luftig verteidigt“, Stürmer lassen den „verbraucherfreundlichen Eckball“ ungenutzt, es gibt „Unebenheiten in der Sozialstruktur“, als „der Ball besinnlich vors Tor segelt“. 
 
An einem anderen Tag ist das ein „Spiel ohne schweres Gerät“,  haben „Kombinationen Temperatur“, läuft dem Sieger „das Selbstvertrauen aus den Ohren“. Siegt Gladbach, hebt sich „Fohlenstärke aus dem Sattel“, verliert Wolfsburg, sieht Fuss beim Team aus der Autostadt „erhöhte Emissionswerte“.

Ein neues Spiel mit der Sprache

Woanders müssen Spieler Gras fressen, im Strafraum brennt es lichterloh, Trauben hängen hoch, Schalter müssen umgelegt werden, Stürmer hängen in der Luft – bei Fuss ist das ein neues Spiel mit der Sprache. Auch wird hier niemand persönlich beleidigt, außer: „Das Niveau der Nummer 10 liegt knapp unter der Wahrnehmungsgrenze“.
 
Wolff-Christoph Fuss, ein Jack Lässig der Kickerwelt. Er wurde auch schon von deutschen Spitzensportlern gewürdigt, beim „Herbert-Award“. Dazu die Fuss-Note: „Verdienter Meister der Metapher“!

Die Kolumne „Ansichtssache“ schreibt Wolfgang Uhrig für den Verein Münchner Sportjournalisten. Wir danken den VMS-Kollegen für die großzügige Überlassung dieses Textes.

12.02.2017






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