Kolumne „Einwurf“
Auf Wiedersehen, geschätzter Kolumnist! (GES-Sportfoto/Augenklick)

Ich sage Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Seit elf Jahren schreibt Wolfgang Uhrig die Kolumne „Einwurf“ im sportjournalist. Diese hier ist eine ganz besondere. Aus einen bestimmten Grund.

Zum Beispiel Herbert Feuerstein. Wenn der Tod bei ihm vorbeikomme, so der Witzigmann aus Zell am See, gebe es für den eine Überraschung: „Ich werde ihm betont höflich öffnen, aber eine tiefe Verachtung für den finsteren Gesellen durchschimmern lassen.“ Er habe noch einen Termin, will Feuerstein dem Gevatter mitteilen, dann leise die Tür ins Schloss fallen lassen.
 
Herbert Feuerstein wird am 15. Juni 79 Jahre alt. Warum ist es so schwer, im richtigen Moment aufzuhören? Aufzuhören, solange es noch Menschen gibt, die sagen: Schade, dass der schon Schluss macht. Oder aufzuhören, bis es zu viele Menschen gibt, die sagen: Das wurde nun aber auch Zeit!
 
Der beste Abschied ist der selbst gewählte.
 
Nun gehört aber auch das Schreiben zu jenen Berufen, die Ältere ungern aufgeben. „Ich schreibe, solange mein Gehirn funktioniert“, sagte die „Geisterhaus“-Erfinderin Isabel Allende (73) im SZ-Magazin. Und weiter: „Leben ist für mich schreiben. Seit ich 15 bin, explodiert es jeden Tag in meinem Kopf. Der ist so voll, und alles muss raus – ich kann nicht anders.“
 
Kess fragte einmal der Kollege Christoph Ruf (44) die Kollegen im sportjournalist, was „die Alten noch umtreibt“, um kurz darauf mitzuteilen: „Wer das Laptop zuklappt, wenn der Rentenbescheid da ist, war wahrscheinlich nie ein Journalist.“ So isses! (Ruf-Foto: privat)
 
Also weitermachen. Wie der ewige Peter Bachér (89) in der Bild-Zeitung mit seiner Wohlfühl-Kolumne. Wie Heinz Horrmann (73), nie ermüdender Bettentester der Welt. Wie Ilse Kümpfel-Schliekmann (90), die als „Ponkie“ (90) in der Abendzeitung TV-Sendungen seziert. Wie Romancier Martin Walser (89), der als Vorleser unentwegt durchs Land tourt. Und auch wie manche Sportreporter – ohne Ruhe, ohne Stand.
 
Ruhestand: Ich (76) aber verabschiede ich mich mit „Einwurf“ Nr. 132 aus elf Jahren. Und sage Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Wolfgang Uhrig

17.05.2016






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