EM-Kolumne „C‘est la vie“
Paul Pogba (r.) und Mitspieler: Trickreiches Mischen (Foto: firo Sportphoto / Augenklick)

Pogba und die Kartenspieler

Frankreich träumt vom Titel. Das Gastgeber-Team hofft auf einen erneuten Heim-Coup. Die Elf um Superstar Paul Pogba pflegt dabei eine besondere Art der Entspannung.

Von Rainer Kalb

Die Équipe Tricolore will, nachdem sie als Gastgeber 1984 Europa- und 1998 Weltmeister wurde, natürlich auch 2016 den Titel gewinnen. Da stellt sich die Frage: Was treiben „Les Bleus“, wie sie in ihrer Heimat genannt werden, zwischen den Spielen und Trainingseinheiten eigentlich den lieben langen Tag?
 
Immerhin hat Frankreich ja schon seit Jahrzehnten das Leistungszentrum in Clairefontaine südlich von Paris, eine Fußball-Akademie, von der Oliver Bierhoff, Joachim Löw und der DFB noch träumen.
 
Den ausländischen Reportern wird stolz erzählt, dass die Nationalspieler im Hoteltrakt eigene Zimmer haben, die nie von einem „niederen Chargen“ bewohnt werden dürfen. Besonders hingewiesen wird auf den unterirdischen Gang, der das Hotel mit dem Haupttrainingsplatz „Michel Platini“ verbindet.
 
Zuschauer sind auf dem Gelände nicht zugelassen, aber Journalisten müssen ja zu den Pressekonferenzen. Dank des Tunnels kann aber niemand einen Spieler zu unbedachten Äußerungen verleiten oder ihn als Fotograf „abschießen“. Spieler als Bergarbeiter unter Tage - auch eine Variante.
 
Um mehr zu erfahren sind Auskünfte von Journalisten vonnöten, die „Les Bleus“ seit Jahren bei Turnieren und in Trainingslagern begleiten. Dominique Sévérac, seit 20 Jahren „Grand Reporteur“ der Hauptstadtzeitung Le Parisien, hat zwar ein Buch von 241 Seiten geschrieben, aber eigentlich ist der Zeitvertreib der Nationalmannschaft banal.
 
Pingpong wird gespielt, und Paul Pogba ist mit den Händen fast so gut wie mit den Füßen. Andere mögen die größeren Kugeln und spielen Billard. Die jungen Spieler kommen von der PlayStation nicht los.?Einzige Überraschung: die Rückkehr des Kartenspiels, also Poker und die französischen Varianten von Skat, Schafskopf oder Doppelkopf.
 
Dazu der Buchautor Sévérac: „Es ist faszinierend zu beobachten, wie gemeinschaftsstiftend und kommunikativ ein Kartenspiel sein kann.“ Schön, wenn die französische Nationalmannschaft lernt, was der VDS schon seit Jahrzehnten weiß.

03.06.2016






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