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Screenshot der Crowdfunding-Seite zum WSV-Buch (Foto: Startnext)

Crowdfunding.de – Die Fans tragen den Wuppertaler SV

Ohne die Fans des Wuppertaler SV hätte es ein Buch über den traditionsreichen Klub nicht gegeben. Die Unterstützung kam über Crowdfunding. Ein gutes Beispiel dafür, dass Social Media nicht immer destruktiv sein müssen.

Von Clemens Gerlach

Ende August ist es soweit. Dann erscheint ein Buch über den Wuppertaler SV. Das Werk heißt „Nur der WSV!“. Verantwortlich zeichnen der freie Journalist Thomas Besche (47) und der Fotograf Otto Krschak (71). Sie schildern die? „25 legendärsten Spiele“ des Klubs. „Das geht?“, mag ein zu Spott neigender Zeitgenosse fragen, „mir fällt nicht eines ein.“ Vorsicht! Der Wuppertaler SV ist durchaus eine Nummer, besser: Er war es.

Von 1972 bis 1975 gehörte der Klub der Bundesliga an und qualifizierte sich sogar für den UEFA-Cup. Ein für den Neuling sensationeller vierter Platz 1972/1973 brachte den WSV nach Europa. Es wurde ein kurzes Vergnügen. Erstrundengegner Ruch Chorzów aus Polen wurde in die Kategorie „Kann man schaffen“ einsortiert – eine Fehleinschätzung: Nach dem 1:4 auswärts war ein 5:4 im Stadion am Zoo zu wenig (Buchcover: Besche/Krschak).

1974/1975 folgte der Abstieg aus der Bundesliga. Mit zwölf Punkten war die Bilanz knapp besser als die des „ewigen“ Schlusslichts Tasmania Berlin (acht Punkte). Anschließend machte der Verein aus dem Bergischen Land weiter negative Schlagzeilen. Der sportliche Niedergang der Wuppertaler führte bis hinunter in die 5. Liga, auch eine Folge finanzieller Probleme inklusive Insolvenz. Und über solch einen scheinbaren Gurkenverein wird nun ein Buch veröffentlicht? Gut so!

Es ist jedoch leider kein großer Verlag, der hinter dem Projekt steht. Getragen wird es von Besches und Krschaks Engagement – und von vielen Fans, die auf der Crowdfunding-Seite Startnext, der größten im deutschsprachigen Raum, Geld gespendet haben. So sind wenigstens die Produktionskosten gedeckt.

Über die sogenannte Schwarmfinanzierung hat der sportjournalist schon mehrfach berichtet (siehe etwa Ausgabe 2/2014); das ist keiner der neuen (natürlich immer) superheißen Digitaltrends. Es ist aber schön zu sehen, dass Social Media nicht nur, wie häufig behauptet, ausschließlich Müll, Hass und Verachtung produziert. Stichwort: asoziale Netzwerke.

Ohne Enthusiasten, die sich online zusammentun, wären viele künstlerische Aktivitäten nicht möglich. Ob nun ein Buch wie beim WSV oder ein Film wie bei den deutschen Hockeyspielern (siehe sportjournalist-Ausgabe 7/2016) – Crowdfunding ist ein inzwischen bewährter Weg, um Projekte zu finanzieren, die sonst nicht realisiert werden könnten. Ein Hoch auf die engagierten Massen!

P.S.: Wer sich für das Buch interessiert, kann eine Mail an wsv-buch@gmx.de senden.

Dieser Artikel stammt aus der August-Ausgabe des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

21.08.2016






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