Kolumne „Hardt und herzlich“
ARD-Livestreams während der Olympischen Sommerspiele in Rio (Foto: Screenshot)

Millionen Zuschauer wollten ihr eigener Regisseur sein

Die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro waren für die Zuschauer ein besonderers Erlebnis. Auch dank der umfangreichen Streaming-Angebote.

Von Andreas Hardt

Ringen, da muss ein Deutscher auf dem Boden knien und der Gegner aus Aserbaidschan kommt von hinten. Kein schöner Anblick. Also weiter. Im Freiwasserschwimmen kraulen sie durch eine verdreckte Bucht. Also weiter. Dreisprung aus dem Olympiastadion, Max Heß ist aber raus. Will ich das? Oder doch zurück zu Gerhard Delling ins Studio?
 
Olympia auf dem heimischen Sofa oder auch am Redaktionsschreibtisch war durch die Livestreams bei ARD und ZDF ein Füllhorn der Möglichkeiten, die große Auswahl für uns alle. Jedenfalls für den, der einen anständigen Computer, ein Tablet, einen internetfähigen Fernseher oder ein Handy hat. Es war toll.
 
Vor allem, weil man eben nicht der Regie der Anstalten ausgeliefert war, die das eine oder andere Mal eigenwillig wirkende Programmschwerpunkte setzte. Vieles war super, manches aber nicht. Müde Moderationen in brasilianischer Nacht, nachgereichte Aufzeichnungen statt echter Live-Spannung, das gab es immer wieder.
 
Auffällig auch die Konzentration auf alles, was deutsch ist. „Und jetzt zur Tagesschau“ – Nein!! Also zurück zum Livestream. 30 Millionen Abrufe nach Angaben des IOC alleine in Deutschland, viele Zuschauer wollten ihr eigener Regisseur sein. Paradiesische olympische Verhältnisse.
 
Das galt auch für die Quoten bei den Übertragungen im „traditionellen“ Fernsehen. 6,9 Millionen Zuschauer sahen Judo, kaum weniger Turmspringen. Allerdings: Am 15. August verfolgten 4,5 Millionen Zuschauer in der ARD die Olympia-Berichterstattung. Und gleichzeitig im ZDF die Übertragung vom Fußball-Supercup zwischen Dortmund und Bayern 7,5 Millionen.
 
So wird es nun verstärkt wieder werden, König Fußball regiert. Wo ist dann der Livestream, wenn man ihn braucht? Vielleicht ja hier: sportdeutschland.tv.

Dieser Artikel stammt aus der September-Ausgabe des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

10.09.2016






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