Linktipp – Robb Report Germany
Screenshot der Website des Robb Reports Germany (Foto: Robb Report)

Gedränge im Luxussegment

Den Robb Report gibt es jetzt auch als deutschsprachige Ausgabe. Das Blatt für den solventen Leser gibt sich reichlich Mühe. Womit? Staunen Sie selbst!

Von Clemens Gerlach

Im Zeitschriftensegment hierzulande tut sich einiges. Von wegen Printkrise, die Holzmedien blühen auf. Immer weitere Titel kommen neu auf den Markt, kürzlich Zeit Magazin Mann (Schauspieler Christoph Waltz: „Ich bin ein anderer“) und ganz frisch Robb Report. Der Jahreszeiten Verlag probiert sich an einer deutschen Ausgabe des „weltweit erfolgreichen Lifestyle- und Luxusmagazins“. Oha, Luxus! Hört sich interessant an. Mal schauen.

Der Chefredakteur des RR (eingeführte Abkürzung in solventen Zirkeln, zum Beispiel Rolls-Royce oder Rolex Roségold) bewirbt sein Blatt nach Kräften, was sein gutes Recht ist, sogar seine Pflicht, unter anderem im Branchendienst Meedia. Zitat: „Der wahre Luxus, dem wir auf der Spur sind, muss wie ein Bergdorf sein, das extrem schwer zu erreichen ist, und zwar rein physisch, egal wie viel man bereit ist zu zahlen.“

Wir lernen: Geld ist nicht alles, zumindest dann nicht, wenn man die Kletterfähigkeiten des jungen Reinhold Messner besitzt und die Ausdauer eines Sir Edmund Hillary. Sorry, ich hatte ganz vergessen, den RR-Obersten namentlich einzuführen. Der Chefredakteur heißt Joern Kengelbach, ist 42 Jahre alt und war vormals bei GQ, G+J Corporate Editors und Springer (Foto: obs/Jahreszeiten Verlag).

Neue Heimat für herumvagabundierende Qualitätskonsumenten

Das Interview bei Meedia ist ziemlich ausführlich, auf Dauer aber ganz und gar nicht luxuriös, weil Verlags-PR-Sprech halt Verlags-PR-Sprech ist. Ein wenig Erläuterung muss aber noch sein, damit klar wird, dass es dem Jalag mit dem Robb Report nicht darum geht, nun auch ein Anzeigenblatt für die nach Aufmerksamkeit gierenden Luxusmarken im Portfolio zu haben. Nein, Ziel ist, den in der immer komplexeren Medienwelt herumvagabundierenden Qualitätskonsumenten eine neue Heimat anzubieten. Ganz unverbindlich natürlich, aber mit Haltung und Niveau. Logo!

Kengelbach betont: „Dem redaktionellen Konzept haben wir den Claim ‚Die Seele der Dinge’ gegeben.“ Nicht ganz klar, was gemeint ist? Nun aber: „Selbst wenn sich der Leser den Bugatti Chiron für rund 2,86 Millionen Euro nicht leisten kann, sollen danach keine Fragen mehr zu dem Sujet offen sein.“ Also wirklich, geschätzte Kollegen, mit so einer Durchschnittskiste fährt schon lange keiner mehr herum, die langt nicht einmal für den Transport des Altglases zur Wertstoffinsel. Durchstarten, Hightech-Helis und Tarnkappen-Yachten sind jetzt in!

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe November 2016 des sportjournalist, die direkt beim Meyer & Meyer Verlag bestellt werden kann. Mitglieder des VDS können sich das Heft als PDF im Mitgliederbereich kostenlos herunterladen.

04.01.2017






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